Wirte nehmen die Politik nun in die Pflicht

"Keine Wahnsinnsbeschränkungen" - Gastronomie im Landkreis hofft auf baldige Lockerungen 

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Fällt die Schweinshaxe dem Coronavirus zum Opfer? Viele Gastronomen fürchten wegen der Corona-Pandemie und den von Seiten der Politik erlassenen Beschränkungen zur Eindämmung der Infektionswelle um ihre wirtschaftliche Existenz.

Landkreis – Die wegen der Corona-Pandemie von Seiten der Politik erlassenen Beschränkungen für das Hotel-und Gastgewerbe sorgen bei den Betroffenen zunehmend für Kritik. Lokalbetreiber und Hoteliers fürchten um ihre Existenz. Die Bundesregierung hat nun ein umfassendes Hilfspaket auf den Weg gebracht, das auch der Gastronomiebranche helfen soll die Krise besser zu überstehen. Die Mehrwertsteuer wird ab 1. Juli für das Gastgewerbe auf sieben Prozent gesenkt. Die Maßnahme soll allerdings nur befristet bis Ende Juni 2021 laufen. Für weiteren Unmut in der Branche sorgen auch die von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten Lockerungen, die ab 27. April allerdings nur für den Einzelhandel gelten sollen. Der Kreisbote hat sich bei den Gastronomen im Landkreis erkundigt wie die Stimmung derzeit so ist und welche Hoffnungen die Branche nun in die Politik setzt.

"Die Situation ist sehr ernst", sagt Go Chui, Betreiber des China-Restaurants an der Würm in Gauting. Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung geht einfach vor, so Chui. Die Schließung von Gaststätten hält der Gautinger Wirt daher für sinnvoll und gerechtfertigt. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat Chui und seine Mitarbeiter früher als die übrigen Kollegen zu spüren bekommen. Asiatische Lokale leiden schon seit den ersten Meldungen über den Ausbruch des Coronavirus in China über weniger Gäste und sinkende Einnahmen. Die von der Regierung beschlossenen Soforthilfen seien "ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Go Chui. Er habe für seinen Betrieb Kurzarbeit beantragt. Eine Rückmeldung habe er allerdings noch nicht erhalten. "Große finanzielle Kosten kommen auf uns zu", befürchtet der Gautinger Wirt. Die Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Gastronomie begrüßt Chui, allerdings hofft er, dass die sieben Prozent-Regel fortan bleibt. 

"In den nächsten Jahren kommt kein Italiener oder Spanier"

Heinz Preiß vom Brückenwirt in Percha findet die Minderung des Mehrwertsteuersatzes für die Gastronomie zwar an sich eine gute Sache. Mehr Sinn würde für Preiß allerdings eine Befreiung der Mehrwertsteuer von den bereits erwirtschafteten Umsätzen machen. Einen erheblichen Einbruch erlebt der Wirt aus Percha gerade bei den Buchungen für seine Gästezimmer. Die Absage des Oktoberfestes bekommt Preiß bereits jetzt mit voller Wucht zu spüren. Viele Buchungen für September werden storniert. Reiseunternehmen sagen ihre Tischbestellungen ab. Einige Touristen aus anderen Bundesländern stornieren ihre Zimmerreservierungen, weil sie befürchten, sich in Bayern mit dem Coronavirus zu infizieren. Ein ähnliches Szenario sieht Preiß auch bei den internationalen Gästen kommen. "Die nächsten drei bis fünf Jahre kommt kein Italiener oder Spanier mehr", so der Gastronom. Die Schulöffnungen sieht Preiß kritisch. Seiner Ansicht nach komme die Maßnahme zu früh und es werde wieder zu mehr Infektionen kommen. Die Leidtragenden wären dann die Gaststätten.  

„Ohne sieben-Prozent-Regel haben wir keine Chance“

Eveline Ofner, Betreiberin des Wirtshauses Starnberg im Tutzinger Hof, steht kurzfristigen Lockerungen im Gastronomiebereich eher skeptisch gegenüber. Ohne konkrete Maßnahmen und Regelungen würden diese gar nichts bringen, so die Wirtin. Eine Öffnung des Restaurantbetriebes mit einer geringen Anzahl an Gästen ist für Ofner ebenfalls keine vernünftige Lösung. „Wenn wir mit 30 Gästen öffnen dürfen, dann sperr ich lieber zu“, sagt Ofner. Dies würde mehr Kosten verursachen, als der bisherige Stillstand, so die Gastronomin. Ihre Hoffnungen ruhen nun auf den Versprechungen der Politik. „Wenn keine Hilfen kommen, dann kann man das nicht schaffen“, mahnt Eveline Ofner. Sie plädiert für eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent für die Gastronomiebranche. Denn „ohne die sieben Prozent-Regel haben wir alle keine Chance“, so Ofner weiter.

Das derzeit zu wenig über Maßnahmen gesprochen wird, welche im Falle einer erneuten Infektionswelle mit dem Coronavirus gelten sollten, ärgert Ofner. „Wenn ein Gast positiv ist, über das spricht keiner“. Die Einführung von sogenannten Corona-Apps, die das Umfeld eines Infizierten über die Erkrankung benachrichtigen, wäre nach Ansicht von Eveline Ofner für die Gastronomie ein „Worst-Case-Szenario“. Diese Maßnahmen würden die Angst unter den Gästen nur mehr schüren, als sie zu beruhigen. Eine Schließung des Wirtshauses bei einer Infektion würde den Ruin bedeuten.

Eine Lockerung der bestehenden Maßnahmen für die Gastronomie sieht Ofner erst für Ende des nächsten Monats kommen. „Wenn es Ende Mai ist, dann müssen wir uns danach richten. Aber dann bitte ohne Wahnsinnsbeschränkungen“, erklärt Ofner.

Soforthilfen sollen schneller fließen

Die Corona-Pandemie sei für die Gastronomie zwar eine Katastrophe, aber die Gesundheit gehe natürlich vor, meint Alexander Leccadito vom „Alten Wirt“ in Seefeld. Geht es nach ihm, so sollten die von der Politik versprochenen Soforthilfen schneller bei den Betroffenen ankommen. Ebenso hofft der Seefelder Wirt, dass Abstandsregeln kommen, die zumindest den Biergartenbetrieb in Schwung bringen könnten. Sonst sieht es für die Branche ganz schlecht aus, meint Leccadito. Eine Lockerung der Beschränkungen für die Gastronomie sieht der Wirt allerdings erst im Sommer gegeben. „Wir hoffen es, denken aber, dass wir bis Juni warten müssen“.

Von Florian Ladurner

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