Sanierung statt Abriss

Kühnes Konzept - Helmut Rauscher legt Konzept zur Rettung des Bayerischen Hofes in Starnberg vor

Bayerischer Hof Starnberg
+
Der ehemalige Kreisbaumeister Helmut Rauscher hat ein kühnes Konzept zur Rettung des Bayerischen Hofes in Starnberg vorgelegt. Es sieht unter anderem eine Erweiterung des bestehenden Hotels vor.

Starnberg - Der frühere Kreisbaumeister Helmut Rauscher hat ein Konzept zur Rettung des „Bayerischen Hof“ erarbeitet, das auch städtebaulichen Ansprüchen gerecht würde und durch Erweiterung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes sogar die Frage nach einer zukunftsfähigen Bewirtschaftung beantworten könnte. Der im Eigentum der Stadt stehende, 155 Jahre alte Bau musste kurz vor Weihnachten wegen akuter statischer und anderer Mängel geschlossen werden, in der Starnberger Öffentlichkeit besteht seither große Sorge, dass einem der historischen prägenden Gebäude der Abriss droht.

Bürgermeister Patrick Janik, dem Rauschers Entwurf bereits vor zwei Wochen zugeleitet worden war, sagte in einer ersten Stellungnahme, man wolle „bis Mitte des Jahres“ die Überlegungen der Stadt zum Rauscher-Konzept und auch zu weiteren Ideen den „Bayerischen Hof“ betreffend vorlegen: „Dann müssen wir die Sache recht zügig umsetzen“, so Janik, er habe kein Interesse an einem langen Leerstand des Gebäudes. Rauschers mit etlichen Planskizzen garnierte Vorschläge stehen unter der Überschrift „Sanierung, Hotelerweiterung und Erweiterung der Volkshochschule“, womit zugleich der über den „Bayerischen Hof“ hinausgehende planerische Umgriff definiert wird.

Ein Abbruch des Gebäudes wäre „für die Stadt ein empfindlicher Originalitätsverlust“, schreibt der ehemalige Kreisbaumeister begleitend. Schon während seiner Amtszeit hatte sich Rauscher mit der Thematik zu befassen – er gelangte wohl schon damals zu der Überzeugung, dass eine Sanierung ohne einen kompensierenden Erweiterungsbau „aus wirtschaftlicher Sicht nicht vertretbar“ wäre. Rauschers durchaus kühner Entwurf sieht eine Fassadenseite mit zentralem Eingangsbereich vor, der den Bestandsbau, die benachbarte alte Oberschule (heutige Volkshochschule) sowie den hinter diesen beiden historischen Gebäuden zu situierenden Erweiterungsbau des „Bayerischen Hofs“ geradezu ensembleartig definiert. 

Im Erdgeschoss des Eingangsbereich kann Rauscher sich Hotelhalle mit Bar, Rezeption, Läden sowie Tagungs-räume mit Lichthof vorstellen. Der sanierte „Bayerische Hof“ könnte wie bisher ein Café, aber künftig sogar zwei Restaurants beherbergen, von denen eines im vierten Stock läge und eine Terrasse mit herrlichem Blick auf den See und die Alpen böte. Im Neubau ließen sich gemäß Entwurf zusätzlich zu den 30 Hotelzimmern eines dann sanierten Altbaus (mit Außentreppe, Lift, neuer Küche und komplett neuem Dachgeschoss) nochmals 80 Hotelzimmer unterbringen. Im südlichen Gebäudeteil würden für die baulich quasi „angeschlossene“ VHS ein großer Saal, ein Foyer und sechs Schulungsräume denkbar. 55 Stellplätze nebst acht für Personal ließe sich auf dem überplanten Areal oberirdischen verwirklichen – von einer Tiefgaragen-Lösung rät Rauscher wegen des See-Tons und der damit zu erwartenden Kosten ab. Bei der alten Oberschule sieht das Konzept den Abbruch von Außentreppe und WC-Anbau an der Westseite vor, das Einziehen einer Zwischendecke im Küchenbereich sowie eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zier-Giebels.

Helmut Rauscher sieht sein Konzept als „Diskussionsbeitrag“: Er bat den 1.Bürgermeister, die Vorschläge an den Stadtrat weiter zu leiten und „geeignete Investoren“ für das Projekt zu suchen – „sofern die Stadt bereit wäre, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen“. Das städtische Bauamt wird sich zunächst wohl damit befassen müssen, ob es bei der (bislang festgeschriebenen) Hotelnutzung bleiben soll. Weitere Vorschläge und auch politische Forderungen von Bürgerseite sind mittlerweile ebenfalls bei der Stadt angekommen. In Frage steht am Ende natürlich auch, ob die Stadt überhaupt Eigentümerin des „Bayerischen Hofs“ bleiben will und kann. Die Diskussion ist jedenfalls eröffnet.

Thomas Lochte

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Starnberg: Datenpanne beim RKI - 7-Tages-Inzidenz steigt von 30 auf über 50
Corona im Landkreis Starnberg: Datenpanne beim RKI - 7-Tages-Inzidenz steigt von 30 auf über 50
Schönes Wetter: Stege an Starnberger- und Ammersee werden gesperrt, Zahl der Infizierten im Landkreis steigt auf 375
Schönes Wetter: Stege an Starnberger- und Ammersee werden gesperrt, Zahl der Infizierten im Landkreis steigt auf 375
GF Global Select HI mit FundAward 2021 in mehreren Kategorien ausgezeichnet
GF Global Select HI mit FundAward 2021 in mehreren Kategorien ausgezeichnet
Altlandrat Heinrich Frey tritt als Vorsitzender des Freundeskreises Klinikum Starnberg zurück
Altlandrat Heinrich Frey tritt als Vorsitzender des Freundeskreises Klinikum Starnberg zurück

Kommentare