Problemlösungen mit oft unterschiedlichen Herangehensweisen

Heimische Wirtschaft lud zur Diskussionsrunde mit fünf Landrats-Kandidaten in Gilching

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Stellten sich den Fragen der Wirtschaft und ihrer Vertreter: (v.l.) Martin Eickelschulte (IHK), die Landratskandidaten Cédric Muth und Martina Neubauer, Michael Padberg (UWS), Ludwig Gansneder (Kreishandwerksmeister), Stefan Frey, Christiane Kern und Matthias Vilsmayer.

Gilching – Einen ersten Schlagabtausch lieferten sich die fünf Kandidatinnen und Kandidaten für den Landratsposten im Marriot-Hotel auf Einladung des Unternehmerverbands, der Kreishandwerkerschaft und der IHK. Alle fünf – Stefan Frey (CSU), Christiane Kern (SPD), Cedric Muth (FDP), Martina Neubauer (Grüne) und Matthias Vilsmayer (FW) – stellten sich den Fragen der drei Verbände und betonten ihre Verbundenheit mit der heimischen Wirtschaft.

Wie wirtschaftsfreundlich soll und muss die Verwaltung in Rathäusern und im Landratsamt sein, wie kommen Klimaschutz und Ökonomie zusammen, wie stellen sich die Kandidaten und Kandidatinnen eine infrastrukturelle Weiterentwicklung im Landkreis vor und wie sehr wird die heimische Wirtschaft wertgeschätzt? Über diese Themenblöcken – moderiert von Michael Padberg, dem Vorstandsvorsitzenden der UWS, Martin Eickelschulte vom Starnberger IHK-Regionalausschuss und dem Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder – diskutierten die fünf vor rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer – wirklich weit liegen sie inhaltlich nicht auseinander. Nur bei der Herangehensweise zeigen sich die jeweiligen Positionen deutlich.

Wirtschaftsfreundliche Verwaltung

Michael Padberg erinnerte an einen Antrag der Unternehmerschaft vom 14. Oktober vergangenen Jahres, die Kreisverwaltung möge sich doch als „Wirtschaftsfreundliche Verwaltung“ zertifizieren lassen. Der Berger FDP-Kandidat Cedric Muth „würde den Antrag sofort unterstützen“. Er sieht die Kreisverwaltung als eine Art Servicestelle für Bürger und Unternehmen. „Ein Antrag muss schnell und transparent behandelt werden“, sagte Muth. Das sieht auch sein Mitbewerber Matthias Vilsmayer von den Freien Wählern aus Gilching nicht anders. Das Landratsamt sei Dienstleister für Bürger und Unternehmer, „die Bearbeitung von Anträge kann Tage, vielleicht auch eine Woche dauern, aber nicht Monate“, betonte Vilsmayer, seit 22 Jahren selbst Unternehmer. Der Landrat sei auch immer selbst Ansprechpartner, betonte der Starnberger CSU-Kandidat Stefan Frey. „Es gibt keine unlösbaren Probleme“, stellte er fest. Frey baut auf den weiteren digitalen Ausbau der Verwaltung, was die Abläufe beschleunigen werde. Einen engeren Dialog mit der Wirtschaft will auch die Grünen-Kandidatin Martina Neubauer führen. Auch sie will die Verfahren beschleunigen, sagte aber: „Es ist schwierig, kompetentes Fachpersonal zu bekommen“. In dasselbe Horn stieß Christiane Kern. Die SPD-Bewerberin, die nach Starnberg gezogen ist und „derzeit die Betriebe im Landkreis besucht“, verwies ebenso auf fehlendes Personal. Was auch an den hohen Mieten und Lebenshaltungskosten liege.

Klimaschutz und Ökonomie

Ganze 0,7 Prozent der Flächen im Fünfseenland ist von Gewerbetreibenden und Firmen belegt, erklärte Michael Padberg zu einer entsprechenden IHK-Untersuchung. Um die Möglichkeit für Unternehmen, die sich im Landkreis weiterentwickeln wollen, ging es in der zweiten Runde. Für eine „maßvolle Bebauung“ warb SPD-Kandidatin Christiane Kern. „Genau hinschauen“ empfahl Martina Neubauer, sie warnte vor einem künstlichen „Siedlungsdruck von außerhalb durch die Ausweisung von immer neuen Gewerbegebieten“. Für Stefan Frey steht indes fest: „Geht‘s den Unternehmen gut, geht‘s den Gemeinden gut.“ Kreis und Kommunen müssten „gewissen Flächen“ auch entwickeln können. Was auch Matthias Vilsmayer so sieht. Um wachsen zu können, müssten Unternehmen und Betriebe am Ort die Möglichkeit bekommen, betonte Vilsmayer. Das freilich nur gekoppelt mit einem behutsamen Flächenverbrauch. Dass innerörtliche Gewerbegebiete „zwar schön wären, aber nicht immer möglich sind“, weiß Cedric Muth aus seiner Heimatgemeinde Berg. Er baut deshalb auf interkommunale Gewerbegebiete nach dem Vorbild von Wörthsee und Inning.

Weiterentwicklung der Infrastruktur

Mehr ÖPNV forderten alle. Christiane Kern möchte den S-Bahn-Takt verdichten und für die Gewerbegebiete in Gilching und Oberpfaffenhofen eine Wiedereröffnung der ehemalige Haltestelle Weichselbaum prüfen lassen. „Der ÖPNV ist für mich ein leidenschaftliches Thema, denn viele können sich kein Auto leisten“, betonte sie. Vor allem für die Betriebe im ländlichen Raum möchte sie einen schnelleren Breitbandausbau. „Da muss noch kräftig nachgearbeitet werden“, fordert ebenso Martina Neubauer. Der ÖPNV sei auf dem richtigen Weg, versicherte sie weiter. „Wir haben ein tolles Bussystem, von Weßling nach Söcking geht‘s in 35 Minuten“, legte sich nach. Früher habe man zuerst nach München-Westkreuz, umsteigen und dann wieder raus nach Starnberg fahren müssen. Ihre Forderung: die Fahrzeiten auf 5 bis 24 Uhr ausweiten. Das 325-Euro-Ticket, mit dem Schüler und Azubis von August ab ein ganzes Jahr mit Bus und S-Bahn fahren können, verbucht Neubauer als einen Erfolg ihrer Partei. Was Mitbewerber Stefan Frey ihr freilich nicht durchgehen ließ. Vielmehr sei das ein Erfolg aller im Verbund beteiligter Landkreise. Bei der Mobilität hat Frey auch die Regionalbahn im Visier. Der Zug soll neben Tutzing und Starnberg auch in Gauting halten, wie von seinen Parteifreunden im Würmtal so gefordert. Alle sechs Monate soll eine Verkehrskonferenz abgehalten werden, damit man weiß, wo der Schuh drückt. Er möchte aber auch in den Straßenbau im Landkreis investieren. Für Matthias Vilsmayer sind die zehn Millionen Euro, die der Kreis jedes Jahr in den ÖPNV steckt, „gut angelegtes Geld“. Wie bereits seine Vorredner setzt der Gilchinger ebenfalls auf Fahrradschnellwege; und bei der Station Weichselbaum sei er „ein Befürworter der ersten Stunde“. Dringen Handlungsbedarf sieht der FW-Kandidat bei den Ladesäulen für Elektroautos im Landkreis. „Ich bin drei Jahre lang ein E-Auto gefahren und habe jetzt wieder gewechselt.“ Mehr Pendelverkehr in Form von Anruf-Sammel-Taxis möchte Cedric Muth installieren. Auch er würde sich im Falle seine Wahl sofort für die Fortsetzung des Netzausbaus einsetzen.

Wertschätzung der heimischen Wirtschaft

Rund 90 Millionen Euro Gewerbesteuer bescherten die Unternehmen den Kommunen. Für diese Leistung würden sich nicht wenige über etwas mehr Wertschätzung freuen. Allen voran wünschen sich die Unternehmer für ihre Mitarbeiter (und die, die sie noch anwerben wollen) bezahlbaren Wohnraum. „Die Politik muss das Thema endlich ernst nehmen, die Sonntagsreden gehen mir auf dem Geist“, fasste Michael Padberg die Stimmung unter den Unternehmern zusammen.

Von Oliver Puls

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