Wegen Missbrauch, sexueller Übergriffe und Titelmissbrauch

Drei Jahre Haft für "Heiler" von Krailling

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Aus dem Gericht: Der Heiler von Krailling muss ins Gefängnis.

Krailling/München – Seit einem knappen Jahr saß der Ayurveda-Heiler aus Indien im Stadelheim in Untersuchungshaft. Vergangene Woche verurteilte ihn das Landgericht München II wegen zweifacher Vergewaltigung, zwei sexueller Übergriffe und Titelmissbrauchs zu drei Jahre Haft.

Der Vorwurf: Der gebürtige Inder soll im Februar 2017 zwei Frauen während einer Behandlung mit dem Finger und die Hände zweier anderer Patientinnen gegen sein Geschlechtsteil gedrückt haben. Die Staatsanwaltschaft sieht dabei in zwei Fällen sogar den Tatbestand einer Vergewaltigung erfüllt. Auch musste der in Krailling Inder sich – nicht zum ersten Mal – wegen Titelmissbrauch verantworten, weil der Ayurveda-Heiler, der seit 16 Jahren in Deutschland eine Ayurveda Praxis führt, immer als „Doktor“ aufgetreten sei und den Zusatz Ayurveda weggelassen habe. Ein Doktor sei er aber nicht, beschloss das Landgericht bereits 2014 und verurteilte ihn damals zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Er habe 13 Jahre in einer Indischen Universität Ayurveda studiert, wehrte sich der Angeklagte. Und in Indien sei der Zusatz „Doktor“ durchaus zulässig.

Anzeige im Februar 2017

Auch die sexuelle Belästigung wies er weit von sich. Zwei Frauen behandelte er aufgrund einer Blasenschwäche und – so die Aussage des Beschuldigten – auf beginnenden Krebs. Vor der Behandlung kläre er die Frauen über die Behandlung auf und hole ihr Einverständnis ein, auch im Körperinneren sogenannte Marma-Punkte zu berühren. Eine der Patientinnen habe ihr Okay gegeben, die nach der Therapie geheilt gewesen sei. An die anderen drei Frauen könne er sich nicht erinnern. Aus sexuellen Motiven habe er nie gehandelt, versicherte der Angeklagte. Im Februar 2017 hatte eine Patientin den praktizierenden Ayurveda Heiler angezeigt. Aufgrund der in der Praxis gefundenen Karteikarten kontaktierte die Kriminalpolizei alle Patienten, woraufhin drei weitere Frauen angaben, von dem Angeklagten sexuell belästigt geworden zu sein.

In einer Erklärung betonte seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Susanne Hartlage, dass der Inder mit seinen Therapien gute Erfolge erzielt habe und keinerlei sexuelle Motive hinter den Behandlungen steckten. Ein „Scharlatan“ sei der 55-Jährige nicht, sagte Richterin Regina Holstein in ihrer Urteilsbegründung. Aber er habe bei der Behandlung ganz klare „Grenzen überschritten“.

Von Michele Kirner

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