Kreisstadt hinkt hinterher

„Kinder gehören in die Mitte der Gesellschaft!“ Diese Kardinalforderung des Kinderschutzbundes und seiner bundesweit 55.000 Mitglieder in etwa 550 Orts- und Kreisverbänden gilt natürlich auch im Landkreis Starnberg, doch in die Tat umgesetzt wird sie längst nicht überall: Während viele Gemeinden mit hohem finanziellem Aufwand längst zeitgemäße Einrichtungen und Anlaufstellen zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen geschaffen haben, hinkt Starnberg hinterher.

So muss die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes Starnberg nach Angaben der Leitung „mindestens bis 2011 in einem neun Quadratmeter großen, von Schimmel befallenen Büro“ im Hinterhof der Hauptstraße 13 ihr Dasein fristen. „Ich könnte jedes Mal einen Wutanfall kriegen, wenn ich sehe, wie die Stadt Starnberg für Unsummen Geld ihr Zentrum möblieren will“, sagte die FDP-Kreisvorsitzende Sigrid Friedl-Lausenmeyer beim „Liberalen Forum“. Das Forum gab diesmal in Feldafing dem „Kinderschutzbund Starnberg e.V.“ Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Stadt, so klagen Mitarbeiter, halte sich „völlig raus“ bei der Unterstützung des unabhängigen Vereins, der gerade in Starnberg jede Menge logistische Hilfe gebrauchen könnte: Der Kreis beteiligt sich immerhin mit 51 Prozent an den Aufwendungen für Büro und zwei Halbtagskräfte, die sich schon aus Platzgründen abwechseln müssen – man teilt sich die neun Quadratmeter in Starnberg nämlich auch noch mit der Senioren-Hilfe. „Wir sind auf Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse des Landratsamts, Spenden und Stiftungen angewiesen“, berichtete Sophie Mühlbauer. Zwar sei man in den vergangenen Jahren stark gewachsen auf derzeit 168 Mitglieder, doch die zwei Büro-, fünf Honorarkräfte und das „Heer von ehrenamtlichen, fachlich begleiteten Mitarbeitern“ sieht sich im vermeintlichen „Landkreis der Reichen“ auch einem steigenden Betreuungsbedarf gegenüber. „Es gibt Armut ebenso wie Wohlstandsverwahrlosung“, sagt Diplomsozialpädagogin Diana Beyer. Der Kinderschutzbund reagiert darauf in Starnberg und Herrsching mit einem vernetzten, äußerst vielfältigen und „niederschwelligen Angebot“ an Sprechstunden, Beratung und Begleitung: Familienberatung in akuten Notlagen und Krisen, „begleiteter Umgang“ für Kinder, die beispielsweise Scheidungsszenarien ausgeliefert sind, Erziehungsberatungskurse wie „Starke Eltern – starke Kinder“ oder „Wege aus dem Mediendschungel“ sollen entlastend dazu beitragen, dass die Überfor-derung von Eltern aufhört und die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen nicht abreißt. Zunehmender Bedeutung und Beliebtheit erfreut sich auch das von Sigrid Frank vorgestellte „Schülercoaching“, ein Angebot, das sich zunächst an Schüler der 7. bis 9. Hauptschulklassen richtete, aber auch anderweitig nachgefragt wird, so Beyer: Ehrenamtliche Mitarbeiter des Kinderschutzbundes, zumeist lebens- und berufserfahrene Menschen, helfen Jugendlichen „bei der Bestimmung, Findung und Sicherung des eigenen Platzes in der Gesellschaft und bei der Suche nach geeigneten Praktikums- und Ausbildungsplätzen.“ Beim Liberalen Forum in Feldafing, für das sich sogar die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Renate Will aus Vaterstetten, Zeit nahm, war man sich einig: Was die Gesellschaft an Zuwendung für die junge Generation verabsäumt, muss sie in Form von sozialen Korrekturmaßnahmen bei den späteren Erwachsenen doppelt und dreifach berappen. Geschäftsstelle Starnberg des Kinderschutzbundes: Hauptstraße13, Bürozeiten montags von 9 bis 11 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr; Telefonnummer 08151/979999, Email: info@kinderschutzbund-starnberg.de; in Herrsching („Herrschinger Insel“): Bahnhofstraße 38, Sprechstunden jeden ersten und dritten Montag im Monat von 10 bis 12 Uhr.

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