Herrsching: Verseuchung wird Millionen kosten

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Herrsching – Der Boden, auf dem bis heute die ehemalige Kondensatoren Fabrik steht, ist belastet. Und zwar so stark, dass die notwendige Sanierung Millionen kosten wird. Das genaue Ausmaß der Altlasten kennt selbst Bürgermeister Christian Schiller erst seit kurzem.

Angefangen hatte alles mit einem Bauantrag für das 3.600 Quadratmeter große Areal an der Mühlfelder Straße im Jahr 2012 – und dieser hatte ein langwieriges Nachspiel: Das Baugrundgutachten ergab Hinweise darauf, dass die Fläche, auf der in der heute leerstehenden Fabrik bis 1994 Kondensatoren hergestellt wurden, mit Polychloriertem Biphenylen belastet ist. Besser bekannt ist der giftige Stoff unter der Abkürzung PCB, den das Unternehmen bis 1981 legal benutzte. Heute weiß man, dass die Chlorverbindung krebsauslösend ist, für Schäden an Leber oder Schilddrüse verantwortlich sein soll und das Immunsystem schwächt. Die Liste der Auswirkungen auf die Gesundheit ist lang, weshalb der Schadstoff 1989 vom Gesetzgeber verboten wurde. Für das Herrschinger Anwesen war es aber schon zu spät – und wie man heute weiß, machte die Bodenverseuchung nicht an der Grundstücksgrenze des Unternehmens Halt. So flatterte 2014 den Bewohnern der benachbarten Immobilien an der Mühlfelder- und Dillizerstraße ein Schreiben vom Landrats- amt ins Haus, in dem man sie aufforderte, das Brauchwasser des Brunnens weder zum Trinken und Baden, noch als Gießwasser zu verwenden. Einem Anwohner riet man gar davon ab, Nutzpflanzen anzubauen. Auch sollten Kinder „häufigeren und intensiveren Bodenkontakt“ vermeiden – und wurden damit in gewissen Phasen vom Sandkasten verbannt. Alles eine Folge eines Gebäudebrandes in den 60er Jahren, bei dem die Substanz in den Boden eindrang und sich vermutlich auf diese Weise ausgebreitete, erklärte Julia Andersen vergangene Woche dem Gemeinderat. „Seit Ostern kennen wir das komplette Schadensbild“, fuhr die Umweltjuristin im Landratsamt fort. Gut fünf Jahre dauerten die Untersuchungen, brachten 60 Bohrungen auf dem betroffenen Grundstück und rund 20 Bohrungen in der Nachbarschaft mit sich. Jetzt soll saniert werden. Ein teures und komplexes Unterfangen, das Vertreter vom Landratsamt und des Wasserwirtschaftsamtes sowie der Sachverständige Diplom Geologe Andreas Ther dem Gremium und den Zuschauern erklärten. „PCB ist fast überhaupt nicht abbaubar und nicht wasserlöslich“, führte Ther aus. Entsorgt werden könne es lediglich durch Sonderverbrennung. In Konsequenz muss der gesamte Boden des ehemaligen Fabrikareals drei bis (punktuell) neun Meter abgetragen und ersetzt werden. Wo notwendig geschieht das auch auf den umliegenden Parzellen. Ther geht davon aus, dass der Gebäudeabbruch und die Sanierungsmaßnahmen zirka neun Monate in Anspruch nehmen. Und wer bezahlt das? Der Rathauschef glaubt einen Investor gefunden zu haben – und die Kosten müsste jener über die Bebauung wieder hereinholen. Ob ein Bebauungsplan erstellt wird oder die Umgebungsbebauung die Größe vorgibt, steht noch aus. In nächster Zeit fahren auf jeden Fall erst Mal rund 400 Sattelzüge durch Herrsching, die etwa 10.000 Kubikmeter verseuchten Grund zur Entsorgungsstelle transportieren. mk

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