Kostenexplosion bei Jugendhaus

Kostenexplosion: Die Sanierungskosten für das künftige Jugendhaus fallen deutlich höher aus, als ursprünglich berechnet. Nun hofft die Gemeinde auf Fördermittel – auch, um das Versprechen einzuhalten, das man den Jugendlichen einmal gegeben hat Foto: Puls

Deutlich mehr Geld muss die Gemeinde für die Sanierung der alten Villa an den Bahngleisen in die Hand nehmen – wenn sie ihr Versprechen halten und den Herrschinger Jugendlichen eine neue, dauerhafte Bleibe schaffen möchte. So viel vorweg: Die Kommune hält, was sie im Frühjahr versprochen hat. Doch die ursprünglich veranschlagten 200.000 Euro für die Renovierung haben sich nahezu verdreifacht, wie der Gemeinderat nach der Sommerpause erfahren musste.

Etwa 540.000 Euro brutto kostet nach der jüngsten Veranschlagung von Verwaltung und Architekt Walter Koziol Sanierung und Umbau des Gebäudes an der Bader Straße 25. Wie kam es zu der Kostenmehrung? Koziol rechnete vor, dass allein auf die Bauaufsicht durch einen Bahnmitarbeiter – schließlich sind es nur ein paar Meter zum Gleiskörper – rund 17.000 Euro entfallen werden. Auch die Beseitigung der Wasserschäden in dem historischen Gebäude, die nicht vollständig von der Versicherung gedeckt waren, erhöhen die Kosten. Die energetische Sanierung samt Pelletsheizung und der barrierefreie Ausbau des Erdgeschoßes verteuern ebenfalls. Für diese Maßnahmen gibt’s allerdings Zuschüsse. Laut Bauamtsleiter Guido Finster fördere der Kreisjugendring das Projekt mit bis zu 30 Prozent (Maximum), weiter gebe es Geld für die Klimaschutzmaßnahmen. Bei Letzteren sei ihm allerdings nicht klar, ob diese 2011 für wieder gezahlt würden. „Das wissen wir erst, wenn wir einen Förderantrag stellen“, sagte Finster. Und dafür müsse Herrsching entsprechende Pläne vorlegen. Geteilte Meinung im Gemeinderat: Willi Welte (FBU) etwa regte an, das Gremium solle sich doch darüber Gedanken machen, ob ein Abriss samt Neubau an gleicher Stelle nicht günstiger wäre. „Bauschmerzen mit den Kosten“ hatte auch Fraktionskollege Martin Singer. „Wir sollten das Gebäude wegreißen und dort was Vernünftiges machen.“ Unterstützung bekamen beide von Wolfgang Schneider (SPD). „Eine Sanierung ist doch ein Fass ohne Boden“, befand dieser. Genauso wie Welte verlangte Schneider eine Kostenermittlung. Dagegen warnte Mia Schmidt (parteilos) vor einem Abriss: „Wir werden einen Neubau an dieser Stelle nicht mehr hinbekommen.“ Neben den baurechtlichen Auflagen, die einem Neubau entgegen stünden, sei das Anwesen außerdem in gutem Zustand. Noch deutlicher formulierte Rathaus-Vize und Grünen-Gemeinderat Hans-Jürgen Böckelmann seine Ablehnung eines Neubaus: „Das Gebäude gehört zum Ortsbild, ein Neubau wird dann nur wieder so ein seelenloses Zweckgebäude.“ Und Anke Stobl (BGH/FW) erinnerte den Gemeinderat an die Jungbürgerversammlung im Frühjahr, bei der die Jugendlichen ihre Mitarbeit bei der Renovierung ihres künftigen Domizils angekündigt hatten. Der Sanierung des Gebäudes samt allen umwelttechnischen Nachrüstungen verweigerten lediglich vier Gemeinderäte ihre Zustimmung. Das heißt, dass der Anteil Herrschings nach Abzug aller maximalen Förderungen sich auf knapp unter 250.000 Euro belaufen wird. Als nächstes wird die Verwaltung die Förderanträge stellen. Liegen diese vor, wird der Gemeinderat erneut beraten. Derweil müssen sich Herrschings Jugendliche noch ein wenig in Geduld üben, bevor sie ihre handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen können.

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