Geredet wurde über soziale Infrastruktur und lokales Gewerbe

Junge Union diskutierte mit Landrat Stefan Frey

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Zum Gespräch mit Landrat Stefan Frey traf sich die Junge Union im Netz.

Starnberg – „Momentan stehen die Zeichen auf Öffnung und das ist auch gut so“. Mit diesen Worten machte Landrat Stefan Frey am Freitagabend den beteiligten einer offenen Diskussionsrunde Mut. Bei der virtuellen Veranstaltung der Jungen Union, die unter dem Thema „Aktuelle Situation und Ausblick für den Landkreis Starnberg“ stand, trafen sich 20 Teilnehmer über Zoom gemeinsam mit dem Landrat und dem Kreisvorsitzenden der Jungen Union Starnberg, Christoph Picker. Nach anfänglichen Verbindungsproblemen konnten in einer eineinhalb stündigen Videokonferenz alle Fragen geklärt und ein positiver Ausblick geschaffen werden.

Als kleine Einleitung fasste Frey seinen momentanen Arbeitsalltag zusammen und gab einen Überblick über die Themenfelder, die ihn zurzeit beschäftigen: Natürlich „Corona rauf und runter“. So wird mit Unternehmen gesprochen, die sich zurzeit in einer sehr prekären Lage befinden. Es wird über den wohl bevorstehenden Ansturm von Touristen und mögliche Lösungswege dafür gegrübelt und auch die Thematik des Asyl- und Aufenthaltsrecht ist in dieser Zeit nicht geringer geworden. „Zurzeit sind wir wieder in einem vernünftigen Bereich mit den Corona Zahlen“, freute sich Frey, allerdings bereite ihm das Infektionsgeschehen auf lokaler Ebene weiterhin Kopfzerbrechen. Insgesamt beschrieb er seine Arbeit als Landrat als ein „buntes Themenbündel was viel Arbeit ist, aber auch viel Spaß macht“. 

Landrat Frey gibt sich optimistisch

Das erste Thema des Abends waren Vereinsfragen beziehungsweise Sport. Wie ist der Ausblick für Vereine, wann und unter welchen Maßnahmen dürfen sie wieder öffnen? Prinzipiell gilt, dass sich natürlich alle an die staatlichen Vorgaben halten müssen. Ein Tipp vom Landrat allerdings ist, frühzeitig zusammen mit den Verbänden Hygienekonzepte zu erstellen. Außerdem hilft es kreative Pläne zu entwickeln, wie die einzelnen Sportarten konkret auch in Gruppen wieder ausgeführt werden könnten. Allerdings sieht die Bundesregierung besonders beim Sport einen der größten Infektionsherde, weshalb „der Öffnungswille (…) nur bedingt das ist“. So wird eine schrittweise Öffnung wohl nur gelingen, wenn die Hygieneregeln eingehalten werden können. Frey bleibt aber weiterhin positiv: „Inzwischen haben wir unter anderem schon Lockerungen in den Bereichen der Hotellerie und der Gastronomie erlebt und ich bin sicher, dass wir im Bereich Sport auch eine Öffnung erleben werden“. Leider müssen aber Großveranstaltungen und darunter auch der Landkreislauf in diesem Jahr abgesagt werden: „Es sind unsichere Prognosen für die kommenden Monate. Die öffentliche Hand muss hier als Vorbild vorangehen“, äußerte sich Frey etwas bestürzt. „Es ist nicht vertretbar Geld in die Planung von Großveranstaltungen zu stecken, wenn wir dabei ins Blaue hinein planen.“ 

Schritt in die richtige Richtung

Zum Thema Soziale Infrastruktur, Krankenhäuser und Altenheime äußerte sich der Landrat positiv: „Durch die geschaffenen Kapazitäten und die hohe Anzahl an Betten in den Krankenhäusern haben wir diese Situation wie kaum ein anderer Landkreis gemeistert“. Inzwischen habe sich die Lage in den Krankenhäusern wieder entspannt, weshalb Frey appellierte, dass Bürger die normale Regelversorgung in Anspruch nehmen. Auch die Situation in den Altenheimen habe sich langsam normalisiert, so dürfen Angehörige wieder zu Besuch kommen. Es sei noch lange kein Regelbetrieb, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Auch im Bereich der Schulen und Kindergärten stehen die Zeichen auf Öffnung: Die Kindergärten seien in der Krise einen guten Weg gegangen. Angefangen bei der Notbetreuung, die ausgeweitet wurde, bis hin zu den Vorschulkindern, die inzwischen wieder in die Kindergärten gehen können. Über die Frage, ob Kindergärten über den Sommer schließen dürfen, ist noch keine Klarheit erlangt worden. „Dafür gibt es keinen Beschluss von oben“, so Frey. Hier können also die Kommunen oder sogar die Einrichtungen selbst entscheiden. Auch über die Rückerstattung der Kindergarten – und Kita-Beiträge für die Monate April, Mai und Juni ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. Nach und nach läuft der Regelbetrieb in Schulen und Kindergärten wieder an, auch wenn unter besonderen Auflagen. „Diese Situation wird uns sicher noch bis zum Sommer begleiten. Wie es allerdings nach den Sommerferien aussieht ist unklar. Das wäre eine Prognose ins Ungewisse“, so der Landrat. 

„Noch sind viele lebens- und überlebensfähig"

Der letzte Themenbereich - lokales Gewerbe, Gastwirtschaft und Tourismus – ist sehr durchwachsen. Auch wenn es auf der einen Seite für die Gastronomie wieder Öffnungen gibt, sind die Hygienekonzepte sehr streng und für manche schier unmöglich einzuhalten. Auch Restaurants mit zu geringen oder gar keinen Außenflächen profitieren nicht von den neuen Regelungen. Allerdings halten sich viele Gastronomen mit kreativen Ideen über Wasser. Durch eine hohe Flexibilität und zum Beispiel das „To-go-Geschäft“ konnte die Zeit einigermaßen überbrückt werden. „Noch sind viele lebens- und überlebensfähig. Die Öffnungen kamen einigermaßen rechtzeitig“, sagte Frey. Neben der Gastronomie gibt es auch viele andere Branchen, die von der Corona-Krise stark betroffen waren. Andere wiederum konnten profitieren, wie zum Beispiel Handwerksfirmen, erklärte der Landrat: „Viele Unternehmen erleben gerade eine Hochkonjunktur. Sie können sich vor Aufträgen nicht retten“. Auf die Frage, ob es inzwischen schon Steuereinbußen gebe, reagierte Frey zuversichtlich. Momentan merke man noch nichts, aber in den kommenden Monaten wird die Krise sicher auch in diesem Bereich zum Ausdruck kommen. Allerdings habe er nicht vor Projekte, in die schon viel Geld investiert wurde, abzubrechen oder still zu legen. Es sollen auch weiterhin gute Lern- und Lehrbedingungen geschaffen werden. 

Bestens gerüstet für Touristenansturm

Für den erwarteten Ansturm an Touristen will der Landkreis gut gewappnet sein: So tagten erst am Mittwoch Vertreter der Gemeinden, des Landratsamtes, der Seenschifffahrt und viele mehr, um ein gutes Konzept zu entwickeln. „Wir wollen keine Verbote aufstellen oder beschränken, sondern viel mehr die Menschen dazu animieren ihre Vernunft an zu wenden“, Frey dazu. So wird überlegt welche besonderen Anziehungspunkte es für Touristen gibt und wie man genau diese etwas entlasten könnte. Zum Beispiel könnten eher unbekannte Wander- oder Fahrradrouten mehr umworben werden. „Es ist eine Gradwanderung zwischen Öffnungen und Durchsetzung der notwendigen Maßnahmen“, sagte der Landrat. Kreisrat Ludwig Horn sieht Probleme für Touristen und Gastgeber: „Es ist eine Zitterpartie über ganz lange Zeit“. Frey sieht positiv in die Zukunft: „Je vernünftiger die Menschen sind, desto mehr können wir auf Lockerungen hoffen. Momentan stehen die Zeichen auf Öffnung und das ist auch gut so“.

Von Lisa Livancic

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