Die Große Hoffnung in Zeiten von Corona

Hotellerie und Reiseveranstalter im Landkreis setzen heuer auf Gäste aus ganz Deutschland

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Am kommenden Samstag, 30. Mai, dürfen Hotels im Landkreis wieder Touristen willkommen heißen. Um die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten, erfolgt die Begrüßung an der Rezeption künftig via Namasté-Gruß.

Landkreis – Verhaltener Optimismus herrscht bei den heimischen Hoteliers und Reiseveranstaltern, wenn Reisen und Übernachtungen ab dem 30. Mai wieder erlaubt sind. Die Schließung wegen der Corona-Pandemie hat ihnen ordentlich zugesetzt. Jetzt hoffen die beiden stark gebeutelten Branchen, dass die Lockerungen für Gäste und Kundschaft sorgen wird. Kritik gibt es an den unterschiedlichen Regelungen und Öffnungsterminen in den verschiedenen Bundesländern – und an den vagen Aussagen der Politik.

Mit Abstandsbeschränkungen und Hygienevorschriften wird das Seehotel Leoni am kommenden Samstag, 30. Mai, wieder öffnen und Urlauber und Restaurant-Gäste empfangen. „Es ist alles in Planung“, betont Hoteldirektor Fabian Weitmann. Auch Restaurant und Terrasse wird Weitmann erst am Samstag öffnen, beide dürfte der Hotelier bereits jetzt wieder betreiben – die Terrasse als Außenbereich bereits seit 18. Mai und das Restaurant seit Montag –, durch die Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen freilich nur reduziert. „Viele Gäste sind sehr verunsichert“, schildert Weitmann. Denn jedes Bundesland habe seine eigenen Regeln, die teilweise weit auseinander liegen. Er hofft auf konkretere Aussagen seitens der Politik und freut sich jetzt erst einmal auf den 30. Mai. Was die Sommersaison in Corona-Zeiten angeht, zitiert der Hoteldirektor vom Ostufer Karl Valentin: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ 


"Wir waren einziges Hotel, was geöffnet war"

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Hotellerie hat auch im gehobenen Segment Spuren hinterlassen. Anders als in vielen Beherbergungsbetrieben im Landkreis waren Zimmerbuchungen im Starnberger Hotel Vier Jahreszeiten allerdings jederzeit möglich. „Wir waren das einzige Hotel, was noch geöffnet war“, erklärt Tobias Baumann, Director of Sales & Marketing. Die Unterbringung von Business-Gästen war von der bayerischen Verordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie, im Gegensatz zu touristischen Nächtigungen, nämlich nicht verboten worden. So konnte der Hotelbetrieb trotz sinkender Gästezahlen weiterlaufen.


Corona-Beschränkungen werden zum Umdenken bewegen

„Die Norddeutschen werden zu uns in den Süden kommen und wir werden hinauffahren“, beschreibt Marc Thallmair vom gleichnamigen Starnberger Reisebüro das Urlauberverhalten in Corona-Zeiten. Daher stelle er und sein Team bereits seit rund vier Wochen ein entsprechendes Angebot zusammen. „Wir haben uns Ferienhäuser und -wohnungen angesehen und uns vertraglich gesichert“, so Thallmair. „Es wird heuer die Nord- oder Ostsee werden. Oder der Bayerische Wald“, sagt er. Ein Urlaub wird freilich nur mit strengen Auflagen möglich sein, es gelten überall strenge Abstandsregeln und Hygienebestimmungen. Wer damit kein Problem habe, könne einen schönen Urlaub verbringen. Und Thallmair setzt noch einen drauf: „Die Leute kennen heute die ganze Welt, aber nicht das eigene Land.“ Vielleicht werden die Corona-Beschränkungen den einen oder anderen zum Umdenken bewegen. Zu sehen ist das Angebot auf der Homepage von Thallmair Reisen. 

Keine verlässlichen Prognose

Nicht ganz so optimistisch wie ihr Starnberger Kollege blickt Sylvia Steuer vom TUI Reise Center Gilching in die Zukunft. „Es gibt noch keinen verbindlichen Termin, noch keine verlässlichen Prognosen, wann Reisen wieder möglich sein wird“, schildert sie die Situation. Was das europäische Ausland betrifft, hofft Sylvia Steuer auf genauere Aussagen der Politik noch vor dem 15. Juni. Dann nämlich enden die weltweiten Reisewarnungen der Bundesregierung. Für ihre Kundschaft ist sie nach wie vor von Montag bis Freitag ganztags in ihrem Reisebüro an der Römerstraße da. Sie bittet jedoch um telefonische Voranmeldung, um die Beratung besser koordinieren zu können. Nur den Samstag hat sie bis auf Weiteres gestrichen. „Trotz des Virus bin ich guten Mutes und positiv eingestellt“, sagte sie. 

"Stimmung ist nicht groß"

"In Berlin sind wir komplett vergessen worden", sagt Andrea Mölder vom Fantasia Reisedienst in Gauting. Das Buchungsverhalten ihrer Kunden sei derzeit sehr zurückhaltend. Urlaub in Deutschland sei für viele Familien schlichtweg zu teuer, sagt Mölder. Zudem gebe es derzeit keine gesicherten Informationen, wie Reisende im Falle einer Covid-19-Erkrankung im Ausland versorgt werden. Das schrecke viele Kunden ab eine Reise zu buchen. All diese Faktoren führen dazu, dass "die Stimmung in den Reisebüros nicht so groß ist", so die Gautingerin. Besonders die vielen Provisionsrückzahlungen seien für viele Reiseagenturen ein Problem. Erschwerend komme noch hinzu, dass Reiseveranstalter Kunden das Recht einräumen von gebuchten Reisen bis Sommer 2021 ohne Angabe von Gründen zurücktreten zu können. "Das ist zwar schön für die Kunden, aber wir haben die Arbeit", sagt Mölder. Die ersten drei Wochen nach dem Lockdown waren besonders hart. "Ich habe rund um die Uhr gearbeitet", erklärt die Inhaberin des Gautinger Reisebüros. Mittels Whatsapp und E-Mail habe sie ab Mitte März die Rückreise für ihrer Kunden organisiert und Formalitäten mit Hotels und Veranstaltern abgeklärt. 

Von der Politik wünscht sie sich die Bereitstellung eines speziellen Finanzrettungsschirms für Reisebüros. Wenn es die nämlich nicht mehr gäbe, dann würde das die Tourismusbranche schwer treffen, begründet Mölder ihre Forderung nach finanzieller Unterstützung. 

Jeder Tag gestaltet sich neu

Die Hotelbranche im Landkreis Starnberg bereitet sich derzeit auch intensiv auf neue Gäste vor. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Tobias Baumann vom Hotel Vier Jahreszeiten in Starnberg. Um die Gesundheit des Hotelpersonals und der Gäste zu schützen, hat die Hotelleitung ein eigenes Hygienekonzept entwickelt. In allen öffentlichen Bereichen der Hotelanlage muss ein Mund-und Nasenschutz getragen werden. Der Kontakt zu den Hotelgästen wird auf das Nötigste reduziert. Die Kontaktaufnahme mit der Rezeption steht 24 Stunden via Whatsapp zur Verfügung. Zudem verteilt das Hotel an Gäste kostenfreie Einweghandschuhe. Eine Wiederbelegung von Zimmern soll nach Möglichkeit für 24 Stunden ausgesetzt werden. Die bei der Ankunft auszufüllenden Meldescheine werden den Gästen vorab digital zugesendet. Trend setzt sich fort Erfreulich für Baumann ist auch die steigende Zahl an Buchungen in den kommenden Wochen. In den letzten Jahren verzeichnete das Starnberger First-Class Hotel einen Trend hin zu längeren Übernachtungszeiten. Vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie wurden über Pfingsten Buchungen für fünf bis zehn Nächte registriert. Diese Entwicklung werde nun fortgesetzt, so Baumann. Nach der Ankündigung vonseiten der bayerischen Staatsregierung Reisen und Hotelaufenthalte ab Ende Mai Schritt für Schritt wieder zu ermöglichen, erhielt das Hotel Vier Jahreszeiten bereits mehrere Buchungsanfragen für längere Aufenthalte über die Feiertage. Sollte es im Landkreis sowie im übrigen Freistaat in der nächsten Zeit wieder zu einem rasanten Anstieg der Infektionszahlen mit dem Coronavirus kommen, wäre das für das Starnberger First-Class Hotel eine schwierige Situation mit ungeahnten Konsequenzen. Jeder Tag gestalte sich neu und man wisse nicht, wo am Ende die Reise hingehe, betont Marketingdirektor Tobias Baumann.

Von Oliver Puls und Florian Ladurner 

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