Kalkulation von unten nach oben

Die Mitglieder des BDM-Kreisvorstandes freuen sich über die steigende Akzeptanz der Verbraucher im Rahmen der Aktion „Faire Milch“. Foto: Jaksch

Drößling - „Wir brauchen einen funktionierenden Markt, in den wir selber gestaltend eingreifen können.“ Romuald Schaber, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) und Präsident des „European Milkboard“ (EMB), skizzierte bei der Jahresversammlung des BDM-Kreisverbandes Starnberg in Drößling die Richtung, den die Milchproduzenten „auf dem Weg ins Jahr 2014“ gehen sollten.

Dann nämlich läuft aller Voraussicht nach endgültig die so genannte Milchquotenregelung auf EU-Ebene aus und es gilt, wirksame Steuerungsmechanismen zu finden, die den Milcherzeugern einen angemessenen Preis für ihre Produkte und damit das Überleben sichern. Die „faire Milch“, im Januar 2010 mit Unterstützung von Unternehmen wie „Rewe“ zunächst regional eingeführt und laut Schaber mittlerweile kurz davor, „in Deutschland flächendeckend“ akzeptiert zu sein, sie macht bereits vor, wie das gehen müsste mit einem zumindest die Kosten deckenden Milchpreis: „Wir haben das Gespräch mit dem Verbraucher gesucht – der unterstützt uns und ist bereit, einen fairen Preis für seine Milch zu bezahlen“, berichtet auch der bei der Versammlung einstimmig wiedergewählte Kreisvorsitzende Michael Friedinger. Doch wäh-rend auf Seiten der Verbraucher längst breite Akzeptanz zu finden ist, liege auf politischer, nationaler wie europäischer Ebene „noch ein langer und steiniger Weg“ vor den Milcherzeugern: Mal blockiere der Bundesrat im Zusammenwirken mit der industriellen Agrar-Lobby Maßnahmen zur Milchmengensteuerung, mal versuchten Großmolkereien, den Bauern die Preise zu diktieren: „Kalkulation muss von unten nach oben erfolgen, nicht umgekehrt“, forderte Schaber, der für die Zeit nach dem Auslaufen der Milchquote (also ab 2015) eigentlich nur ein Modell vorstellen kann: Dass die Milchmarktsteuerung durch die Erzeuger selber erfolgt. „Milch zum öffentlichen Thema zu machen“, sei das Eine, den „bürokratischen Moloch Brüssel“ mit seinen allzu groben und oft ver-fehlten Mengensteuerungsinstrumenten (beispielsweise die Überproduktion fördernde, unsinnige Exporterstattung) zu bekämpfen, das Andere. Das Eintreten der Milchbauern für ihre Interessen habe mittlerweile starke Beachtung gefunden, berichtete Schaber aus Brüssel – seit 2009 gebe es dort etwa eine „High Level Group Milk“, eine Art politischer Eingreiftruppe in Sachen Milchmarkt. „Doch es gibt klar konkurrierende Interessen von Erzeugern und Verarbeitern“, stellte Schaber heraus. Auch Genossenschaften würden sich heutzutage „längst wie private Unternehmen verhalten“ - vielfach zu Lasten der rund 900.000 Milchbauern auf europäischer Ebene. Deshalb müsse eine „permanente Monitoringstelle“ auf EU-Ebene eingerichtet werden, um jederzeit flexibel auf die Milchpreisent-wicklung Einfluss nehmen zu können: Besetzt werden soll diese mit den Erzeugern (European Milk Board), Verbrauchervertretern, Politikern und eventuell auch Repräsentanten der verarbeitenden Molkereien; auf nationaler Ebene könnte eine Marktsteuerungsstelle, auf regionaler eine Milchmengensteuerungsstelle hinzu kommen, so die Vorstellungen der Milcherzeuger: „Wer die Mengen in der Hand hat, hat den Preis in de Hand“, sagt Schaber und ermunterte die Milchbauern zu weiterem Engagement. Im Kreisverband Starnberg hat sich die Zahl der aktiven (also produzierenden) Mitglieder seit 2010 von 93 auf 90 reduziert, die der Milchviehbetriebe von 145 auf 140 – der Überlebenskampf vieler Milchbauern, er ist noch längst nicht gewonnen.

Auch interessant

Meistgelesen

"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
Das elfte Fünf Seen Filmfestival wartet wieder mit Superlativen auf
Das elfte Fünf Seen Filmfestival wartet wieder mit Superlativen auf
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel

Kommentare