Projekt "Promoting Africa"

Eine Perspektive für Slumkinder

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Breitbrunn/Nairobi – Ruth Paulig packt das an, was andere fordern: Gemeinsam mit ihrem Verein „Promoting Africa“, der Professorin Susanne Gampfer und tatkräftiger Unterstützung von Studenten der Technischen Universität München sowie der Hochschule Augsburg hat die ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete eine Handwerksschule in Nairobi aufgebaut.

Dort werden mehrheitlich kenianische Slumkinder unterrichtet und erhalten auf diese Weise eine Perspektive. Dieses Jahr fand die erste Abschlussfeier statt. Solartechnik, Schreinern, Schneidern und Elektrik sind Fächer, die die Berufsschüler im „Skill Centre“ belegen können. Mittlerweile verfügt die Schule über fünf Klassenzimmer, ebenso gibt es einen Schlaftrakt für Schüler, einen Wohnbereich für die Lehrer, eine Küche, einen Gemüsegarten, einen Brunnen und natürlich Sanitärräume. 75 Jugendliche haben dieses Jahr ihren Abschluss geschafft, der von der kenianischen Regierung geprüft und anerkannt ist. Ziel ist es, dass sich der Staat zukünftig auch an der Finanzierung der Ausbildung beteiligt. 

Diese anzubieten, war kein Leichtes, sagt Paulig. Das duale System ist in Kenia bisher unbekannt, dementsprechend gab es keine ausgebildeten Berufsschullehrer. Zudem würden viele Handwerker die Selbstständigkeit einer Anstellung als Lehrer vorziehen, erklärt Paulig. Die andere Herausforderung sei es gewesen, geeignete Betriebe zu finden, in denen der praktische Teil der Ausbildung stattfinden kann. Trotz dieser Schwierigkeiten ist der Großteil der bisherigen Absolventen auf dem Arbeitsmarkt untergekommen. Einer von ihnen arbeitet mittlerweile sogar für das kenianische Energieministerium. Zwar fand in diesem Jahr die erste offizielle Abschlussfeier statt, aufgrund dreier aufeinander aufbauender Abschlüsse hatten jedoch schon in den Jahren zuvor Schüler ihre Ausbildung abgeschlossen, sagt Paulig. Jeder Schüler sei registriert worden, damit sei eine spätere Evaluierung möglich. Generell verwaltet der Verein das Projekt sehr sorgfältig. Die Schule muss ihm eine monatliche Abrechnung vorweisen, erst dann wird Geld für den folgenden Monat überwiesen. Einmal im Jahr besucht die Breitbrunnerin die Handwerksschule, um sich ein Bild vor Ort zu machen. „Ich habe schon immer Angst“, sagt Paulig. Vor allem ein Ereignis ist ihr im Gedächtnis geblieben: Die Anschläge auf das Westgate-Einkaufzentrum im September 2013. Dort habe sie sich oft für Gespräche verabredet. Dazu sei September die Zeit, in der sie normalerweise Kenia besuche. Dank ihrem Enkelkind sei sie in diesem Jahr erst einen Monat später geflogen. Seit diesem Vorfall versucht sie große Kaufhäuser zu meiden, sagt Paulig. Dennoch lässt sich die ehemalige Grünen-Frontfrau nicht unterkriegen. Für die kommenden Jahre hat sie noch viel vor mit der Handwerksschule: Weitere Fächer wie Businessadministration sollen angeboten und die Ausbildung in Solar- und Elektrotechnik professionalisiert werden. Ziel wird es irgendwann sein, die Schule in die Selbstständigkeit zu übergeben. „Das ist ihr Projekt für ihr Land“, sagt Paulig, die immer wieder über das Engagement der Kenianer für ihr Land beeindruckt ist: „Die Kenianer kümmern sich um ihre Leute.“ Weitere Schulen sollen nach Vorbild der Handwerkschule entstehen, sie soll als „Pilotprojekt“ funktionieren. Zwei Interessenten aus Kenia und Somalia gebe es bereits, so Paulig. Dieser Austausch an Ideen und Informationen war genau das, was Paulig beabsichtigt hat. Und dieser Austausch funktioniert nicht nur innerhalb Kenias, sondern über die Landesgrenzen hinaus bis nach Deutschland. Das gebe den Kenianern das Gefühl „nicht im eigenen Land eingesperrt zu sein“, erklärt Paulig. 

Wer sich für die Projekte von „Promoting Africa“ interessiert, kann sich bei Ruth Paulig persönlich informieren: Am ersten Adventswochenende auf dem Perger Christkindlmarkt in Breitbrunn und am dritten Adventswochenende auf dem Herrschinger Markt. Oder auf der Internetseite des Vereins: www.promoting-africa.de. Carolin Dameris

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