Klarer Auftrag fehlt

42 Seiten umfasst das erste Bibliothekskonzept der Gemeindebücherei Gräfelfing, das für die nächsten fünf Jahre angelegt ist. Büchereileiterin Elke Naeve stellte es im Januar im Ausschuss für Kultur vor. Es geht dabei um Basisdaten, Gesellschafts- und bildungspolitische Problemlagen, Informationsverhalten und Mediengewohnheiten. Auftrag, Zielgruppen und Ziele, Angebote, Maßnahmen, Kooperationen und Visionen für 2013.

„Bisher gibt es für die Bücherei kein schriftliches Konzept und keinen klaren Auftrag“, so Elke Naeve. Das Konzept dient als roter Faden für eine zielgerichtete und erfolgreiche Arbeit, die auch kommunalpolitisch als unverzichtbar wahrgenommen wird, ein konsensfähiges Profil. Anhand von soziodemographischen Daten sollen die eigenen Arbeitsfelder und Zielgruppen neu bestimmt und das Profil geschärft werden. Das Konzept soll mit der Verwaltung diskutiert, verabschiedet und regelmäßig der aktuellen Situation angepasst werden. Auf dieser Grundlage lassen sich künftige Ressourcengrundsätze erarbeiten wie auch Zielvereinbarungen abschließen. „So wie die gesamte Verwaltung, will sich auch die Bücherei weiterentwickeln zu einem modernen, effizienten und bürgernahen Dienstleister“, heißt es in dem Konzept. Die Bücherei in Gräfelfing muss Antworten auf neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Problemlagen finden. Damit meint Naeve die abnehmende Lesekompetenz, die Informationsflut durch Medien aber auch die digitale Spaltung. Wichtige Aufgaben der Bücherei sieht die Leiterin in der Leseförderung, im lebenslangen Lernen, in der Orientierung im Alltag und in der Informationsflut aber auch als Treffpunkt. 32.051 Medien, darunter 17 Prozent Nicht-Buch-Medien sind in der Bücherei im 1. Stock des Bürgerhauses auf 400 Quadratmetern untergebracht. Bei einem Etat von 35.000 Euro wird der Bestand jährlich um zehn Prozent erneuert. Zwar präsentiert sich die Bücherei größtenteils in optisch ansprechender, zeitgemäßer Ausstattung, allerdings benötige die Bibliothek nach fachlichen Standards 800 Quadratmeter, erklärt Naeve. Die vorhandenen 400 Quadratmeter reichen nicht aus, um den Bestand ansprechend präsentieren zu können. Eine Renovierung und Erweiterung ist erforderlich. Da der Anteil der Ausleihen im Kinder- und Jugendbereich erfreulich hoch ist, soll diese Zielgruppe besonders erhalten bleiben. Von daher muss der Kinderbuchbereich vergrößert werden mit einer ruhigen Ecke für Vorlese- und Bastelstunden und kindgerechten Regalen. Auch ein separater Jugendbereich wäre angebracht. Ebenso die Einrichtung eines Lesecafes als Treffpunkt. Als schwerpunktmäßige Zielgruppe hält das Bibliotheksteam an Familien, Kinder und Jugendlichen, Erzieher und Lehrer fest. Insgesamt erreicht die Bücherei 12,2 Prozent der Einwohner als aktive Leser mit eigener Karte. „Da wir aber weit mehr Besucher als Entleiher haben“, so Naeve, „ermitteln wir seit zwei Monaten die Zahl der Besucher anhand eines Zählgerätes.“ Die Einführung von Stapelverbuchung, Verlegung und Verkleinerung der Theke und stattdessen die Einrichtung einer Auskunftstheke sind weitere notwendige Maßnahmen, die im Zuge einer Renovierung oder Erweiterung anstehen. Das Beleuchtungskonzept ist nicht optimal und auch eine Medienpräsentation durch schräge Ausstellungsbretter wäre von Vorteil. Wenig einladend und versteckt ist der Zugang zur Bücherei über den Seiteneingang und das Treppenhaus mit nicht behindertengerechten Türen. Um innerhalb der vorhandenen Immobilie mehr Platz zu gewinnen, denkt Naeve an den Anbau eines Wintergartens oder eine Erweiterung im Bereich des Gebäudes an der Bahnhofstraße 110. Zur Optimierung der Arbeitsabläufe und zum zuverlässigen Diebstahlschutz ist über die Einführung von RFID (Radio Frequenz Identifikation) nachzudenken. Alle Medien erhalten bei dieser Technologie einen Transponder mit deren Hilfe eine Ausleihverbuchung im Stapel möglich ist. Ein Diebstahlschutz ist integriert. Diese moderne Technik wird sich mehr in den Bibliotheken durchsetzten. Da die Samstagsöffnung ein häufig geäußerter Wunsch ist, soll jeden Samstag von 11 bis 14 Uhr geöffnet sein. Dies ist allerdings nur durch eine personelle Aufstockung möglich, da die Bücherei mit 3,5 Stellen ohnehin sehr knapp bemessen ist. Innerhalb der kommenden fünf Jahres sieht das Konzept auch die Umstellung auf einen „echten Onlinekatalog“ vor. Neben der Recherche kann hier der Kunde sein Benutzerkonto ansehen und seine Medien selbst verwalten, vorbestellen und sich über Veranstaltungen in der Bücherei informieren. Auch das Beratungsangebot ist verbesserungsbedürftig. „Aufgrund unsrer knappen Personaldecke können wir leider nur schnell und oberflächlich Auskünfte geben, da sonst Routinearbeiten wie Ausleihtätigkeiten oder Kontrolle auf der Strecke bleiben.“ Über die Errichtung einer Auskunftstheke ist deshalb nachzudenken. Wichtigster Kooperationspartner der Bücherei sind Schulen und Kindergärten. Wie schon vor 24 Jahren mit dem KHG, strebt die Bücherei eine schriftliche Kooperationsvereinbarung auch mit den anderen Schulen an, um besser gemeinsame Projekte planen zu können. Mit Führungen, Ralleys und Bücherkisten gelingt es dem Bibliotheksteam bei Kindern die Freude am Lesen zu wecken. Nun soll das Konzept in den Fraktionen beraten werden, um dann zu entscheiden, „was wir langfristig mit Kurzmitteln tun können“, so Bürgermeister Christoph Göbel. Dabei sei eine Diebstahlsicherung einfacher zu realisieren als eine Geschoßverdoppelung, meint der Rathauschef. In der nächsten Sitzung soll dann über die Umsetzung erster Maßnahmen diskutiert werden.

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