Das Jugendamt, die unbekannte Behörde

Starteten die Aktionswochen im Landratsamt: (v.l.) Martin Widhopf (Teamleiter Beistandschaften, wirtschaftliche Hilfen), Landrat Karl Roth, Martin Hierl (Teamleiter ambulante Hil- fen), Jugendamtsleiter Bernhard Frühauf, Eduard Zenger (Teamleiter Jugendarbeit), Rosemarie Merkl-Griesbach (Teamleiterin Erziehungshilfe), Geschäftsbereichsleiter Matthias Prinzler und Andreas Kopp (Teamleiter Familienberatung) . Foto: Puls

Wenn Jugendämter in die Schlagzeilen geraten, dann meist wegen möglicher Versäumnisse. Bekanntes Beispiel ist der Fall Kevin aus Bremen, an dessen Tod 2007 ein Mitarbeiter des Jugendamtes Mitschuld tragen soll. Derartige tragische Ereignisse rücken für ein paar Wochen die insgesamt 591 Jugendämter in Deutschland wieder in die Öffentlichkeit – und verzerren das Bild der vielschichtigen Arbeit. Doch was macht eigentlich ein Jugendamt? Welche Aufgaben werden dieser Behörde zugeschrieben? Auf Initiative der Bundesregierung finden derzeit die Aktionswochen der Jugendämter statt, an denen sich auch der Landkreis Starnberg beteiligt.

„Knapp 37 Prozent der Familien wissen nicht, welche Hilfen das Jugendamt bietet“, wusste Landrat Karl Roth aus einer aktuelle Forsa-Umfrage. Zum Start der Aktionswochen der Jugendämter, die noch bis 8. Juni stattfinden, informierte Roth gemeinsam mit Rosemarie Merkl-Griesbach und Jugendamtsleiter Bernd Frühauf bei einem Pressegespräch über die umfangreiche Arbeit der 68 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich theoretisch um 23.000 Kinder und Jugendliche im Landkreis zum kümmern haben. „Wir haben durchschnittlich mit 4.500 von ihnen direkt zu tun“, nannte Frühauf eine Zahl, die bei vielen Bürgermeistern oder Jugendreferenten immer wieder Erstaunen auslöst. Und dabei geht es keineswegs nur um Heimunterbringung oder Hilfe vor dem Jugendgericht. Von rund 100 Heimunterbringungen im Landkreis seien laut Frühauf bis auf zwei oder drei alle anderen freiwillig. Soll heißen: Eine Unterbringung werde lediglich empfohlen – und meistens werde der Rat von den Erziehungsberechtigten auch gerne angenommen. Sorge bereitet dem Jugendamt die „massive Zunahme“ an Strafverfahren (von 350 auf 500 im Jahr) gegen Jugendliche. Mit großem Erfolg hilft das Jugendamt bei der Lehrstellensuche, fast alle Schulabgänger konnten im vergangenen Schuljahr in eine Ausbildung vermittelt werden. Rund 800 alleinerziehende Mütter haben 2010 Beistand bei ihren Unterhaltseinforderungen (rund eine Million Euro) erhalten, 400 Kinder suchten mit ihren Eltern die Erziehungsberatungsstelle auf und mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche nehmen Jahr für Jahr an den Ferienfreizeiten des Landkreises teil. „Das Ziel der Wochen ist, die Bevölkerung über die Möglichkeiten des Jugendamtes zu infomieren und Eltern in schwierigen Situationen Hilfe anzubieten“, fasste Frühauf die Initiative zusammen. Ein Kinospot von Kindern aus dem Landkreis wird in den „Breitwand-Kinos“ auf die Aktionswochen hinweisen. Über Jugendarbeit, Kinderbetreuung, Erziehungshilfe, Elterngeld, Trennungs- und Scheidungsberatung wird der KREISBOTE Starnberg über einige Fälle im Landkreis in loser Folge in den nächsten Woche berichten.

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