Jugendliche ziehen in Herrschinger Bahnwärterhäuschen

Das Jugendhaus in Herrsching zieht um, und zwar in das alte Bahnwärterhäuschen an der Baderstraße 25. Gegen fünf Stimmen ebnete der Gemeinderat am Montagabend nach rund eineinhalbstündiger Debatte den von den Jugendlichen, dem Jugendbeirat und den Jugendpflegern favorisierten Standortwechsel. Dazu wird die Gemeinde 204.000 Euro in die Sanierung und Ausstattung des Gebäudes stecken. Weiter auf der Suche bleibt die Kommune nach einer ebenfalls dringend benötigten Obdachlosenunterkunft.

Das alte Bahngebäude befindet sich nach einer Untersuchung vom vergangenen Herbst „insgesamt in einem guten Zustand“, wie Walter Koziol vom Büro plan x Architekten den Gemeinderäten schilderte. Laut seiner Bestandsaufnahme seien Wände und Fundament trocken und intakt, die alten Kastenfenster in einem „sanierungswürdigen und erhaltenswerten“ Zustand, die Böden gut in Schuss und die Zimmer mit nur wenig Aufwand zu renovieren. Letzteres gilt auch für das Dachgeschoß. Was grundlegend erneuert werden muss, sind die elektrischen Anlagen und die komplette Heizung. Ebenfalls muss in den Brandschutz investiert werden. Die Kosten für eine Grundsanierung gab Koziol mit 189.000 Euro an, je nach Nutzung wird das fertige Gebäude auf 204.000 (Jugendhaus) beziehungsweise 224.000 Euro (Obdachlosenunterkunft) kommen. Die möglichen staatlichen Förderungen beider Einrichtungen (beides kommunale Pflichtaufgaben) liegen jeweils bei maximal 60.000 Euro. Für das Jugendhaus gibt es zudem noch einen Zuschuss vom Landkreis. An die beengte Situation an der dicht befahrenen Luitpoldstraße erinnerte Jugendpflegerin Julia Schmidbauer. Außerdem sei die derzeitige Unterkunft lediglich als Provisorium gedacht gewesen – vor 20 Jahren so beschlossen. Das Bahnwärterhäuschen dagegen sei für alle Jugendlichen gut erreichbar (See, Sportplatz, Realschule, Bahnhof), das Raumangebot biete vielfältige Möglichkeiten (Einzelgespräche, Bewerbungshilfe, Privatsphäre etc.) und man könne den kleinen Garten nutzen. Außerdem: Ein Umzug bedeute auch einen Imagewechsel. „Die Jugendlichen haben dann nicht mehr das Gefühl, dass sie nur in einem Provisorium untergebracht werden“, so Schmidbauer. An die schwierige Situation bei der Unterbringung obdachlos gewordener Menschen erinnerte Peter Kant von der Gemeinde. An fünf verschiedenen Orten – Container an der Birkenallee, Bahnhofstraße 38, Seestraße 25, das „Hurlehaus“ am Martinsweg 12 und in einer Pension – seien derzeit elf Menschen untergebracht. „Wir können diesen Personkreis nicht einfach irgendwo unterbringen, wir müssen auch für eine menschenwürdige Bleibe mit gewissen Mindeststandards sorgen“, appellierte Kant. Darüber hinaus sei die derzeitige Situation auch mit erheblichen Kosten verbunden, die man sich mit einer zentralen Bleibe sparen könnte. Die schwierige Suche nach einer Lösung im Gemeinderat brachte schließlich Stephan Feneberg (CSU) auf den Punkt: „Wer sich heute für das Jugendhaus entscheidet, ist nicht gegen eine Obdachlosenunterkunft und umgekehrt.“ Was mit dem frei werdenden Räumen an der Luitpoldstraße passieren soll und wohin die Indienhilfe ziehen könnte, darüber wird sich der Gemeinderat bald schon Gedanken machen müssen. „Eine Neuverschuldung, egal für was, werden wir nicht hinbekommen“, schickte Bürgermeister Christian Schiller hinterher.

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