Rundes Jubiläum

Hochzeitstag in Pandemiezeiten - Weßlinger Ehepaar Leitner seit 60 Jahren ein Herz und eine Seele

Diamantene Hochzeit Leitner
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Ingrid und Anton Leitner feierten ihre Diamantene Hochzeit.

Weßling -  Vor 60 Jahren gaben sich Ingrid (81) und Anton (82) Leitner das Jawort. Damals musste es schnell gehen, erinnern sich die Jubilare. Denn ein halbes Jahr später war bereits der Nachwuchs da. Am 6. Januar saß das Paar am Diamantenen Hochzeitstag innig auf der Coach und ließ sichtlich vergnügt sein Eheleben revuepassieren.

Kennengelernt haben sich der 12t-Klässler vom Wittelsbacher Gymnasium und die Realschülerin 1956 in einem Tanzkurs in München, erinnert sich der pensionierte Direktor vom Carl Spitzweg Gymnasium. Aufgefallen sei ihm Ingrid Wölpl sofort. Nach dem flotten Walzer brachte er das junge Mädchen nach Hause, wo sie mit dem ersten Kuss die Initiative für ihre Beziehung ergriff. Beseelt fuhr er „um 21 Uhr 21“ mit dem Zug nach Weßling und die Verliebten verbrachten fortan viel Zeit miteinander. So viel Zeit, dass sich knapp vier Jahre später Nachwuchs ankündigte und eine zügige Trauung notwendig machte. „Ich habe mich nicht getraut, es Vati zu sagen“, erinnert sich Ingrid. Ritterlich übernahm Bruder Gerhard die Aufgabe - und erreichte nach erstem Unverständnis das elterliche Einverständnis. Über die Geburt von Anton Gerhard habe sich der frisch gebackene Opa aber „am meisten von allen gefreut“. Eine Geburt, die die junge Ingrid sechs Monate lang ans Bett fesselte, bis sie Weihnachten endlich heim durfte. Ihr „Boppi“ konnte zu ihrem Erstaunen schon ein paar Worte sprechen – eine Gabe des heutigen Dichters, die ihr einige Peinlichkeiten bescherte. Etwa als er seine Oma mit „Hallo, Du alte Betschwester“ begrüßte und diese irritiert wissen wollte, wo er das her habe. Mit der prompten Antwort „von Mama“ trieb der redegewandte Filius seiner Mutter die Schamröte auf die Wangen.

Der Vater hatte mittlerweile eine Lehrerstelle im Starnberger Gymnasium angenommen. Von dem Augenblick an „stand die Schule immer an erster Stelle“, so die Weßlingerin. Gemeinsame Momente ergatterte sie sich, indem sie ihn auf Klassen- oder Abifahrten begleitete. Das sei übrigens das Geheimnis dieser langen Ehe: „Ich habe mich immer zurückgenommen.“ Damit hielt sie ihm den Rücken frei.  

Im Urlaub gehörte der Pädagoge seiner Familie jedoch mit Haut und Haar. Gemeinsam reisten sie nach Griechenland, an die Nordsee, nach Spanien, Portugal, Italien oder Großbritannien. In Florenz gastierten sie in einem „tollen Hotel“ – bevor sie erschrocken feststellten, dass sie nicht genügend Geld dabei hatten, so Anton. Nach einem Hilferuf nach München löste der Opa mit einer Überweisung das Problem. Gelohnt habe sich der Aufenthalt auf jeden Fall, sind die Eheleute sich einig. Nicht nur, weil sie die Bekanntschaft mit dem Bäcker „Barilla“ machten, der sie zum Essen einlud.

Reisen und gutes Essen gehören zum Lebenselixier der Leitners. Das mit dem Reisen werde im Alter mühsamer. Dafür reisen sie weiterhin kulinarisch durch die Lande. Auch am Hochzeitstag am Donnerstag, an dem sie sich vom Il Plonner italienische Kochkunst ins Wohnzimmer geholt und mit Anton G. und Felizitas, die übrigens in diesem Jahr 30 Jahre miteinander verheiratet sind, genossen haben. Die geplante größere Feier ist wegen Corona ausgefallen. Das könnten sie in fünf Jahren bei der Eisernen Hochzeit nachholen, hoffen sie.

Michèle Kirner

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