Hochwasser

Land unter in Traubing

+

Traubing - Als der Traubinger Dorfbach am Sonntagnachmittag über die Ufer getreten ist und sich das Wasser allmählich auch in die Tutzinger Straße hinein ergossen hat, schwappen vereinzelt auch die Emotionen über.

„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, sagt ein Anwohner der Starnberger Straße, dessen Familie schon etliche Hochwasser miterlebt hat. Im Tutzinger Gemeinderat werde immer bloß geredet, lautet seine Grundsatzkritik – nachhaltige Vorkehrungen vermisst er nach wie vor. Etliche Leute machen Fotos von der Flut, der Mann zischt was von „Katastrophentourismus“. Andere packen dafür mit an. Mit dem Traktor heran gekarrte Sandsäcke werden entlang der am Dorfbach liegenden Grundstücke aufgeschichtet, Freiwillige Feuerwehr, THW und DLRG arbeiten Hand in Hand. Der 2. Bürgermeister Peter Stich, selbst Traubinger, ist ebenfalls vor Ort und wird am nächsten Tag die „überwiegend harmonische Zusammenarbeit“ der beteiligten loben. Dass es auch wieder „einzelne Grummler“ im Dorf gegeben hat wie bei jedem Hochwasser, streitet er gar nicht ab: Eine Bäuerin, deren Hof im niedriger gelegenen Teil der Starnberger Straße liegt und auch diesmal von den Was-sern bedroht ist, hat schon Sonntagnachmittag mit einem Gemeinderat ein paar deutliche Worte ausgetauscht: „Der soll ruhig pumpen“, sagt sie, als sie davon erfährt, dass der Betreffende selber Wasser im Keller hat. Von „Lynch-Stimmung“, wie zuvor im Starnberger Merkur zu lesen war, könne aber keine Rede sein, wiegelt Stich am Montag ab: Ja, es gebe durchaus zwei Lager im Dorf, so Stich – die Landwirte einerseits und diejenigen, die immer wieder vom Hochwasser bedroht sind. Erstere seien zu Unrecht der Meinung, dass sie nach dem Bau von Rückhaltebecken die hinter dem Damm liegenden Flächen nicht mehr bewirtschaften könnten. „Und, dass so ein Damm nach ein paar Jahren überwachsen und in der Landschaft kaum noch zu sehen ist“, davon sei auszugehen, sucht Stich weitere Vorbehalte zu zerstreuen. Derzeit arbeite ein neues Fachbüro aus Kempten an den Plänen für nachhaltigen Hochwasserschutz, noch im Sommer sollen diese präsentiert werden. Demnächst wollen sich die Gemeinderäte sogar an anderen Orten ansehen, wie solche Becken aussehen. Die Gemeindearbeiter würden zudem schon jetzt den Dorfbach regelmäßig ausräumen, berichtet der 2. Bürgermeister. Bachumbau, damit das Wasser schneller Richtung Wieling abläuft, das gehe nicht. Manche Anwohner der Starnberger Straße haben bereits eigene Maßnahmen ergriffen, kleinere Mauern vor ihren Grundstücken hochgezogen, wie eine Frau erst vor ein paar Wochen: „Jetzt sehe ich das ein wenig gelassener“, sagte sie beim Betrachten der anschwellenden Fluten, die diesmal nicht ganz so dramatisch sind wie beim Jahrhundert-Hochwasser von 1999. Nur bei einem niedrig gelegenen Haus am Forellenweg weiter unten am Bach kamen alle Rettungsversuche offenbar zu spät – an einer kleinen Brücke hatte sich das Wasser derart aufgestaut, dass es das Grundstück komplett flutete. 

Nasse Füße überall

Auch Gerüchten muss man bei Hochwasser immer wieder begegnen: Dass ein paar Bauern ihre Flächen am südlichen Ortsrand von Traubing nicht für Dämme hergeben wollen, weil sie angeblich auf Bauland spekulieren, „ist kompletter Schmarren“, sagt Stich: Dort, also in potentiellem Überflutungsgebiet, werde es nie und nimmer Baurecht geben. Und das Wasserwirtschaftsamt mische sich bei der Bachpflege auch nicht ein, wie manche raunen: „Zwei Rück-haltebecken, das wär’s“, sagt Stich, „eines am Deixlfurter Bach, aber vor allem der Schwarze Graben ist wohl das Problem.“ Das Problem, sagen wieder andere, seien die mageren Tutzinger Finanzen, die ewige Zerstrittenheit im Gemeinderat und die daraus resultierende Untätigkeit: „Natürlich gibt es keinen Königsweg,“ sagt Franz Matheis, Gemeinderat und Vorsitzender der UWG aus Traubing. Brückensanierung allein reiche offensichtlich nicht aus: „Es muss endlich etwas passieren. Dieser schwebende Zustand muss - zum Wohlergehen für den ganzen Ort - ein Ende finden.“ Noch ist der „Zustand“ eher ein immer wieder allzu kräftig fließender. Milo Paulsen

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare