Hella Müting: 104-jähriger Filmstar aus Gilching

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Gilching – „Was für eine Freude ist es, diesen über Hundertjährigen zuzuschauen. Ü100 wirft einen positiven und ermutigenden Ausblick auf die spätere Lebensphase und kann uns in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Älterwerden inspirieren“, so Bayerns Sozialministerin Emilia Müller nach der Filmpremiere in München. Jetzt kommt der Film nach Gilching.

Die acht Protagonisten in Ü100 von Bayerischer-Filmpreis-Gewinnerin Dagmar Wagner strahlen eine große Gelassenheit und innere Freiheit aus. Das gelebte Leben ist längst angenommen, nichts wird mehr auf Effizienz, Perfektion und Selbstdarstellung getrimmt. Sie können Beispiel und Orientierung sein für die Jüngeren einer immer schneller werdenden Gesellschaft. Ü100 ist vom morgigen Donnerstag, 27. bis einschließlich Sonntag, 30. April, in der Filmstation Gilching (Römerstraße 11) zu sehen. Zur Vorstellung am Samstag, 29. April, um 14 Uhr hat sich die in Gilching lebende Protagonistin Hella Müting angekündigt. Ebenso wie die Regisseurin des Film Dagmar Wagner wird sie in einem Filmgespräch nach dem Film Fragen aus dem Publikum beantworten. Ü100 ist ein Einblick in eine immer noch reiche Lebenswelt: Die 102-jährige Ruja setzt sich ans Klavier und spielt Mozart. „Ich spüre nicht, dass ich älter werde“, sagt sie. Ernst, ebenfalls 102, hat kürzlich einen Einbrecher in seinem Haus zuerst verarztet und dann rausgeworfen. Erna, 104, liebt Fußball und zittert für ihren Lieblingsverein. Und die 103-jährige Anna sei jetzt „reif für den Untergang“ und lacht dabei. Jenseits allen Unterhaltungswerts gewährt Ü100 außerdem einen Blick in die Zukunft: Die Hälfte aller Deutschen mit Geburtsjahr 2000 oder später hat eine gute Chance, 100 Jahre alt zu werden. Bereits 2060 werden mehr als zehn Mal so viele Hundertjährige leben wie heute. Rentnerberg und Seniorenwelle? So what! Ü100 stellt jenseits von Schönfärberei und Zweckoptimismus unter Beweis: Altwerden ist kein Mangel. Mit Heiterkeit und ohne Pathos schildern die acht über Hundertjährigen ihr momentanes Leben und beeindrucken mit echter Authentizität: Die 83 Filmminuten wirken wie ein Tag Urlaub, eine Reise in ein unbekanntes Land mit großem Erholungseffekt: Denn für unsere auf Effizienz und Perfektion getrimmte Gesellschaft können Einblicke in das Leben Hochaltriger heilsam sein. Wenn sich das Leben fast ausschließlich auf die reine Existenz beschränkt, bleibt für Eitelkeiten kein Raum mehr. Den Wert und Respekt für das Leben der Hochaltrigen zu erkennen wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine der humansten Aufgaben der Gesellschaft sein. Die Reaktionen von Publikum und Presse nach der Uraufführung einer Vorabversion des Films waren überwältigend: In bester Laune, mit sehr viel weniger Angst vor dem Älterwerden und nach langen, intensiven Gesprächen, verließen die Zuschauer den Kinosaal. kb

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