Kreisboten Serie

Hofgeschichten im Wandel der Zeit

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Landkreis – Im Februar 2013 feierten die Starnberger Bauern 40 Jahre Kreisbauerntag im Klostergasthof in Andechs. Als Festredner wurde Helmut Wagner verpflichtet.

Der passionierte Landwirt und ehemalige Kreisobmann war es auch, der die Traditionsveranstaltung 1973 ins Leben gerufen hat. Mit ihm startet der Kreisbote Starnberg seine Reihe „Hofgeschichten im Wandel der Zeit“ und stellt in loser Folge landwirtschaftliche Betriebe und die Menschen dazu vor, die mit ihrer täglich Arbeit für das leibliche Wohl der Bevölkerung sorgen. Es war mehr ein Zufall, als dass sich Helmut Wagner im Jahr 1972 um den Posten des Kreisobmanns der Starnberger Bauern gerissen hätte. „Mein Wunschkandidat war der Heinrich Will aus Gilching. Er wollte es auch machen. Doch zwei Tage vor der Wahl erklärte er mir, dass er nun in Gilching für das Amt des Bürgermeisters kandidieren wird und deshalb nicht mehr zur Verfügung steht“, erinnert sich Wagner. Nachdem er Ehefrau Maria um Erlaubnis gefragt und die nichts dagegen hatte, erklärte sich Wagner sofort bereit, den verantwortungsvollen Posten zu übernehmen. „Wir waren damals a junge Mannschaft, mir ham a richtige Aufbruchsstimmung ghabt, es waren viele aktive Leute dabei und ich muss sagen, es hod richtig Spaß gmacht. Und, es is relativ guad glaffa.“ Mit 28 Jahren war er seinerzeit der jüngste Kreisobmann Deutschlands. In enger Zusammenarbeit mit dem seinerzeit neu gegründeten Maschinenring sei man dann von Dorf zu Dorf gezogen, um Vorträge zu halten, sagt Wagner. „I hob zwar no wenig Ahnung ghabt, aber gredt hob i trotzdem.“ Dem wortgewandten Landwirt aus Hadorf kam zugute, dass er keinerlei Hemmungen davor hatte, bis zu den höchsten politischen Stellen vorzudringen, um dort die Sorgen seiner Bauern vorzutragen. Als zum Beispiel unter Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle der Milchpreis im Keller angekommen war, schrieb er an Ministerpräsident Franz Josef Strauß, ein Förderer von Kiechle: „… die Bauern fühlen sich gekennzeichnet von Unverständnis und Resignation und Wut auf die CSU. Wenn Sie in Bayern die absolute Mehrheit verlieren wollen, können Sie ruhig die Zügel schleifen lassen. Wenn sie diese Mehrheit aber behalten wollen, dann versuchen Sie, dass die Sünden von Bonn und Brüssel wieder gut gemacht werden.“ Namentlich unterschrieben etliche CSU-Mitglieder die signalisierten, auszutreten, wenn sich nichts bessere. Was laut Wagner zur Folge hatte, dass Strauß persönlich bei Bundeskanzler Helmut Kohl vorgesprochen und innerhalb weniger Tage nicht nur die Mehrwertsteuer erhöht wurde, „was zum Ausgleich der niedrigen Preise für uns wichtig war“, sondern auch etliche andere Wünsche der Bauern erfüllt wurden. Um aber noch mehr politisches Gewicht zu bekommen und auch öffentlich an Ansehen zu gewinnen, regte Wagner an, 1973 den Kreisbauerntag ins Leben zu rufen. „Wennst politisch was erreichen willst, dann brauchst die öffentliche Meinung hinter dir.“ Kreisobmann war Helmut Wagner bis 1987. Er wurde von Georg Schwojer abgelöst. Von 1986 bis 2001 war der heute 72-Jährige CSU-Kreisrat und außerdem Vorsitzender des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen. Ein Video-Ausschnitt seiner Rede anlässlich 40 Jahre Kreisbauerntag findet sich unter www.bbv-starnberg.de. Polly Polster

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