Containerwohnanlage in Herrsching

Ein buntes Dorf am Ortseingang

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Herrsching – Die erste Containerwohnanlage im Landkreis Starnberg ist bezugsfertig. Sie steht in Herrsching und wird das neue Zuhause für Flüchtlinge aus der Weßlinger Turnhalle sein.

Der Umzug hat bereits stattgefunden: Am Dienstag waren es 65, gestern 66 Asylbewerber, die die Räumlichkeiten an der Goethestraße bezogen haben. Damit kann die Sporthalle in Weßling ab dem heutigen Donnerstag geräumt und wieder für die sportliche Nutzung vorbereitet werden. Die Planung für die Containerwohnanlage begann laut Kreisbaumeister Christian Kühnel im Juli dieses Jahres, die Kosten für den gesamten Bau beliefen sich auf 2,6 Millionen Euro. In dieser Summe sei vom Kochtopf über die Schaukel bis zu den Handtüchern alles enthalten. Lediglich die Erschließung sei ausgenommen, erklärte Kühnel während eines Rundgangs über das Gelände am vergangenen Freitag.

Dabei habe man Glück gehabt und Container aus Slowenien erwerben können, die günstiger als sonst seien und eine höhere Qualität haben. Spanholz suche man in der Herrschinger Wohnanlage vergeblich, die Container seien robust und gehen mit der geltenden Energiesparverordnung konform, so der Kreisbaumeister. Er freute sich besonders über die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Gollwitzer, das Kühnel als „große Hilfe“ bezeichnete. Die Anlage sei nun „ein Baustein, dass Integration gelingt“. In den Gemeinden Andechs, Inning, Krailling, Weßling, Seefeld und der Stadt Starnberg sollen künftig weitere Containeranlagen nach dem Herrschinger Vorbild folgen.

Dafür war Kühnel in den vergangenen Monaten vor Ort in den Gemeinden und sichtete geeignete Flächen. Am vergangenen Freitag hatten alle Bürgermeister die Möglichkeit, die Herrschinger Anlage vorab zu besichtigen. „Andere Landkreise kämpfen mit ihren Gemeinden, wir arbeiten eng zusammen“, lobte Landrat Karl Roth die Solidarität im Fünfseenland. „Wenn wir es schaffen, dann nur gemeinsam.“ Der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller hatte das Grundstück dem Landkreis damals gleich angeboten und somit ein „schnelles und angenehmes Arbeiten“ ermöglicht, sagte Kühnel. Schiller nannte die Änderung des Baugesetzbuchs, die kürzlich vorgenommen wurde, als den entscheidenden Durchbruch. Sie ermögliche es nun, auf Flächen wie an der Goethestraße, eine provisorische und temporäre Nutzung anzubieten. Insgesamt finden in der Containeranlage 144 Personen Platz. Sie besteht aus Sechser-Wohneinheiten, die über eine eigene Küche und Bad verfügen. Ein Waschraum ist auch vorhanden, so können die Flüchtlinge für sich selbst sorgen. Zwar sind nun wieder einige Menschen untergebracht, der Druck bleibe dennoch groß, sagte Roth. Im Monat hat der Landkreis 200 Asylbewerber, für die er eine Bleibe finden muss. 100 können nach der neuen Planung in Containern untergebracht werden. Daher müsse man immer wieder auf Zelte und Hallen zurückgreifen, erklärte Roth. Und weiter: „Wie es sich im nächsten Jahr entwickelt, wissen wir alle nicht.“

Die Herrschinger Containeranlage ist zunächst für sechs Jahre angedacht und kostet im Monat pro Person 300 Euro. Die nun einziehenden Asylbewerber sind überwiegend Familien aus Afghanistan. Vertreter des Weßlinger Helferkreises werden die Herrschinger Einrichtung noch bis Weihnachten regelmäßig besuchen, damit vor allem den Kinder die Umstellung leichter fällt. Die Jonas Better Place GmbH, die im Landkreis bereits mehrere Unterkünftige betreut, wird sich um die Verwaltung der Anlage kümmern, ein Hausmeister und ein Sozialpädagoge steht den neuen Bewohnern ebenfalls zur Seite. C. Dameris

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