Archäologische Ausgrabung in Wörthsee

Kostbare "Schätze" vom Taubenweg wechseln Besitzer

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Das Landesamt für Denkmalpflege in Bayern freut sich über ein paar schöne archäologische Funde, die bei Ausgrabungen im Bereich Wörthsee freigelegt wurden.

Wörthsee – Der Steinebacher Boden ist stiller Zeitzeuge alter Kulturen. Anlässlich des geplanten Baus zweier Doppelhäuser am Taubenweg wurde der verborgene Reichtum des heimischen Untergrundes jetzt einmal mehr deutlich. Die mit den Grabungen betreute Ickinger Firma Farch Archäologie beförderte im Zeitraum April bis Mai 2020 ganze 94 Befunde ans Tageslicht.

Der bearbeitete Grund am Taubenweg gilt als Bodendenkmal. Während der mittleren bis späten Latènezeit (250-40 v.Chr.) siedelten die Kelten in Steinebach. „Eine keltische Großsiedlung, über den Taubenweg hinaus, fast ganz Steinebach“, erklärt Archäologin Patricia Costache, die mitsamt fünf weiteren Kollegen die Grabungen am Taubenweg durchführte. Nach Abzug der oberen Bodenschichten wurde das Team ab einem halben Meter Tiefe schnell fündig im lehmig-kiesigem Untergrund. „Metall und organische Funde wie Bernstein kommen in die Restaurierungswerkstatt“, so Costache. 

Die Artefakte werden geröntgt, um mehr Einblicke zu gewinnen. Mutmaßlich stammen die meisten Funde aus sogenannten Grubenhäusern, in denen die Kelten nicht wohnten. Die überdachten Gruben in einer Größenordnung von rund zwei mal drei Metern dienten als Nebengebäude und wurde als Werkstätten genutzt. Die von den Kelten bewohnten Holzhäuser sind längst verwittert und liefern heute kaum noch brauchbares Material für die Archäologen. Zwei Frühlingsmonate lang war die Firma Farch mit Kellen, Schaufeln und Pinseln am Taubenweg zu Gange. 

„Der Bauherr hat uns einen Minibagger zur Verfügung gestellt“, so Costache. Die ans Tageslicht beförderten Funde bezeugen eine ausgezeichnete Manufaktur. „Sehr schön. Die hatten eine sehr schöne Kunstfertigkeit drauf“, sagt Costache und schwärmt von ihren Lieblingsfund, der Certosa-Fibel. Wunderbar erhalten sei die bronzene Brosche, die bereits zur Latène-Zeit als Antiquität gegolten haben muss. Die am Taubenweg aufgefundene Certosa-Fibel wurde mutmaßlich schon 450-360 v.Chr. hergestellt. Erstmals entdeckt wurde die schlichte Broschenform in italienischen Ort Certosa. 

„Das ist recht spannend, da hat man eine Frage vor sich“, sagt Costache wird kriminalistisch: „Wurde die Brosche vererbt oder hat man es mit einem Raub zu tun ?“ Einen Beweis für erstaunliches Kunstgeschick liefert auch das marineblaue Fragment eines verzierten Glasarmrings. „Mit Glas wurde schon viel früher experimentiert“, weiß die Archäologin. Offenbar erhitzten die Kelten dafür Sand und schwangen ihn anschließend am Stab. 

Während die am Taubenweg gefundene „Augenperle“ den oft spiralförmig verzierten Schmucktrend der Kelten deutlich macht, geben die Grubenhäuser auch zahlreiche organische Funde preis. Knochen von Schweinen und Rindern wurden ebenso aufgefunden wie Gebeine von Schafen, Ziegen und Hunden sowie Wolfskiefer. Die Funde gehen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu.

Von Nilda Höhlein

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