Herrsching: Faust gegen Auto-Blech - 1.400 Geldstrafe, 2.179 Euro Sachschaden

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Herrsching - „Das ist physikalisch schlichtweg nicht möglich“, sagte die Starnberger Amtsrichterin Christine Conrad zu der Unfall-Version, die ihr ein 61-jähriger Heilpraktiker aus Herrsching soeben vorgetragen hatte. Dem wegen Sachbeschädigung angeklagten Mann lag zur Last, er habe beim unerfreulichen Zusammentreffen mit einem Sportwagen im August 2016 an der Herrschinger Seestraße diesem per Faustschlag eine Delle ins Blech gehauen – Sachschaden nach Angaben der Fahrzeugbesitzerin 2.179,57 netto.

Der Heilpraktiker schilderte die Sache nun vor Gericht als Folge eines Streifvorgangs: Der Wagen sei in der Tempo 30-Zone mit zu hoher Geschwindigkeit des Weges gekommen, „als ich gerade die Straße überqueren wollte“, so der Angeklagte. Trotz seiner „Langsamer“-Geste hin sei das Auto sogar noch schneller geworden und habe ihn im Vorüber-rauschen mit dem ausgestellten Sportheck am linken Knie gestreift. Hierdurch sei er in eine Drehbewegung versetzt worden und habe „mit der flachen Hand“ das Autoblech erwischt - versehentlich, betonte der 61-Jährige, der den oder die Fahrer/in damals gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Warum die Lenkerin des „Sportwagens“, eine ortsfremde Besucherin, ihre Fahrt nach der Kollision einfach fortgesetzt hatte, ohne anzuhalten, deuteten Richterin Conrad und die Staatsanwältin damit, dass der Heilpraktiker ihnen ein Märchen auftische: Aus den Schadensfotos gehe hervor, dass die dicke Delle am Wagen „keinesfalls mit etwas Unabsichtlichem erklärt werden kann“, so Conrad. Die Anklagevertreterin wiederum hielt dem Herrschinger vor, die Beule am Auto liege „vorne“, also nicht dort, wo das ausgestellte Heck ihn angeblich erwischt habe. „Ich glaube Ihnen kein Wort“, ließ die Staatsanwältin wissen. Aus Sicht des Gerichts wurde die Darstellung des Beschuldigten dadurch noch weiter erschüttert, dass er damals nicht zum Arzt gegangen war und auch kein Attest seiner Verletzungen an Knie und Hand vorgelegt hatte: „Ich bin Selbstbehandler“, erklärte der Heilpraktiker und Physiotherapeut – es widerspreche außerdem seiner „Denkweise“, nach einem solchen Vorfall sofort Ansprüche zu dokumentieren. Warum er dann „alle Register gezogen“ habe, wollte die Richterin wissen – Gegenanzeige wegen Unfall-flucht, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen eine Beamtin der Polizeiinspektion Herrsching? „Weil man ihm zwei Mal verweigert hat, seine Strafanzeige zu erstatten“, antwortete der Verteidiger im Namen seines Mandanten, „er fühlte ich einfach ungerecht behandelt!“ Das Gericht machte nach einigem Hin und Her unmissverständlich deutlich, dass es für den Angeklagten im Fall einer weiteren Beweisaufnahme gegenüber dem Strafbefehl von 1.400 Euro (35 Tagessätze zu je 40 Euro) nur noch teurer kommen würde – womöglich wäre gar ein Gutachter zum Schadenshergang erforderlich. Nach kurzer Beratung wurde der Einspruch seitens der Verteidigung zurückgezogen: „Gegen meine innerste Überzeugung“, so der Anwalt des Herrschingers. Den Blechschaden muss er nun auch noch bezahlen. mps

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