Komplexes Thema

Heißes Eisen: Debatte um Radlverbot auf der Herrschinger Seepromenade geht in die nächste Runde

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Die Entscheidung über ein Fahrradverbot am Uferweg wurde erneut vertagt.

Herrsching - Bürgermeister Christian Schiller hat aufgehört zu zählen, wie oft das Fahrradverbot auf der Seepromenade schon auf der Tagesordnung stand. "Alle drei bis vier Jahre behandeln wir das Thema", sagt Schiller. So geschehen in der Sitzung Ende Juni, als eine coronabedingt verkleinerte Ratsrunde die Entscheidung an die komplette Besetzung im Juli übergab (Wir berichteten).

Im Gemeinderat lösten die Anträge vom Behinderten- und Seniorenbeirat und der SPD vor den großen Ferien 90 Minuten Diskussion aus. Zu einem Beschluss kam es nicht, stattdessen reichten die Räte das heiße Eisen zur Bearbeitung an den Arbeitskreis Verkehr weiter. 

Im Herbst wird sich das Gremium mit dem Radverbot und mit der Möglichkeit befassen, die Summerstraße, die Rudolf-Hanauer-Straße und die Madeleine-Ruoff-Straße in eine Fahrradstraße umzuwidmen. "Die Themen sind zu komplex, um in einer Sitzung eine Lösung zu finden", erklärt der Bürgermeister gegenüber dem Starnberger Kreisboten.

Das angedachte Verbot der Drahtesel am Uferweg brachte schon vor zwei Monaten einige aufgeregte Bürger auf den Plan, die sich telefonisch oder per Mail in der Verwaltung dagegen gewehrt hatten. In der jüngsten Sitzung habe sich gezeigt, dass die Mehrheit der Räte einem strikten Verbot für Fahrräder ebenfalls negativ gegenüberstände, so Schiller. Unter seiner Vorgängerin Christine Hollacher habe es schon einmal ein Radverbot auf der Promenade gegeben, erinnert er sich. "Später haben wir es wieder aufgehoben, weil das Verbot einfach nicht kontrollierbar war." Gehalten habe sich nämlich kaum jemand daran. Dessen ungeachtet forderten der Behinderten- und Seniorenbeirat in einem Eilantrag eine schnelle Umsetzung eines Fahrradverbots zwischen dem Restaurant Seespitz bis zum Kurpark. Nicht durchgehend, sondern lediglich im Sommer an Wochenenden beziehungsweise an Feiertagen.

Damit die Radler ausweichen könnten, sollten auf der Summerstraße Gehwege abgesenkt und Parkplätze entfernt werden, schlugen die Beiräte vor. Das langfristige Ziel wären drei Fahrradstraße, auf der die Radler nebeneinanderfahren dürfen und sich die Autofahrer ihnen unterordnen müssen. Auf Wunsch des Bürgermeisters nahmen Landrat Stefan Frey und Verkehrsmanagerin Susanne Münster an der Sitzung teil. "Das war gut", betont Schiller. Denn mit ihrem Fachwissen hätten sie unter anderem die Zuständigkeiten klären können. Etwa, dass die Gemeinde nicht auf eigene Initiative eine Straße umwidmen kann. Für eine Umsetzung müsste das Landratsamt mitspielen und die Polizei beratend hinzugeholt werden, sagt Schiller. Auch der für Herrschings Verkehrskonzept verantwortliche Planer Ralf Kaulen sollte seine Expertise einbringen. Nach der Debatte im Sitzungssaal war es schließlich Münster die anregte, die Entscheidung an den Arbeitskreis abzugeben, in dem die Verkehrsmanagerin ebenfalls mitwirkt.

Dieser wird sich – neben der Fahrradstraße und dem Radverbot - noch mit möglichen Schildern oder Hürden auf der Seepromenade befassen, die deutlicher kennzeichnen, dass Fußgänger hier Vorrang haben. "Die meisten Radfahrer halten sich an die Regeln", betont Schiller. "Ein paar Rücksichtslose gibt es natürlich immer."

Von Michèle Kirner

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