kleine Seejungfrau

Ein Wahrzeichen kehrt zurück

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Seefeld/Pilsensee – Bei strömendem Regen waren rund einhundert interessierte Bürger zur Kreuzung nach Widdersberg gekommen, um dabei zu sein, wenn das restaurierte Kunstwerk des Münchners Erich Hoffmann enthüllt wurde.

Das Wetter jedoch war ideal, fand die Präsidentin des Club Fünfseenland, Catrin Felkel, am Sonntag, denn „eine Seejungfrau will ja schließlich schwimmen“. Als Landrat Karl Roth noch bei der Polizei arbeitete, war die Statue eine feste Instanz am Pilsensee. „Wenn wir irgendwo zu einem Unfall gerufen wurden, sprach man von 'vor oder nach der Meerjungfrau', nicht vor der Abzweigung nach Widdersberg“, schilderte Roth die Vergangenheit. Seit 1963 hatte sie den Menschen den Weg gewiesen und war für viele eine selbstverständlicher Anblick am Pilsensee. Mit den Bauarbeiten an der Kreuzung 2012 war die Nixe dann plötzlich nicht mehr da, erinnerte sich der Landrat bei seiner Rede. Daraufhin rannten viele Bürger der Gemeinde Seefeld die Türen ein: Sie wollten ihre „kleine Seejungfrau“ zurück, die der Münchner Künstler Erich Hoffmann einst just für diese Stelle in die Landschaft hinein komponiert und aus Stein gemeißelt hatte. Die Gemeinde war ganz bei den Bürgern, aber es sollte sich herausstellen, dass das Wiederaufstellen gar nicht so einfach war. Die Frage ging durch den Gemeinderat: „Wem gehört sie eigentlich?“, erzählte Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum bei der Zeremonie. Vorübergehend wurde das Wahrzeichen der Kreuzung im Bauhof deponiert, wo sie verschmutzt und beschädigt der Seefelderin Rita Wastian auffiel. Sie wandte sich an die „Soroptimisten Fünfseenland“. „Das passte wunderbar in unser Anliegen, mehr kulturelle Projekte zu unterstützen“, freute sich damals Club Präsidentin Catrin Felkel. Im Januar fand eine Benefizveranstaltung für die Restauration statt, die rund 2.000 Euro in die Kassen der Clubdamen spülte. Der Seefelder Steinmetz Thomas Hölzl fertigte einen Sockel an, ersetzte die abgebrochene Hand der Jungfrau und restaurierte das gute Stück. Unterdessen war auch klar, dass die Jungfrau dem Freistaat gehört und die Gemeinde gab die Skulptur frei. „Wir freuen uns, dass unsere Arielle wieder aufgebaut ist und hoffen, dass sie uns noch viele Jahre erhalten bleibt“, bekräftige Gum seine Unterstützung. Bei der Eröffnung anwesend war auch die Witwe des Erschaffers Sigrid Hoffmann und versicherte: „Mein Mann wäre sehr glücklich, wenn er das erleben dürfte.“ Pfarrerin Dagmar Knecht segnete das Kunstwerk schließlich. Die Seejungfrau stehe für das kulturelle Leben und ihr mutiges Vorgehen auf der Suche nach der Unsterblichkeit diene als Vorbild für die Frauen. „Lieber Gott, halte schützend Deine Hand über sie und bewahre sie vor Beschädigung“ – und die alle Gekommenen stimmten in das gemeinsame Gebet ein und hofften inständig, dass die Jungfrau am Pilsensee jetzt hier ihre letzte Bleibe gefunden hat. mk

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