Klimamanagerin fordert Umdenken

Klimabilanz: Weßlings Unternehmen verbrauchen zu viel Strom

Klimabilanz Weßling
+
Bergs Windräder generieren einen Großteil des verbrauchten Stroms in der Kommune – und damit hat die Gemeinde am Starnberger See in Sachen erneuerbarer Energie die Nase vorn.

Weßling -  In Sachen Stromverbrauch sah es in Weßling 2018 nicht so gut aus: Im Durchschnitt übertrafen die Bürger den Pro-Kopf-Verbrauch der Bewohner aller anderer Landkreiskommunen. Das liegt allerdings nicht an den Privathaushalten, sondern an den Unternehmen im Gewerbegebiet und am Forschungszentrum DLR. Ganz deutlich zeigte das der Energiebericht, den Klimaschutzbeauftragte Josefine Anderer vergangene Woche dem Ausschuss für Umwelt, Klima, Energie und Mobilität vorstellte. Was in der Gemeinde im Bereich Klima, Mobilität und Umwelt getan oder nicht getan wurde, berichteten die jeweils zuständigen Referenten im Anschluss.

Der mit Weßling beschriftete Balken in der Statistik überragte mit einem jährlichen Stromverbrauch von 10.194 Kilowattstunden pro Bürger die anderen Landkreisgemeinden. Wie jedes Jahr eben - und wie jedes Jahr relativierte Bürgermeister Michael Sturm sofort: „Die privaten Haushalte liegen bei uns im Landkreisdurchschnitt.“ Denn der Löwenanteil des Stroms verbrauchten die Unternehmen und das Forschungszentrum. Das wäre halb so wild, würde die Energie vornehmlich mit erneuerbaren Quellen generiert. Mit einem regenerativen Anteil von 3,4 Prozent fiel dieser Wert allerdings recht dürftig aus. „Die Unternehmer werden noch zu wenig genötigt“, fand die Klimamanagerin und forderte die Gemeinderäte auf, sich bei den Betrieben für PV-Anlagen auf deren Dächern stark zu machen. Mit Verweis auf die Gemeinde Berg, die mit Hilfe der Windräder 105 Prozent des Jahresstroms produzierten, prognostizierte Anderer: „Wind und Sonne ergänzen sich gut und ich denke, mittelfristig kommt keine Region an Windrädern vorbei“. Denn der Strombedarf werde mit der E-Mobilität und Wärmepumpen ansteigen. Und sie kritisierte die Gemeinde mit dem S-Bahnanschluss für „den Trend zu mehr Kfz pro Einwohner“. Genau genommen besitzen pro 1000 Einwohnern 864 ein Fahrzeug, was den Landkreisdurchschnitt um knapp 100 übertrifft.

Die Ausführungen lieferten Klimareferent Sebastian Grünwald (Grüne) genügend Gründe, sich in seinem Bericht von seiner Kommune mehr Engagement zu wünschen. Er hatte unter anderem die beschlossenen Maßnahmen im Rahmen vom Klimapakt unter die Lupe genommen. Das Energiemanagement für kommunale Gebäude sei „teilweise eingeschlafen“ – und vom Leitfaden „Energieeffizienz in der Bauleitplanung“ hätten die Mitarbeiterinnen im Bauamt noch nie was gehört. Sturm reagierte sofort: „Die Mitarbeiterinnen sind erst sechs Wochen in der Verwaltung.“ Der Referent erteilte aber auch Fleißsternchen: Für die beschlossene Stelle des Klimaschutzbeauftragen, für die Energiesparlampen in der Straßenbeleuchtung, für die Solarkampagne 2019 oder für die geplante PV-Anlage auf der renaturierten Kiesgrube zwischen Oberpfaffenhofen und Unterbrunn. „Die bringt eine Verdoppelung der gemeindlichen erneuerbaren Energie in der Gemeinde“, freute er sich. 

Der Referent für Mobilität, Gerhard Hippmann (Grüne), gestaltete seinen Jahresrückblick kurz und knackig. Als Highlight strich er die Fahrradstraße zwischen dem Sportplatz am Meilinger Weg und dem Bahnhof hervor. Demgegenüber schreite das angedachte Carsharing eher schleppend voran. Lob bekam die Verwaltung oder besser den Bauhof, der zuverlässig alle von ihm gemeldeten Mängel auf Straßen und Wegen schnellstmöglich beseitigte. Umweltreferent Peter Weiß war dankbar für die nicht gefällte Buche, die im Stocket „ein wunderbarere Spechtraum und Lebensraum für viele Pilze“ biete. Ebenfalls erfreulich entwickele sich das „erschaffene Trittsteinbiotop“ an der Breiten Eiche, wo ein Eichenwäldchen als Oase für Insekten und Tiere heranwächst. Den „aufgrund vom Coronadruck“ entstandenen Trampelpfade sollte man mit Informationsschildern begegnen, schlug er vor.  

 Michèle Kirner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Cafékonzept soll Starnberg jugendfreundlicher machen
Starnberg
Cafékonzept soll Starnberg jugendfreundlicher machen
Cafékonzept soll Starnberg jugendfreundlicher machen
Gautinger haben einen neuen Skatepark
Starnberg
Gautinger haben einen neuen Skatepark
Gautinger haben einen neuen Skatepark
See-Ramadama am Wörthsee
Starnberg
See-Ramadama am Wörthsee
See-Ramadama am Wörthsee
Volksfeste und Kirchweih - Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger drängt auf rasche Lösung
Starnberg
Volksfeste und Kirchweih - Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger drängt auf rasche Lösung
Volksfeste und Kirchweih - Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger drängt auf rasche Lösung

Kommentare