Landrat Stefan Frey erläutert Landkreis-Politik

Impfstau, ständig wechselnde Vorgaben für die Wirtschaft, kurzfristige Schließungen von Schulen und Kitas - der Ärger im Fünfseenland wächst

Der Wert wird so schnell nicht mehr unter die 50 gehen.“ Landrat Stefan Frey am Montag vor dem kreistag.
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„Der Wert wird so schnell nicht mehr unter die 50 gehen.“ Landrat Stefan Frey am Montag vor dem Kreistag.
  • vonOliver Puls
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Landkreis - Innerhalb eines Tages ist der Sieben-Tages-Inzidenz-Wert von 49,80 (13.März) auf 60,00 (14.März) gestiegen. Was Landrat Stefan Frey dazu bewogen hat, eine „infektionsschutzrechtliche Ausnahmeanordnung“ zu erlassen. Das erklärte Frey am Montagmorgen vor dem Kreistag. Ab Dienstag, 16. März, heißt es also wieder: Wechselunterricht wo nicht ein Mindestabstand von 1,50 Meter möglich ist. Für Kinderbetreuungseinrichtungen werden ab Dienstag wieder festen Gruppen vorgeschrieben.

Die freudige Schulöffnung für alle gerät wieder ordentlich ins Wanken. Zumal laut Robert-Koch-Institut verstärkt sich auch junge Leute an der britischen Corona-Variante anstecken würden. Der Landrat holte am Montag weit aus bei seiner Erläuterung, warum die Öffnungen nur von kurzer Dauer sein werden: „Der Wert wird so schnell nicht mehr unter 50 sinken“, da brauche man sich nichts vormachen. Ob das immer gerechtfertig sei, habe er nicht zu beurteilen, so Frey weiter, er habe sich an die gültigen Rechtsvorschriften zu halten. An diesen Vorschriften wollte zuvor Professor Ingo Hahn (AfD) rütteln. Hahn sprach von einem „willkürlich festgelegten Inzidenz-Wert 50“, der wissenschaftlich nicht begründet sei - und monierte die meist kurzfristigen Schließungen von Schulen und Kitas.

Der Landrat ließ keine Zweifel aufkommen, dass Bestimmungen und Verordnungen umgesetzt werden. „Wir können nicht mogeln“, betonte er. Eine Verbesserung versprach Frey, künftig wolle man nicht erst am Sonntag entscheiden, ob am Montag oder Dienstag Unterricht in welcher Form stattfinden wird, sondern bereits am Freitag.

Der Tutzinger Kreisrat Dr. Wolfgang Weber-Guskar (FDP) freute sich, dass Landrat Stefan Frey am Wochenende seinen Ärger in Richtung München und Gesundheitsminister Klaus Holetschek Luft verschafft hatte. Weber-Guskar meinte damit vor allem den schleppenden Impfverlauf im Landkreis, der am starren Verteilungsschlüssel gemessen an der Einwohnerzahl liegt. „Die FDP-Fraktion steht hinter ihnen“, versicherte Weber-Guskar. Als „realitätsfremd“ bezeichnete er die Verordnungen der Regierenden. Der Tutzinger Kreisrat warnte auch vor einen nicht gut überlegten und kommunizierten Impfstart der Hausärzte. „Wie wird das mit dem Impfzentrum und den Außenstellen abgestimmt? Wie kommen die Impfdosen zu den Hausärztinnen und -ärzten? Wie verlässlich sind die Lieferungen, damit sie ihren Patienten einen Termin gebe können?“ lauteten die Fragen von Wolfgang Weber-Guskar. Ebenfalls die Schnelltestungen durch die Apotheker im Landkreis betrachtete der FDP-Politiker kritisch: „Viel vernünftiger wären doch Teststationen in den Schulen, damit nicht ein positiv Getesteter weiter seine Mitschüler anstecken kann.“ Bislang machen von 39 Apotheken im Landkreis drei bei den Testungen mit.

Landrat Stefan Frey und dem Landratsamt sind für den Monat April aktuell 500 Impfdosen angekündigt - täglich. Er hofft, dass sich dann der Impfstau, der derzeit viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger auf die Barrikaden treibt, auflösen wird.

po

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