Ein Entertainer und seine Stars

Der Jahresempfang der Gemeinde Herrsching genießt mittlerweile landkreisweites Interesse

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Smoking und Fliege war gestern: Bürgermeister Christian Schiller (l.) gibt sich bewusst lässig beim Jahresempfang - hier im Gespräch mit Monika Remmele und Benjamin Kratz. 

Herrsching – Moderation: Bürgermeister Christian Schiller. Gäste: Altbürgermeister, Speedsurfer, Träger der Goldenen Bürgermedaille, Pfarrer und Pfarrerin, Landtagsabgeordnete, Kreisräte, Pilot, Tennisspielerin, Handballerinnen, Volleyballer, Kriminaloberrat, Anti-Doping-Aufklärer, Vertreter von Herrschings Kulturszene, Ehrenamtliche, Jungsegler, die Blaskapelle Herrsching, Freizeitmodels – und die jüngste Hebamme Deutschlands. Rund 300 Besucher folgten der Einladung zum Jahresempfang in das Haus der bayerischen Landwirtschaft.

Viele von ihnen wussten bereits, was sie erwartet: Ein gut gelaunter, eloquenter Bürgermeister, der gewohnt launig durch den Abend führte. Einzig Malia (1) und Marlon (3) stahlen dem Rathauschef kurzfristig mit ihrem Auftritt die Show. Das war, als Schwester Ella als „wahrscheinlich jüngste Hebamme Deutschlands“ geehrt wurde. Die heute Achtjährige stand ihrer Mutter bei, als Miriam Laufer in einer Julinacht vor zwei Jahren in der Dusche Tochter Malia auf die Welt brachte (wir berichteten). Eine ungeplante Hausgeburt, weil der Notarzt nicht schnell genug und der Ehemann Andy Laufer auf Dienstreise war, während die beste Freundin kein Netz hatte. Die einjährige Malia arbeitete sich im Laufe der Ehrung aus den Armen des Vaters, lief über den Laufsteg, der aus der Bühne herauswuchs, und tauchte ihr Näschen in das den Catwalk säumende Blumenmeer. Bruder Marlon blieb derweil nicht untätig, schnappte sich einen Notenständer, den die Blaskapelle Herrsching für ihren Auftritt stehen gelassen hatte, und flitzte davon. Vater Andy hinterher. Als nächstes zog der Dreijährige ein Saxophon aus der Instrumentensammlung, das ihm zu seinem Frust wieder weggenommen wurde. Die Zuschauer waren begeistert. 

Auch über Andy Laufer, der auf dem Surfbrett mit knapp „100 Sachen“ über einen Kanal in Namibia raste – in einer Zeit, die ihm für ein paar Tage den deutschen Geschwindigkeitsrekord einbrachte. Applaus für den Vater, dessen drittes Kind sich wieder aus Mamas Armen gewunden hatte und auf der Suche nach neuen Abenteuern über die Bühne wackelte – und als der Rathauschef bei der Ghostwriting-Agentur Laufers angelangt war, die Liebesbriefe für Onlinedaters schreibt, räumte Marlon die Instrumente um. 

Einmal mehr gelingt es Bürgermeister Schiller außergewöhnliche Herrschinger zu präsentieren

Die Mitglieder der Blaskapelle warf das bei ihrem musikalischen Beitrag nicht aus der Bahn. Ganz im Gegenteil. Manuel Dreher spielte sich mit seinen Percussion-Solis tosenden Applaus ein – und die Blaskapelle, die heuer 40 Jahre alt wird und deren Musiker im Rahmen der Veranstaltung im wahrsten Sinne alle Register zogen, riss das Publikum regelrecht von den Stühlen. Im Akkord holte Schiller Herrschinger auf die Bühne, die etwas Außergewöhnliches geleistet hatten. Denn davon gibt es einige. Etwa „Herrn Kriminaloberrat Sebastian Herre“, der vergangene Woche Schlagzeilen schrieb: „Terrorverdächtige, ein 42-jähriger Iraker und zwei weitere Mittatverdächtige werden in Wien festgenommen.“ Auf die Spur war ihnen Herre und sein LKA-Team gekommen, weil der Iraker ein Drohschreiben in einem öffentlichen Kopierer liegengelassen hatte. Blöd gelaufen halt. Gut gelaufen ist es für Monika Quirmbach: Die 61-Jährige nahm bereits vor einem Jahr den ominösen Umschlag entgegen, den Schiller den Geehrten überreicht. „Für mich ist diese Frau ein Phänomen“, rief Schiller der Tennisspielerin zu, die im European Senior open im Damen-Einzel 65 den ersten Platz erspielte. Ihr Geheimnis? Aus der Antwort wurde eine Liebeserklärung an den Mann, mit dem sie seit 27 Jahren verheiratet ist: „Mein lieber Mann, der alles organisiert und alles für mich tut.“ 

Rundflug in Tante Anna

In den Reihen der nunmehr 11.000 Bürger der Ammerseegemeinde befinden sich Helden des Alltags: Benjamin Kratz und Monika Remmele, die vermutlich eine „Katastrophe verhinderten“, so Schiller. Denn sie löschten eine in Flammen stehende Hecke und hielten mit ihrem beherzten Einsatz das Feuer davon ab, auf das Nachbarhaus überzugreifen. Die Gäste erfuhren an diesem Abend, dass die Grüne Landratskandidatin Martina Neubauer mit Landratskandidat Stefan Frey regelmäßig joggt und Bezirksrat Harald Schwab sprach sich für das Wahlrecht mit 16 aus. Auch Herrschings Volleyballer zollte der Rathauschef Respekt. Nicht der ersten Mannschaft, die in der ersten Liga den Ball übers Netz schmettert, sondern die zweite Mannschaft, die sich seit 2015 jährlich eine Klasse bis zur Landesliga hochgespielt hat. Dafür bekamen Vertreter der Sportler ein dickes Lob und besagten Umschlag. Überhaupt befinden sich die Herrschinger sportlich gesehen auf der Erfolgsspur, denn auch die Handballerinnen wurden für ihren Aufstieg in die Landesliga geehrt – und von den erfolgreichen Nachwuchsseglern Johanna Beichl, Laila Möbius, Lea Voigt, Justus Ernst, Jens Olbrysch und Luna von Weidenbach glaubte Schiller in Zukunft noch einiges zu hören. Die Prominenz gab sich an jenem Abend die Hand: Dr. Christian Schneider, der (ehrenamtliche) Sportarzt des Jahres 2018, der aktiv in der Antidoping-Aufklärung beteiligt ist. Oder Sarah Well-Lipowski, Tochter von Hans Well der Biermösl Blosn, die in der Indienhilfe aktiv ist. Für ihr langjähriges Engagement im Kulturverein bekam Margit Metz genauso wie Heinz Gruczek vom Bauerntheater und Horst Groß, Ehrenamtlicher beim Blauen Kreuz, ein Dankeschön führ ihr selbstloses Agieren. Andreas Wild brachte etwas zu seiner Ehrung mit: Der Pilot der 60 Jahre alten Antonov 2 verloste einen Rundflug in der historischen „Tante Anna“, den Mia Schmidt mit der Nummer 225 zog. Eine Person darf sie mitbringen – den sponsert die Gemeinde. Formvollendet rundete die Modeschau der Gewerbetreibenden schließlich den gelungenen Abend ab.

Von Michele Kirner

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