Freche Kunst in der Hanfelder Straße

Heidi Roschat eröffnet Galerie "unARTig"

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Heidi Roschat eröffnet die Galerie unARTig mit „frecher Kunst“.

Starnberg – Gründonnerstag eröffnete Heidi Roschat im Pavillon an der Hanfelder Straße eine Galerie, die die Blicke auf sich zieht. „unARTig“ heißt der Verkaufsraum, in dem die Starnbergerin fortan „freche Kunst“ anbietet – und schon beim Einrichten der Räumlichkeiten reichten die Reaktionen der Passanten von Bewunderung, Begeisterung bis hin zum erschrockenen Wegschauen.

Der pinke Stuhl mit der Sitzfläche zwischen zwei Frauenbeinen ist eines der ersten Dinge, die auffallen. Aber auch die Bronzestatue mit zwei verschobenen Brüsten und die Konturen eines nackten Frauenkörpers als Sofatisch sind ein Hingucker. Als Provokation versteht die Sozial-Pädagogin, Heilpraktikerin und Psychotherapeutin, die einst als Radiologie-Assistentin ins Berufsleben eingestiegen ist, ihr Geschäft nicht. Vielmehr steckt im Konzept so etwas wie ein Statement: „Wir treiben zu viel hinter verschlossenen Türen und bauen Fassaden“, stellt die 62-Jährige fest. „Wenn wir uns nackter zeigen würden, wäre das hilfreich.“

Skandalkünstlerin Niki de Saint Phalle ist zu finden 

 

Kürzlich kam ein junger Architekt am Laden vorbei. Der sagte: „Dass Sie sich das trauen? Ich bin so verklemmt aufgewachsen.“ Sie sei auch nicht gerade freizügig aufgewachsen, betont die Kunstliebhaberin an der Eröffnungsfeier. Aber sie habe im Laufe ihres Lebens viel Leichtigkeit gewonnen. Und jetzt traute sie sich – womit eine Vision Gestalt annahm, die zuvor lange in ihr gärte. Möglich geworden, weil sie vor vier Wochen am Pavillon vorbeikam und sie das Schild „zu vermieten“ regelrecht ansprang. „Sofort war mir klar: Das ist eine Galerie“, woraufhin sie den Raum, den sie fortan mit dem Kosmetiksalon von Melanie Gals teilt, mietete. Für die Umsetzung legte sich auch ihr persönlicher Galerist und „Sachensucher“ in der Kunstwelt auf die Fährte nach dem Besonderen. Dabei stieß er auf die bunten Nanas der französischen Skandalkünstlerin Niki de Saint Phalle oder die gerahmte Strichzeichnung eines auf dem Glied fliegenden Vogels. 

Nicht nur Frauen zu sehen

Beim Einräumen der Kunstwerke beobachtete Roschat auch schon Mal verschämt wegschauende Passanten. Einmal musste sie sogar den Vorwurf „sexistisch“ über sich ergehen lassen. Brigitte Kappauf, die an der Eröffnung dabei war und sich als „alte Feministin“ bezeichnet, konnte sich über solche Interpretationen nur wundern. Roschat umschreibt die ausgestellten Kunstwerke vielmehr als erotisch-kraftvoll, von Selbstbewusstsein und Energie strotzend. Im Übrigen seien hier auch einige Männer in ihrer ganzen Blöße ausgestellt: Nicht zuletzt der Nachguss in Bronze des muskelstrotzenden Kriegers mit einem unterdimensionierten Penis. Oder „The Sportsman“ aus dem Guggenheim Museum in Venedig. „Mein Thema ist Erotik. Das kann auch eine Farbe sein oder eine Atmosphäre.“ Etwa die patinierte Vase oder der pastellfarbene Champagner-Kühler. 

Roschats Sohn ist katholischer Priester in Hamburg

Das Feedback der Passanten sei allerdings größtenteils positiv, sagt die dreifache Mutter, deren Kinder Julian und Ines Wuttke gerade für die Eröffnungsfeier alle Lampen einschalten, die den Laden in ein romantisches Licht tauchen. Beide unterstützen das Projekt ihrer Mutter aus Überzeugung. Auch Noel Hendrick Klenze. „Er bedauert, dass er heute nicht hier sein kann“, zitiert Roschat den ältesten Sohn und fügt hinzu: „Er ist katholischen Priester in Hamburg.“

Die Galerie unARTig befindet sich in der Hanfelder Straße 3 in Starnberg und ist jeweils mittwochs bis freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Von Michele Kirner

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