Herrsching: Massenkeilerei auf offener Straße

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Herrsching – Die Bitte eines jungen Mannes, in einer Herrschinger Kellerbar das Rauch-Verbot einzuhalten, löste Anfang November 2016 indirekt eine Massenkeilerei aus, die sich bis auf die Straße ausdehnte. Ein beteiligter 26-jähriger Maurer musste sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht verantworten.

Als ein 23-jähriger Verkäufer aus Murnau einen bis heute Unbekannten in der Keller-Bar dazu aufforderte, doch bitteschön draußen statt drinnen zu rauchen, folgte der zwar kurzfristig, kehrte dann aber zurück und verpasste dem „Mahner“ eine Fausthieb. Dies war aber erst der Anfang: Die Gruppe des Opfers wollte gehen, wurde oben an der Straße jedoch von einem wütenden Mob in Empfang genommen, drunter wohl auch der Angeklagte und der Raucher aus der Bar: Es setzte Schubser, Schläge und sogar Tritte gegen den bereits am Boden liegenden Murnauer und einen 22-jährigen Student aus Wielenbach. Einer Bedienung der Keller-Bar gelang es zwar laut eigenen Angaben noch, die Opfer aus der kritischen Situation heraus zu holen und ein Hausverbot gegen den Schläger aus der Keller-Bar auszusprechen, doch die Sache war für die anscheinend schwer alkoholisierten Aggressoren noch nicht zu Ende: „Als ich um eine Hausecke bog, kam der im Sprinttempo 20 Meter auf mich zugerannt und hat mir einen Faustschlag versetzt“, so der Student über den Angeklagten. Der Unbekannte aus dem ersten Vorfall in der Bar soll ebenfalls wieder prügelnd mit von der Partie gewesen sein – deshalb die Anklage auf „gefährliche Körperverletzung“, aber nicht identifiziert werden. Der zwei-fach einschlägig vorbestrafte Maurer berief sich im Prozess nun auf seinen Trunkenheitszustand: Er könne sich „nicht daran erinnern,irgendjemanden geschlagen zu haben“, so der Herrschinger, der hinzufügte: „Was trinkt man schon an so einem Abend - zehn Bier, ein paar Longdrinks?“ Während der Hauptgeschädigte ohne Belastungseifer davon berichtete, er habe als Folge des Fausthiebs ein „blutunterlaufenes blaues Auge“ erlitten, das einige Tage geschmerzt habe, jedoch folgenlos abgeheilt sei, bestätigten weitere Zeugen die Attacke des Maurers. Der Staatsanwalt sprach zwar von einer „üblichen Auseinandersetzung im Suff, bei der am Ende einer was abkriegt“, ordnete dem Beschuldigten aber eindeutig den Fausthieb zu – Strafantrag: zehn Monate auf Bewährung, 750 Euro Schmerzensgeld und Geldauflage in gleicher Höhe an eine gemeinnützige Einrichtung. Das Ur-teil von Amtsrichterin Brigitte Braun lautete: sechs Monate Bewährungsstrafe, für drei Jahre ausgesetzt, dazu 750 Euro Schmerzensgeld in Raten zu je 50 Euro sowie zehn Beratungsgespräche bei „Condrobs“ wegen der vermuteten Alkoholsucht des Verurteilten: „Ihr Problembewusstsein bezüglich der Gefährlichkeit des Alkohols ist leider nicht sehr ausgeprägt“, sagte Braun zur Begründung dieser Maßgabe, „außerdem habe Sie einen völlig Unbeteiligten geschlagen.“ mps

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