Helferkreise im Landkreis proben Aufstand: Unnötige Schikane in Unterkünften

"Es reicht!"

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Eva Ott und die kleine Princess.

Gilching – Dass es Ehrenamtlichen oft nicht leichtgemacht wird, dort zu helfen, wo der Staat versagt, ist nicht neu. Die Bürokratie steht oft über dem Wohl der Menschen. Nicht anders ergeht es den zahlreichen Helfern in puncto Betreuung Asylbewerber. In einem Brief an die Regierung von Oberbayern machte Eva Ott ihrem Ärger im Namen der Helferkreise im Landkreis Luft.

„Es reicht“, sagt Eva Ott. Mit ihrer Wut steht die Gilchinger Sprecherin des Helferkreis Asyl in Gilching nicht alleine da. Ihrer Meinung nach läuft jegliches Engagement der Ehrenamtlichen für mehr Menschlichkeit in den Asylbewerber-Unterkünften ins Leere, weil seitens der Verantwortlichen genau das Gegenteil getan werde. Bei einer so genannten Koordinatoren-Konferenz wurde deshalb beschlossen, sich gegen unmenschliche Anordnungen seitens der Verantwortlichen gegenüber der Asylbewerber zur Wehr zu setzen. Insbesondere die Organisation European Homecare (EHC), die sich eigentlich um das soziale Wohlergehen der Asylbewerber kümmern sollte, würden mehr durch unnötige Schikane als durch Hilfe von sich reden machen. Wobei sich EHC stets auf Anordnungen durch die Regierung von Oberbayern beruft.

Unter anderem wurden seitens der Asylbewerber mit Unterstützung Ehrenamtlicher elektrische Haushaltsgeräte sowie Lampen und Teppiche angeschafft, um in den Containern ein wenig heimische Atmosphäre zu schaffen. „Die Folge war, dass die nagelneuen Geräte und auch die Teppiche wegen vorgeblicher Brandgefahr konfisziert und irgendwo eingelagert wurden. Wird Widerstand geleistet, werden drastische Strafen bis hin zur Verlegung in Sammelunterkünften angedroht, ärgert sich Ott. „Die Menschen fühlen sich wieder einmal bevormundet und nicht auf Augenhöhe behandelt.“ Sie legte zudem Wert auf die Feststellung, dass es nie um offenes Feuer gegangen sei, sondern um Haushaltsgeräte, die für mehr Sicherheit sorgten, unter anderem auch deshalb, weil sie sich selbst abschalten und so vor Überhitzung schützen.

Nicht nachvollziehbar sei zudem ein Vorgang, den sich Frauen aus der Sammelunterkunft an der Landsberger Straße in Gilching gefallen lassen mussten. Zusammen mit Einheimischen hatten sie Adventskränze gebunden, geschmückt und in Unkenntnis des eigentlichen Zwecks mit Tesafilm an die Wand geklebt. „Es waren weder Kerzen dran noch sonst brennbares Material. Die Frauen waren alle so stolz auf ihre bunten Adventsgestecke, so lange, bis ein Mitarbeiter des EHC kam, alle Kränze von den Wänden riss und entsorgte. Begründung war Brandgefahr. Auch uns wurde verboten, an den Christbaum, den wir im Hof der Unterkunft an der der Landsberger Straße in Gilching aufstellten, Lichterketten anbringen. Letztendlich wurde angedroht, sämtliche Unterkünfte mit Lastwagen anzufahren und zu räumen, wie es bereits in Andechs gesehen ist. Sind solche Maßnahmen tatsächlich von der Regierung angeordnet worden?“, fragt Ott. „Ist es einem Flüchtling nicht erlaubt, in einer Gemeinschaftsunterkunft Privatsphäre zu haben? Wo bleibt da der Integrationsgedanke?“.

Ihr Brief ging mit Unterstützung der Koordinationsstelle an Ulrich Stemmler von der Regierung von Oberbayern. Eine Antwort hat sie nicht bekommen, diese ging an die örtliche Presse. Mit vielen Worten wurde erklärt, dass es sich um reine Sicherheitsmaßnahmen handle. Außerdem verwies Regierungssprecherin Michaela Krem auf einen Fall in einer Gemeinschaftsunterkunft in Neuburg a. d. Donau. Dort hatte ein Bewohner vergessen, ein Haushaltsgerät auszuschalten, so dass es zu einem schwerwiegenden Brand gekommen sei.

Von Polly Polster

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