Hoffnungsschimmer für das Schlosscafe

Gauting - Das leidenschaftliche Ringen um das Gautinger Schlosscafes einerseits und die Nutzung der Remise andererseits geht weiter. Im Oktober präsentierten die beiden maßgeblichen Gautinger Interessengruppen „Remise Schloss Fußberg e.V.“ auf der einen und die „Freunde des Schlosscafes e.V.“ auf der anderen Seite dem Gemeinderat ihre Vorstellungen. Beide Parteien hatten viel Publikum mitgebracht, wieder einmal musste die Stellwand im großen Sitzungssaal entfernt werden, damit alle einen Sitzplatz bekamen.

Der Förderverein für die Remise hat das alte Gebäude seit neun Jahren von der Gemeinde gepachtet und kümmerte sich seither in Eigenregie um die Sanierung und Restaurierung des ehemaligen Kutscherhauses. Es bekam Elektrik, Fußboden, ein neues Walmdach, im inneren einen offenen Dachstuhl und wird im Sommer an den Wochenenden für die verschiedensten kulturellen Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und regionale Märkte genutzt. „Da stecken nicht nur Spenden- und Sponsorengelder drin, sondern auch sehr viel Eigenleistung“, betonte der Vorsitzende Götz Wilde. Der Verein will einen Sanitärbereich (bisher nutzen Besucher die Toiletten des Schlosscafes), Teeküche, Garderobe sowie ein Magazin für die Aufbewahrung von Instrumenten und Dekorationen im Nordteil des Gebäudes errichten. Aber: Die Freunde des Schlosscafes, das im Oktober aus dem Hauptgebäude von Schloss Fußberg ausziehen musste und nun heimatlos ist, möchten künftig in eben diesem noch unsanierten Nordteil der Remise gern ihr neues Domizil errichten. Vereinsvorsitzender Jürgen Schade, früher viele Jahre für die SPD im Gemeinderat, hatte viel Lob für die erfolgreiche Arbeit des Remisenvereins und zeigte in seinem Konzept, wie ein kleines Cafe betrieben werden könnte, ohne „dass die Veranstaltungen in der Remise dadurch gestört würden“. Außerdem rechnete er vor, wie die von ihm auf rund 300.000 Euro geschätzten Umbaukosten gestemmt werden könnten und in welchem Umfang sich der Verein mit seinen mehr als 600 Mitgliedern daran beteiligen will: „Wir könnten im nächsten Sommer in die Remise umziehen und den Restaurantbetrieb während der Umbaumaßnahmen zunächst provisorisch aufrecht erhalten, damit kommt auch Geld in die Kasse.“ Davon würde dann auch der Remisenverein durch Mieteinnahmen vom Cafe profitieren. Im Oktober 2010 läuft der Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Gauting und dem Remisenverein aus. Der Gemeinderat muss also schnell entscheiden, wie es mit der Remise weiter geht, ob und zu welchen Bedingungen sie die Pacht verlängert und ob die Remisenfreunde einen Teil für das Schlosscafe abzwacken müssen. Zu der Anhörung im Rat hatten die Kommunalpolitiker Architekt Manfred Brennecke geladen, der bereits mit der Planung für die Sanierung des maroden Gautinger Bahnhofs betraut wurde und von dessen Analyse sich der Gemeinderat neue Argumente bei der Beurteilung des Problems Schlosscafe erhofft hatte. Brennecke lobte das beispielhafte Engagement der beiden Vereine und betonte, dass ein ganzjährig betriebenes Lokal für die Funktion des romantischen Schlossparks als Naherholungsgebiet seiner Ansicht nach wichtig sei, weil „dadurch eine Art Sozialkontrolle gewährleistet wird, die verhindert, dass der Park verwahrlost. Ich sehe den Schlosspark als Englischen Garten im Kleinformat“. Für die Errichtung eines Cafes, so der Architekt, sei derzeit der einzig logische Platz im Nordteil der Remise, was allerdings Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in erheblichem Umfang erforderlich machen würde. In der Remise gibt es zum Beispiel keine Heizung, da sie nur in der warmen Jahreszeit genutzt wird. Der dekorative offene Dachstuhl, auf den die Remisenfreunde so stolz sind, müsste für den ganzjährigen Betrieb eines Lokals zumindest teilweise mit einer Zwischendecke versehen werden. Allerdings, so erklärte Brennecke mit Blick auf das Hauptgebäude, stünde auch nirgends, dass bei denkmalgeschützten Gemäuern grundsätzlich keine Anbauten möglich sind: „Sie dürfen nicht eingefroren werden“. Die wechselvolle fast tausendjährige Geschichte des Schlosses zeige vielmehr, dass im Laufe der Jahrhunderte immer wieder abgebaut, umgebaut und abgerissen wurde. Zwar zeigten die Denkmalschützer der Gemeinde Gauting die rote Karte beim ersten Versuch für einen modernen Anbau an das Hauptgebäude des Schlosses. Doch Brennecke lies erkennen, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen sein muss. Er appellierte an den Gemeinderat, sich gemeinsam mit den beiden Vereinen um eine verträgliche Lösung zu bemühen. In einer fast zweistündigen Diskussion erörterten die Gemeinderäte anschließend, was in Schloss Fussberg theoretisch möglich und wünschenswert wäre. Bürgermeisterin Brigitte Servatius bedankte sich vor allem für die kooperative und konstruktive Gesprächssituation, denn die beiden Vereine hatten ihren Interessenkonflikt um die Remise in den vergangenen Monaten mit ziemlich harten Bandagen ausgefochten: „Ich finde es wirklich gut, dass wir hier über das Thema zwar leidenschaftlich aber sachlich und fair diskutieren können.“ Bei Abwägung aller Argumente für und gegen ein Cafe in der Remise fanden die Gemeinderäte dennoch keinen Konsens. Ein ganzjährig betriebenes Cafe m Park würde wohl allen gefallen, eine gemeinsame Nutzung der Remise ist für beide Vereine zumindest grob vorstellbar, wäre da nicht die ungeklärte Kostenfrage: Der Kommune fehlt schlicht und einfach das Geld für die nötigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen. Also einigte man sich zunächst darauf, dass nun ein Arbeitskreis gegründet wird, in dem Politiker und Vereinsvertreter konkrete Ziele für eine gemeinsame Nutzung abklären und ein Zeitrahmen erstellen. Servatius: „Wir müssen bald grundsätzlich entscheiden, ob wir das Cafe in der Remise wollen. Dann diskutieren wir das Wie.“ Ein Blick zurück zeigt, dass sich an dieser Frage schon andere die Zähne ausgebissen haben: Bereits im Jahr 1861 beantragte der damalige Eigentümer die Genehmigung für ein Cafe und eine Schankwirtschaft im Schloss Fußberg. Der Antrag wurde abgelehnt.

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