Herrsching nimmt Abschied von Christl Sepperl

"Ihre warmherzige Art werde ich nie vergessen"

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Viele Trauergäste erwiesen Christl Sepperl am vergangenen Samstag die letzte Ehre. Ihr Tod kam für die Herrsching völlig überraschend.

Herrsching – „Menschen wie sie gibt es auf der Welt nur wenige“, sagte Bürgermeister Christian Schiller und reihte sich sichtlich bewegt in den Trauerzug ein, der Christl Sepperl zu ihrer letzten Ruhestätte begleitete.

Wie ein Zeichen schickte der Liebe Gott den Frühling nach Herrsching, hüllten die Trauenden tröstend in sonnige Wärme. Am Samstag nahmen rund 500 Verwandte, Bekannte und Freunde in der St. Nikolaus Kirche von der Herrschingerin Abschied. Am Grab stiegen weiße Luftballons auf. Sie standen symbolisch für die Wiederauferstehung einer Frau, die das Wohl der anderen stets über ihr eigenes gestellt hat. Eine Frau, die an die Wiederauferstehung glaubte und die Nächstenliebe lebte. 36 Jahre lang setzte sie sich im Hilfsdienst Herrsching für Hilfsbedürftige ein und engagierte sich für die katholische Kirche. „Trotz Chemotherapie wollte sie helfen“, erinnerte sich Pfarrer Franz Schmid in seiner Trauerrede an ihren unermüdlichen Einsatz. „‚Herr Pfarrer‘, sagte sie, ‚wenn ich aufstehen kann, dann kann ich auch die Kirche putzen.‘“ Überwältigt von Traurigkeit musste er kurz innehalten. Man wusste um ihre Krankheit. Trotzdem kam die Nachricht von ihrem Ableben überraschend. Voller Lebensmut sei sie bis zuletzt gewesen und habe sich weiter mit aller Kraft für andere eingesetzt. „Sie war erfüllt vom österlichen Glauben.“ Aus diesem Glauben heraus habe sie ihr Leid geduldig ertragen. Dann stimmte der Chor „O Happy Day“ an. Dem voraus zitierte der Pfarrer Friedrich Nietzsche. „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Die Verstorbene habe erlöst ausgesehen, fügte Schmid an. Man kam fast nicht umhin, einen Blick auf das Foto von Christl Sepperl zu werfen. Eine attraktive Frau. Die braunen Augen blitzen, sie lächelt unbeschwert. In liebevoller Erinner- ung, stand auf der Traueranzeige. Weiter hieß es: „Herr, Dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.“ Geboren am 16. November 1943, gestorben am 11. Februar 2014. Grabreden gab es auf Wunsch der Angehörigen keine. Dafür lag am Friedhof ein Kondolenzbuch aus. „Wir wollen nicht nur trauern, sondern dankbar sein, dass wir sie gehabt haben.“ An anderer Stelle stand: „Danke für alles“. Kurzfristig hatte sich der Himmel geöffnet und der Verstorbenen mit frühlingshaftem Licht und Milde die letzte Ehre erwiesen. In den Herzen der Menschen wird sie. Das bestätigte auch der Verfasser dieser Zeile:„Ich werde ihre warmherzige Art nie vergessen.“ mk

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