Immer mehr Milchbauern werfen hin

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Hochstadt – Der Milchbauer hat einen langen harten Tag, steht im Morgengrauen auf und kommt in der Regel spät ins Bett. Urlaub und freie Wochenenden gibt‘s so gut wie nie. Das ist aber nicht der Grund, warum im Landkreis innerhalb der vergangenen zehn Jahren viele Bauern ihre Kühe verkauft haben. Das Problem ist der niedrige Milchpreis.

In Drößling haben vor vier Jahren noch vier Bauern Milchkühe gehalten – mittlerweile haben alle aufgegeben. 1979 waren es in Gilching laut BVV-Kreisobmann Georg Zankl vom Bauernverband 27 Milchlieferanten. „Heute sind es noch zwei.“ Und der besorgniserregende Trend setzt sich fort: 2016 haben landkreisweit 13 Milchbauern aufgehört, unterstreicht Michael Friedinger am Montag vor rund 40 Zuhörern. Das Warum erklärt der Vorsitzende des Starnberger Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) an der Hauptversammlung mit einem einzigen Satz: „Seit den 1980er Jahren ist der Milchpreis gleichgeblieben, die Kosten sind aber weiter gestiegen.“ Hart trifft es Kleinbetriebe mit weniger als 45 Kühen, deren Erlös aufgrund der geringen Menge Milch entsprechend niedrig ist. Kommt das heiß diskutierte Verbot der Anbindehaltung (Milchkühe sind im Stall angekettet), sieht es noch düsterer aus, prognostiziert Stefan Gabler im Gasthof Schuster. Dazu zitiert der neue Behördenleiter des Amts für Landwirtschaft in Weilheim das Ergebnis einer Umfrage in Miesbach: 50 Prozent der befragten Milchbauern gaben an, bei einem Anbindeverbot aufhören zu müssen – und ein Viertel der verbleibenden 50 Prozent wissen es noch nicht. Denn ein Verbot bringt mit sich, dass der bestehende Stall zu einem Laufstall um- oder sogar neu gebaut werden muss. Damit stehen viele vor der Entscheidung: Entweder sie investieren oder aufgeben – und bei einem aktuellen Milchpreis von 30 Cent rentiere sich die etwa sechsstellige Investition in einen neuen Stall selten, so Friedinger. Der günstige Preis des an der Börse gehandelten Produktes Milch führe langfristig dazu, dass nur die Großen überleben. Er selbst stellte 1994 auf Bio um und baut aktuell einen neuen Stall. „Der Bua mag weitermachn“, freut er sich. Er weiß aber auch: „Er kriegt einen schönen, neuen Stall, aber auch einen Haufen Schulden.“ Der BDM kämpfe für die Existenz der kleinen Betriebe – unter anderem mit der Forderung für eine geringere Fördermenge, die den Preis über das Angebot steuert. Erfahrungsgemäß wirke sich schon eine ein bis zwei Prozent niedrigere Milchmenge positiv auf den Preis aus, deutet der BDM-Vorsitzende an. Der Mitgliederstand des Starnberger BDM ging von 67 auf aktuell 58 zurück. 29 von ihnen wählten einstimmig Vorsitzende und Beisitzer: 1. Vorsitzender Michael Friedinger, seine Stellvertreter sind Georg Diethelm und Josef Kaspar, der gleichzeitig Landesdelegierter wird. Beisitzer sind Karin Ansorge, Nikolaus Friesenegger, Fritz Geiger, Peter Gstattenbauer, Hermann Albrecht, Franz Leitner, Hubert Sontheim und Klaus Heiß. mk

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