Inning: Mit dem Rechen bedroht und bespuckt

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Inning – Die strafrechtlichen Auswüchse eines offenbar schon länger schwelenden Familienstreit brachten einen 42-jährigen Münchner dieser Tage bereits zum zweiten Mal vor Gericht. Der in München lebende Mann – er gab an, er sei Student und lebe „von Erspartem“ - hatte laut Anklage im Oktober 2016 im Ortsteil Buch die 77-jährige Frau seines Onkels bespuckt und mit einem Rechen angegriffen. Zudem soll er die Seniorin und deren Tochter (43) mehrmals beleidigt haben.

Nachdem der Beschuldigte gegen den ursprünglichen Strafbefehl von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro Widerspruch eingelegt hatte, kam es nun zu einer atmosphärisch recht unerfreulichen Hauptverhandlung unter Vorsitz von Amtsrichterin Christine Conrad: Der ohne Rechtsbeistand erschienene Münchner vertrat nämlich unbeirrbar die Auffassung, die von ihm attackierten beiden Frauen seien damals widerrechtlich „auf meinen Wohnsitz vor-gedrungen“, was ihm wiederum das Recht zu seinem Handeln gegeben habe. Richterin Conrad suchte mehrfach vergeblich, die „Rechtsauffassung“ des Angeklagten zu korrigieren: „Auch auf ihrem eigenen Grundstück dürfen Sie keine Straftaten begehen“, so Conrad. Die als Zeugen gehörten Frauen sagten aus, sie hätten den 42-Jährigen an besagtem Tage sprechen wollen, weil dieser kurz zuvor offenbar die Anlieferung einer Küche für die Cousine dadurch verhindert hatte, dass er die Zufahrt verweigerte. „Meine Tochter hatte mich gebeten mitzukommen - sie wollte ihm sagen, dass er falsch liegt“, so die Rentnerin. Als er auf den ersten Ansprache-Versuch im Garten zunächst nicht reagierte, habe sie „den Stiel des Rechens oben festgehalten“. Daraufhin habe ihr Neffe sie jäh angespuckt und drohend den Rechen in Richtung ihres Gesichts geschwungen: „Ich konnte aber irgendwie ausweichen“, berichtete die 77-Jährige. Ihre Tochter sagte aus, sie habe den Cousin angebrüllt, doch der habe den Rechen später nochmals drohend „im 45-Grad-Winkel gehoben, ich habe die Zinken über mir gesehen. „Die beleidigenden Worte gegenüber der Tante seien unter anderem gewesen: „Du bist das letzte Stück Dreck!“ Sogar auf die eigene Schwester habe ihr Cousin losgehen wollen, als man diese zu Hilfe geholt hatte, so die Informatik-Kauffrau.

Der Angeklagte blieb bei einer Art Notwehr-Version: Man habe ihn „am Ärmel und am Kragen gepackt und am Bart gezogen“, beharrte der Student: Er habe das alles als Angriff und Hausfriedensbruch empfunden:“Die haben nicht an der Haustür geklingelt.“ Nach einem früheren Vorfall auf dem Grundstück war er 2015 bereits wegen Nötigung verurteilt worden - damals hatte er den Bau eines Carports durch Zuparken blockiert. „Dem gehört nach dem Tod des Vaters nur ein ganz geringer Teil des Grundstücks, das Haus steht leer und ohne Möbel da“, entrüstete sich die Tante, „der kommt höchstens am Wochenende aus München raus, aber er behauptet immer, das wäre sein zweiter Wohnsitz!“ Richterin Conrad bescheinigte dem immer wieder dazwischenredenden Angeklagten „völlige Uneinsichtigkeit“ und drohte ihm sogar Ordnungsgeld an. In der eigentlichen Sache fiel das Urteil entsprechend deutlich aus: sechs Monate auf Bewährung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und zweier als „tatmehrheitlich“ eingestufter Beleidigungen; als Auflagen muss der Verurteilte 3.500 Euro in monatlichen Raten zu je 500 Euro zahlen und 80 Stunden soziale Dienste ableisten, davon mindestens zehn pro Woche ab Rechtskraft des Urteils. „Wenn das so weitergeht, landen Sie definitiv irgend wann im Knast“, warnte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung den Münchner. Dieser sei bisher „nachvollziehbaren Argumenten in keiner Weise zugänglich“ gewesen. mps

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