Jugendschöffengericht Starnberg: i-Phone-Diebstahl bringt Bewährung ins Wanken

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Starnberg – Eigentlich ging es am Starnberger Amtsgericht „nur“ um den Diebstahl eines i-Phones aus einer Münchner Flüchtlingsunterkunft im November 2015. Weil der tatverdächtige Starnberger jedoch wegen einiger schwerer Körperverletzungsdelikte vierfach vorbestraft war und in offener Bewährung stand, hatte sich das Jugendschöffengericht mit der Sache zu befassen.

: Im Falle eines Bewährungswiderrufs hätte der 19-jährige Angeklagte mindestens seine im Oktober 2015 verhängte, damals aber noch ausgesetzte Jugendstrafe abbüßen müssen. Nachdem der Vorsitzende Richter Ralf Jehle zu Beginn des Verfahrens der Verteidigung klar machte, dass man als Beweismittel eine Ankauf-Quittung des gestohlenen i-Phones vom Februar 2016 samt Unterschrift des Beschuldigten habe, bat der Anwalt sofort um ein Rechtsgespräch mit dem Schöffengericht: Hierbei wurde die Verständigung erzielt, dass der angeklagte Starnberger ein Geständnis ablegte und im Gegenzug von der Staatsanwaltschaft die Zusicherung erhielt, dass diese auf eine „Bewährungsstrafe zwischen 1 Jahr und 18 Monaten“ plädieren würde. Zum Zeichen seines Wiedergutmachungswillens überreichte der Starnberger dem geschädigten i-Phone-Besitzer, einem Asylbewerber, noch im Gerichtssaal 100 Euro in bar – die musste allerdings erst sein Bruder von der Bank holen. Der solcherart „Beglückte“ verstand erst gar nicht, warum der Starnberger sich bei ihm auch noch feierlich entschuldigte – ein Farsi-Dolmetscher erklärte es ihm. Die mündliche Verständigung aus dem Rechtsgespräch wurde dann auch konkret umgesetzt: Unter Einbeziehung der Jugendstrafe von 2015 wurde die Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gebildet, zur abermaligen Bewährung ausgesetzt für drei Jahre. Als Auflage muss der noch immer nach Jugendstrafrecht beurteilte 19-Jährige 800 Euro an die Staatskasse zahlen, außerdem wird ihm weiterhin ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt – die bisherige Bewährungshelferin aus München hatte im Prozess berichtet, das zurückliegende Jahr sei „nicht gerade sinnvoll“ verlaufen im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit dem Schützling: „Er meinte, er regelt seine Dinge selber.“ Auch dafür entschuldigte sich der Starnberger – er habe die vereinbarten Gesprächstermine wohl aus Leichtsinn und wegen Arbeitsstress verabsäumt. Eine positive Prognose hatte ihm das Schöffengericht dennoch bescheinigt. mps

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