Große Sorgen um wirtschaftliche Entwicklung

Konzept „Zukunftsfitte Innenstadt“ soll schleichenden Tod des Starnberger Einzelhandels retten

Dem Starnberger Einzelhandel drohen düstere Zeiten. Ein Konzept soll ein umfassendes Ladensterben verhindern (Symbolbild).
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Dem Starnberger Einzelhandel drohen düstere Zeiten. Ein Konzept soll ein umfassendes Ladensterben verhindern (Symbolbild).

Starnberg - Schon vor dem Lockdown und der dadurch bedingten Innenstadt-Tristesse hatte der lokale Einzelhandel unübersehbare Probleme, die auch das bisherige Stadtmarketing nicht in den Griff bekam – der Leerstand in der Starnberger City wächst. Mit dem Konzept „Zukunftsfitte Innenstadt“ soll sich nun eine externe Beratungsfirma des zunehmend Sorgen bereitenden Themas annehmen.

In der Beschlussvorlage, für die der Bauausschuss jetzt einhellig grünes Licht gegeben hat, geht es erklärtermaßen darum, „die Innenstadt als Wirtschafts-, Sozial-, Lebens- und Erholungsraum langfristig zu stärken und zu sichern“. Man will durch Beteiligungsformen wie zum Beispiel einen – derzeit nur virtuellen – Stammtisch Einzelhändler, Stadträte, Verwaltung und interessierte Bürger kontinuierlich an einen Tisch bringen und so eine möglichst breite Akzeptanz erreichen. 

„Kommunikation verbessern“

Die FDP-Stadträtin Anke Henniger, die zusammen mit ihren Wirtschaftsreferatskollegen Rudi Zirngibl (CSU) und Stefan Kandler (BMS), den Stammtisch gegründet hat und bereits von einem ersten virtuellen Treffen mit „26 Teilnehmern aus unterschiedlichen Branchen“ berichten konnte, will insbesondere die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Einzelhandel verbessern: Sie sei froh, das mit dem Stammtisch gemacht zu haben, so Henniger,  „die große Teilnehmerzahl zeigt mir, dass wir einen Nerv getroffen haben.“ Laut der FDP-Stadträtin gebe es aktuelle Einschätzungen, wonach angeblich jeder zweite Einzelhändler darüber nachdenke aufzugeben. Sie wünsche sich jenseits der Bemühungen der „gwt“ (Gesellschaft zur Wirtschafts- und Tourismusförderung im Landkreis), einen fest angestellten Standortförderer in Diensten der Stadt.

Es scheint in der Tat „höchste Eisenbahn“ zu sein für den Starnberger Einzelhandel: Rein optisch nimmt der Leerstand in den Straßen der Innenstadt schon seit geraumer Zeit zu, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Die Eigentümer bzw. die Verwaltung der „Seearkaden“ nehmen einen solchen Leerstand, wie er seit dem Auszug des „Enjoy“ zu besichtigen ist, offenbar mehr oder weniger achselzuckend hin, und der Kreissparkasse als Eigentümer des sogenannten „Portobello“-Gebäudes ist der Oleander-Wildwuchs beim derzeit geschlossenen Kino (Ludwigstraße) augenscheinlich nicht mal eine pflegerische Maßnahme wert.

An der Bahnhofzeile stehen die Räumlichkeiten des ehemaligen Burger-Lokals schon länger ohne Pächter da. In der Maximilianstraße wiederum sind die Fensterscheiben eines Straßencafés seit dem Spätsommer mit Papier zugeklebt - der zweite Lockdown kam ausgerechnet in dem Moment, als ein Nachfolge-Geschäft dort aufmachen wollte. Die Gastronomie in diesem Bereich leidet genauso, und weitere Einzelhändler in der Starnberger City haben entweder schon dicht gemacht oder sie stehen kurz davor. Und als ob das noch nicht reichen würde, musste der „Bayerische Hof“ mitsamt dem „Café Prinzregent“ und der höchst beliebten griechischen „Taverna“ Ende 2020 aus Sicherheitsgründen für unabsehbare Zeit schließen. Die Kreisstadt droht allmählich, zu einer Geisterstadt zu verkommen – und das hat nichts mit der Pandemie zu tun, sondern mit kommunikativen Versäumnissen und einem anhaltend hohen Pacht-Niveau.

Thomas Lochte

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