Krebshilfe

Der Mut ist ihr geblieben

Inning – Im Jahr 2002 bewahrheitete sich für Dorotee von Zech die schlimmste Befürchtung: Brustkrebs. In der Anfangsphase der Krankheit beherrschte das Thema den Alltag und die Tischgespräche zu Hause.

„Aber irgendwann kann man das der Familie nicht mehr zumuten“, erzählt die dreifache Mutter – aber das Bedürfnis sich auszutauschen, löste sich nicht einfach so auf, sondern blieb bestehen. Damals machte sie sich auf die Suche nach einer Selbsthilfe-Gruppe im Landkreis. „Ich fand eine in Starnberg, Fürstenfeldbruck und in Gauting, aber keine im näheren Umkreis.“ Statt zu resignieren beschloss sie kurzerhand, eine Gruppe in Inning zu eröffnen. Ihre Freundin Gabriele Kaller, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, stellte ihr für die monatlichen Treffen einen Raum zur Verfügung. Seit zehn Jahren besteht die Ammerseer Krebs-Selbsthilfegruppe Inning – unter dem Dachverband Bayerische Krebsgesellschaft e.V. – nun schon. Schnell stellte sich heraus, wie groß der Bedarf war. „Zum ersten Termin kamen drei Betroffene, beim nächsten waren es schon zehn“, erinnert sich die Inningerin. „Die Gespräche helfen“, weiß die studierte Übersetzerin aus eigener Erfahrung. Diese Erkenntnis bewog sie unter anderem, eine Ausbildung als Mediatorin abzuschließen und sich als Gaststudentin an der Uni in Psychologie einzuschreiben. Die Psyche, davon ist sie überzeugt, spielt bei der Krankheit eine tragende Rolle. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf leitet sie auch die Gruppe. Neben den Gesprächs-Terminen bietet sie laufend interessante Vorträge wie Farb- und Misteltherapie, traditionelle Chinesische Medizin, Wochenend-Seminare und Russische Heilmethoden an. Dem Trend eine Nasenlänge voraus hatte sie als Pionier „Qi-Gong“ nach Inning gebracht. „Vielen hilft das, in ihre Kraft zurückzufinden“, beobachtet sie. Krankheit als Weg? Sie überlegt. „Nein”, sagt sie, aber Krankheit als anderer, veränderter Weg. Sicherlich, sie lebe seither intensiver, gehe das Leben aktiver an. Sie habe sich mit der Krankheit geöffnet, sagt sie, gehe seither mit ihren Problemen aufrichtiger um. „Manchmal denke ich, warum bin ich nicht vorher in die Uni zurück, warum habe ich mich nicht längst geöffnet.“ Aber Hadern und Zaudern ist nicht ihre Art. „Ich habe gelernt, dass ich aus der verfahrensten Situation etwas machen kann. Wichtig ist, dass man nicht an der Vergangenheit hängen bleibt.“ Im Jahr 2005 kehrte der Krebs zu Dorotee von Zech zurück. Seither ist sie allerdings gesund. Die Angst jedoch, gesteht sie, ist geblieben. In der Gruppe findet auch sie Frieden. „Dort geht es mir gut“, sagt sie und schließt den dicken Ordner, in dem sie alle Aktivitäten dokumentiert hat. Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat von 17 bis 19 Uhr im Haus der Nachbarschaftshilfe Inning am Enzenhofer Weg 9; Telefon 0172/960 79 27. Am Mittwoch, 16. Oktober, findet von 17 bis 19 Uhr in den Räumen der Nachbarschaftshilfe der Vortrag „Befreie deine Seele und lass die Liebe fließen…“ statt. Michèle Kirner

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