Espresso aus der Kutsche

Kaffee auf Rädern direkt am Ammersee

Erste Kunden an diesem Tag: Roland und Claudia Werb genießen ihren Espresso von der Kaffee-Kutsche von Julian Büchner.
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Erste Kunden an diesem Tag: Roland und Claudia Werb genießen ihren Espresso von der Kaffee-Kutsche von Julian Büchner.

Buch - Ein Kaffee auf Rädern direkt am Ammersee: Eine Idee von Julian Büchner (51), der seit diesem Sommer aus seiner Kutsche vom Espresso bis zur kühlen Limo serviert. Geboren wurde das Projekt durch Rückfragen von Spaziergängern, die den Bucher nach einer Cafeteria oder dergleichen in dem kleinen Ammerseeort gefragt hatten.

Die Antwort lautete stets: "Das gibt es hier leider nicht." Und dann beschloss  Julian Büchner irgendwann im Jahr 2018, das zu ändern. Jetzt schenkt der ehemalige Produktions-Mananger aus der Filmbranche in seiner Kaffee-Kutsche an schönen Wochenenden mit Seeblick Getränke aus.

Zur Seite steht ihm Lebensgefährtin Therese Ackermann. Auch an diesem Sonntagmorgen vor ein paar Wochen parkte der Bucher seinen umgebauten dreirädrigen Italiener um 11 Uhr vor dem Badestrand vom Campingplatz ein. Unbeeindruckt von der strammen Brise warf der 51-Jährige die Kaffeemaschine an, sortierte Milch, Soja- und Hafermilchbehälter in die dafür vorgesehene Box und legte auf dem heruntergeklappten Tisch Muffins und Co. aus. Kaum war er einigermaßen eingerichtet, tauchten die ersten Gäste auf. Roland und Claudia Werb aus Seefeld hatten die Kaffee-Kutsche zufällig entdeckt. Genüsslich schlürften sie ihren Espresso, während bereits der nächste Kunde seine Bestellung aufgab. "Ich habe mittlerweile meine Fangemeinde", freute sich Büchner. Etwa der Surfer, der im Neoprenanzug vorbeischlenderte und vor der Foil-Session noch schnell für später einen Cappuccino bestellte. "Hallo", grüßten einige Jogger erfreut in Richtung des auffälligen Piaggio, das der Teilzeitwirt in Kaiserslautern für seine Bedürfnisse hat umbauen lassen.

Vom Kaffeeduft betört bremsen zwei Mountainbiker ihre Fahrt ab und entschlossen spontan, hier und jetzt ihren Durst zu löschen. Auf der Tafel studierten sie die große Auswahl an Getränken zwischen 2 und 3,50 Euro: Cappuccino, heiße Schokolade, Latte Macchiato, Espresso, Doppio, kalte Cola, diverse Tees, Americano und Milchkaffee auf Wunsch mit Soja- oder Hafermilch. In geschlossenen Flaschen verkauft Büchner Bier und Wein, als Gesundheitsboost gibt es den Ingwer-Shot vom Kloster, die Bohnen bezieht er aus der Herrschinger Kaffeerösterei am Ammersee. Die Kaffee-Kutsche zog die Blicke der Sonntagsspaziergänger unwillkürlich auf sich. Es ist eben etwas Besonderes – und etwas Besonderes wollte Büchner damals auch auf die Beine stellen, denn "ein 0-8-15-Kaffee wollte ich nicht betreiben". Erst überlegte er, den Kiosk am Dampfersteg in Breitbrunn zu reaktivieren. "Den hätte ich aber nur als Pächter der Breitbrunner Wirtschaft bekommen", erinnerte er sich. Als er in einer Zeitschrift über das Kaffee auf Rädern gestolpert ist, sprang der Funke sofort über. Eine Hürde waren die mindestens 25.000 Euro, die ihn das Getränkemobil kosten würde. "Die Banken wollten mir nichts geben", sagte Büchner. Aber er fand Unterstützer – und die Investition habe sich gelohnt, über einen Mangel an Gästen könne er nicht klagen. "Super gelaufen ist es am 1. Januar." Denn der Mann scheut die Kälte nicht und stand selbst im Winter an der Kaffeemaschine. Im Laufe der Zeit trudelten Buchungen für Events wie Hochzeiten oder Geburtstage, Messen, Streetfoodfestival und Märkte ein – und dann kam Corona und es hagelte Absagen. Mit der Ausgangsbeschränkung verzichtete er nach dem 15. März freiwillig auf den Ausschank am Seeufer.

Seit den Lockerungen ist er wieder zurück. "Schön, dass Du wieder da bist", rief ihm von weitem ein Pärchen zu. Als gegen Mittag ein Regenschauer über den Platz peitschte, machte Büchner die Schotten seiner Kaffee-Kutsche dicht – und kaum klappte er die Tische wieder auf, lehnten sich durstige Seebesucher über die Getränkekarte. An den Sicherheitsabstand musste Büchner keinen erinnern, der vorsichtshalber mit einer Maske bediente. Für die wiederverwendbaren Becher stellte er in diesen Zeiten eine Box auf. Abends tuckerte Büchner mit dem Gefährt nach Hause. "Trotz des Windes war ich heute zufrieden", sagte er. Seine Kunden haben ihn und die Tasse Kaffee mit Blick offensichtlich vermisst.

Geöffnet ist die Kaffee-Kutsche jeweils an Wochenenden und Feiertagen bei schönem Wetter am Campingplatz Baumann, In der Senke 2, in Buch. Anfragen unter Telefon 0173-869 23 23 (www.kaffee-kutsche.de).

Michèle Kirner

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