Kommunalwahlen 2014

Aktion "Mut machen!"

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Weßling – Menschen mit Behinderung scheuen sich meist davor, ein öffentliches Ehrenamt anzustreben. Nicht so Claus Angerbauer, der vor 22 Jahren erblindete und der 2008 ins Ratsgremium Weßling gewählt wurde.

Sein Appell im Rahmen der Listenaufstellung 2014: „Mut machen!“ „Im Sommer 2007 wurde ich ihm Rahmen einer Veranstaltung gefragt, auf der Liste SPD und Freie für den Gemeinderat in Weßling zu kandidieren“, erzählt Claus Angerbauer. „Nachdem ich dies kurz mit meiner Frau besprochen hatte, sagte ich zu und wurde tatsächlich im März 2008 ins Ratsgremium gewählt. Spätestens da wurde mir klar, welch’ große Herausforderung dies für mich als Mensch ohne Sehvermögen bedeuten wird.“ Angesichts der Tatsache, dass ein blinder Gemeinderat trotz vieler Integrationsversuche nach wie vor ungewöhnlich ist, rechnete Angerbauer auch mit der Skepsis in Teilen der Bevölkerung. „Meine Arbeit würde sicher mit Argusaugen betrachtet werden, dachte ich mir und ich werde wohl keinen Fehler machen dürfen, der mit meinen Handicap in Zusammenhang steht. Kurzum, ich betrat absolutes Neuland und es gab keine Erfahrungswerte, für niemanden.“ Erste Befürchtungen haben sich als völlig unbegründet herausgestellt, freut sich der vor 22 Jahren erblindete Berufs-Musiker. Die Kommune finanzierte ihm eine Schreibmaschine für Blinde, ein Vorlese- und ein Diktiergerät, mit denen Angerbauer weitgehend die Akten und Sitzungsunterlagen, die er sich bereits im Vorfeld besorgt, studieren kann. „Voraussetzung ist, dass ich mich akribisch und umfassend auf die komplexen Sachthemen einlasse und im Zweifelsfall weitere Informationen einhole.“ Da ihm seitens der Verwaltung und Ratskollegen vorurteilsfrei begegnet werde und er auch die notwendige Unterstützung erhalte, „macht mir das Ehrenamt und meine Tätigkeit als Jugendreferent einen riesigen Spaß. Auch wenn es eine immense Herausforderung für mich war“. Diese positive Erfahrung habe ihm zu der Aktion „Mut machen“, motiviert, betont der 56-Jährige. Seit Mai ruft er dazu in den jeweiligen Fachgremien und Arbeitskreisen auf, Mitbürger mit Handicap anzusprechen und sie anlässlich der Kommunalwahl 2014 zu einer Kandidatur zu bewegen. „Ich denke nicht, dass die Wahl eines Behinderten in den Weßlinger Gemeinderat ein einmaliger Betriebsunfall bleiben soll. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass wir alle zusammen, Verwaltung wie auch Bevölkerung, bewiesen haben, dass wir mit dieser Pionierarbeit einen richtigen Schritt in Richtung Integration und Inklusion getan haben.“ Angerbauer hat sich übrigens erneut für den Gemeinderat anlässlich der Kommunalwahl 2014 aufstellen lassen. Polly Polster

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