Krailling: Schwiegermutter-Terror provoziert Diplomingenieur zu Tätlichkeit

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Krailling - „Klingt nach Psychoterror“, befand Amtsrichterin Christine Conrad, als ein wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagter Diplom-Ingenieur aus Krailling ihr die Umstände geschildert hatte, unter denen er gegenüber der Schwiegermutter tätlich geworden war.

Der 44-Jährige soll die Mutter seiner Ehefrau laut Staatsanwaltschaft im Juli 2016 in der Nähe eines örtlichen Kindergartens angegangen sein – dort hatte sich die Schwiegermutter trotz eines zivilrechtlich erwirkten Kontaktverbots zur Enkelin aufgehalten. „Das hier ist die Sammlung einer ungeheuerlichen Vorgeschichte, die sich seit 2009 in gesteigerter Form hinzieht“, sagte der Beschuldigte und zeigte auf den mit in den Gerichtssaal gebrachten Aktenstapel. "Nächste Stufe Power-Point-Präsentation?", kommentierte Conrad die akribische Vorbereitung des Angeklagten. Der trug nur vor: Schon seit Jahren habe die aus Anatolien stammende Mutter seiner Frau alles Erdenkliche unternommen, um ihn als offenbar ungeliebten Schwiegersohn in Misskredit zu bringen, berichtete der Kraillinger: Bis hin zu einer Strafanzeige wegen Missbrauchs der Enkeltochter habe sich die Großmutter verstiegen, inklusive Einschaltung des Jugendamts. Die Anschuldigungen seien vollkommen absurd gewesen und mit Hilfe eines eindeutigen Gutachtens widerlegt worden, erzählte der Angeklagte ruhig und besonnen dem Gericht. Auch weil die Großmutter ihre Enkelin einmal ohne Absprache aus dem Kindergarten abgeholt hatte, habe man in der Folge ein Kontaktverbot erwirkt: 200 Meter Mindestabstand, Telefonanrufe seien Oma und Oma nur an Weihnachten und zu Geburtstagen der Tochter erlaubt gewesen. „Doch nach 14 Tagen ging's schon wieder los, sie haben sich nicht daran gehalten“, berichtete der Ingenieur. Als ihn die andere Großmutter, die in der Nähe des Kindergartens wohnt, davon informierte, dass sie Schwiegervater und Schwiegermutter dort gesichtet habe, sei er sofort hingefahren, um diese daran zu erinnern, dass sie die Enkelin gefälligst in Ruhe zu lassen hätten: Dort habe es auf der Straße eine zunächst verbale Auseinandersetzung samt Spuck-Attacke der Schwiegermutter gegeben: „Sie wollte danach weglaufen, und ich habe sie von hinten am Kragen gepackt, aber nicht geschlagen – sie hat sich sofort hingeworfen und nach dem Notarzt gerufen“, so der Angeklagte. Der zufällig des Weges kommende Fahrer eines Obst-Transporters hatte indes noch vom Auto aus beobachtet, „wie der Mann die Frau mit der Linken niederdrückte und mit der Rechten zugeschlagen hat“: Er sei hinzu geeilt und habe den Kraillinger zur Rede gestellt, „dass man keine Frau schlägt“. Der sei darauf gar nicht eingegangen, habe aber sofort die Polizei verständigt. „Das fand ich wiederum gut“, so der Zeuge. Aus den polizeilichen Fotos ging nun nicht unbedingt eindeutig hervor, dass der angebliche Hieb die Schwiegermutter auch getroffen hatte, doch nach versuchter Körperverletzung sah es allemal aus. In einem Rechtsgespräch verständigten sich die Verfahrensbeteiligten auf Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 1.500 Euro. Die vermeintlich misshandelte Schwiegermutter und der Schwiegervater mussten deshalb nicht mehr als Zeugen gehört werden – Richterin Conrad dazu: „Es ist auch Aufgabe des Gerichts, zu befrieden und der Geschädigten hier nicht noch mal die große Bühne zu bieten.“ Den Ingenieur ermahnte sie abschließend: „Man muss sich im Griff haben, auch wenn man sich ärgert.“mps

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