Lösung scheint nicht in Sicht

Kontroverse Veranstaltung in Wartaweil mit Naturschützern und Landwirten zur Artenvielfalt

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Im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil diskutierten Naturschützer, Fachleute und Landwirte über Artenvielfalt.

Wartaweil – Hinter das Volksbegehren „Artenvielfalt“ stellte sich ganz besonders im Landkreis Starnberg eine überwältigende Mehrheit. Momentan sitzen in Bayern Befürworter und Kritiker des Volksbegehrens an einem Runden Tisch zusammen – und lange bevor die Menschen sich mit ihrer Unterschrift für Artenvielfalt aussprachen, hatte der Bund Naturschutz im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil zu einem Landwirtschaftstag geladen.

Unter dem Arbeitstitel „Artenvielfalt in der Landwirtschaft – Wie kann es gelingen?“ sprachen am Samstag ein Biologe, ein Bio-Landwirt und ein Wildlebensraumberater. Aber auch konventionell arbeitende Landwirte wie Kreisobmann Georg Zankl kamen zu Wort. Denn diese Landwirte sollten auch ihre Sicht der Dinge präsentieren, betonte Dr. Helene Falk vom Bund Naturschutz der Kreisgruppe Starnberg – zu einer gemeinsamen abschließenden Stellungnahme „Wie kann das gelingen“ konnten sich Landwirte und Naturschützer allerdings nicht durchringen. Zumindest nicht sofort. Die Antwort werde in Form einer Pressemitteilung nachgereicht, versprach sie. Der erste Teil war eher „kontrovers“, so Dr. Falk. Denn in ihrem Redebeitrag sahen sich die Landwirte als Sündenböcke hingestellt.

Besser heute als morgen reagieren

„Wir Landwirte waren schon immer umweltbewusst“, wehrte sich Zankl gegen anderslautende Stimmen. Er forderte, dass die Gesetze neu überdacht werden. Vor allem seitens der EU, von der der Kreisobmann mehr Förderung der Regionalität forderte. Der den Landwirten nachfolgende Multivisionsvortrag von Roland Günter führte den rund 100 Zuschauern die Notwendigkeit vor Augen, besser heute als morgen zu reagieren. Anhand von Lebewesen an einer Margarite zeichnete der Biologe eindrücklich die Auswirkungen des Artensterbens nach. „In 100 Jahren sind alle Insekten weg“, fasste Dr. Falk den Vortrag zusammen. Wie Wiesen ihre Blüte zurückgewinnen, beschrieb Bio-Landwirt Norbert Grenzebach. Auf seinem Biohof werden die Milchkühe noch auf die Weide getrieben – und fressen sich gemeinsam mit Bienen, Schmetterlingen und Co. an einem Blütenmeer satt. Als er vor 35 Jahren den Hof übernahm, gab es auf den 52 Hektar Grünland keine Blühflächen mehr, sagte der Hochstadter. Also säte er in einigen Bereichen Blühsamen aus. „Erst hat sich gar nix gerührt“, erinnerte sich Grenzebach. Plötzlich „ist es doch explodiert“. Geduld sei gefragt. „Was die Milchkühe fressen und scheißen ist die Düngung.“ Staatsmittel nehme er nicht in Anspruch. 

Fördergelder für neue Flächen

Finanzielle Unterstützung für die biologisch arbeitenden Bauern gebe es allerdings reichlich, sagte Dominik Fehringer. So viele, dass der Wildlebensraumberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in seiner ihm vorgegebenen Redezeit in geradezu schwindelerregendem Tempo durch die Fördermöglichkeiten aus dem Topf vom sogenannten KULAP jagte. 600 Euro pro Hektar für Blühwiesen, 8 Euro für jeden gepflanzten Obstbaum sowie geförderte Hecken als Rückzugsraum für Lebewesen. Alles schön und gut, fand eine Zuhörerin und kritisierte, dass sich der Verpflichtungszeitraum auf fünf Jahre beschränkt. Eine Begründung bekam sie nicht. Nur so viel, dass der Boden in dieser Zeit wertvoller geworden sei. Und man natürlich für neue Flächen Fördergelder bekäme. Grenzebach und Fehringer zeigten das "Wie" auf, Günter das "Warum". Dazwischen standen die konventionell arbeitenden Landwirte. 

Das Fazit des Tages: Viele Redner, viele Ansätze, keine abschließende Lösung. Nichtsdestotrotz waren sowohl Zankl als auch Dr. Falk am Ende der Veranstaltung guter Hoffnung, dass eine praktikable Lösung im Sinne aller gefunden werden könne.

Von Michele Kirner

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