Kulturpreis 2017 des Landkreises Starnberg

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Landkreis – Die diesjährigen Träger des Kulturpreises des Landkreises Starnberg in der Kategorie Bildhauerei und Skulpturen stehen fest.

Den Kulturpreis erhält Jozek Nowak, auf dessen Skulpturen man oft im Vorbeifahren am Pöckinger Schmalzhof einen Blick erhaschen kann. Die Starnbergerin Elena Carr wird mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet und Rita Enzinger erhält für ihr langjähriges Engagement bei den „Künstler für Senioren“ den Anerkennungspreis des Landkreises Starnberg. Die Verleihung findet im Herbst im Landratsamt statt. Jozek Nowak wurde 1962 in Polen geboren, ist Absolvent der Bildenden Künste in Krakau und machte dort 1991 sein Diplom. Nowak lebt und arbeitet seit 1994 in Pöcking und ist Gründungsmitglied von sculpture network. Sein Werkstoff ist Holz, doch hat er sich nicht nur diesem natürlichen Material verschrieben, sondern auch der Natur selbst. Nowak arbeitet ausschließlich im Freien - eben in der Natur. Dort erlangen Material und Künstler nicht nur das richtige Licht, sondern fühlt sich Nowak draußen auch mit seinem Werkstoff tief verbunden. Bei der Arbeit in seinem Freiluftatelier ist er umringt von fertigen und begonnenen Skulpturen. 

Nowak arbeitet stets an mehreren Objekten gleichzeitig, um den Blick lebendig zu halten. Er benutzt nur wenige Vorlagen, vielmehr versucht er, die Person vorab durch Gespräche, Beobachtung und Empathie intensiv zu erfassen, so dass er sie bei Beginn der Arbeit schon soweit verinnerlicht hat, dass er nicht mehr auf Vorlagen zurückgreifen muss. Diese Technik habe er sich bereits während seines Studiums in Krakau angeeignet, so Nowak. Mittlerweile sind seine Skulpturen fast ausschließlich aus Pappelholz, wohingegen er früher nur Eiche verwendet hat. Ein Nachteil des Werkstoffes Holz ist allerdings die Haltbarkeit, die bei etwa 30 Jahren liegt. Auftragsarbeiten gießt er daher gerne in Bronze. Als Arbeitswerkzeug benützt der polnische Bildhauer übrigens nur eine Kettensäge und ein Beil. Nowak ist ein international anerkannter Bildhauer, dessen Werke in Polen, China, Italien und Deutschland stehen. Für die Gemeinde Pöcking hat er die österreichische Kaiserin geschaffen: die überlebensgroße Bronze-Skulptur steht vor dem Kaiserin Elisabeth Museum am Bahnhof Possenhofen. Die Jurymitglieder waren von der hohen bildhauerischen Qualität der Werke Nowaks beeindruckt und überzeugt. „Mit Kettensäge und Beil schafft er es ausdrucksstarke Skulpturen aus Holz zu fertigen und ihnen ihren besonderen Charakter zu verleihen“, heißt es in der Kurzbegründung. 

Die junge Starnbergerin Elena Carr hat die Jury mit ihrer Phantasie und ihrem Gestaltungswillen überzeugt. Beides kennt offenbar keine Grenzen und die Jury ist gespannt, was von der Künstlerin noch zu erwarten ist. Carr wurde 1991 geboren und seit 2011 studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste in München bei dem Schweizer Konzeptkünstler Professor Res Ingold. Abschließen wird sie das Studium voraussichtlich noch in diesem Herbst. 2016 hatte sie ein Gaststudium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Professor Judith Huemer in der Klasse „Installationen im öffentlichen Raum“. Elena Carr war mit ihren meist performativen oder installativen Arbeiten an verschiedenen Kunstprojekten in München, Wien sowie auch Athen und Melbourne beteiligt. Eigentlich wollte Carr Bildhauerin werden, absolvierte daher verschiedene Praktika bei Claus Nageler, Cornelia Rapp, Josef Lang und Werner Mally und hat dort begonnen, figürlich zu arbeiten. Gereizt haben sie aber immer interdisziplinäre Projekte und gesellschaftspolitische Fragen. 

Wenn sie ein Thema interessiert, nähert sie sich diesem immer von mehreren Seiten an und arbeitet mit den unterschiedlichsten Kunstformen, wie Installationen, Fotos, Videos, Performance, wie auch Worten in Schrift und Sprache. Dabei greift sie gesellschaftliche Herausforderungen mit sozialen, politischen und ethischen Fragen auf, die sie in räumliche und oft interaktive Arbeiten übersetzt und in verschiedenen Realitätsebenen auftauchen lässt. Mit ihren Projekten und Ideen bringt sie sich immer wieder auch in das Kulturleben des Landkreises ein: sie war mit einer Performance in der ehemaligen Schalterhalle des Starnberger Seebahnhofs (Kulturbahnhof) vertreten und hat mit dem Projekt die Ausstellung „Warum Starnberg? Orte - Menschen - Geschichten“ begleitet. Sie wurde beim monatlich stattfindenden „Kunstwerk des Monats“ im Katharina-von-Bora Haus in Berg mit dem Thema „Schlaf“ präsentiert, hat das Benefizkonzert für Asylbewerber im Pfarrzentrum Starnberg mitorganisiert, war mit Projekten und Installationen beim Festival für Medienkunst im Kreativquartier in München, sowie beim Isarbalkon auf der Corneliusbrücke mit ihren Fahrradkino vertreten und ebenso bei verschiedenen Kunstprojekten in Österreich, England, Griecfhenland und Melbourne. Die Projekte von Elena Carr bedienen nicht die herkömmlichen Marktkriterien, sondern sie beschäftigt sich mit der hochaktuellen Form der sozialen plastischen Arbeit und möchte diese einem breiteren Publikum zugänglich machen. „Vier bildhauerische Praktika sind der Ausgangspunkt für die rasante künstlerische Entwicklung, die Elena Carr über ihre Ausbildung an den Akademien der Bildenden Künste in München und Wien hinweg genommen hat“, so die Jury. Inzwischen entwickele Carr interdisziplinäre Projekte, die ihren Schwerpunkt in Installationen, Performances, Videoarbeiten oder gar in kinetischer Kunst findet. „Egal, ob Fahrradkino oder Schlafkarussell, wir sind uns sicher, dass die Phantasie und der Gestaltungswille dieser jungen Künstlerin keine Grenzen kennen und sie deshalb den Kulturförderpreis erhalten soll.“ 

Rita Enzinger hat 1983 gemeinsam mit anderen Künstlern den Kunstverein „Die Roseninsel“ gegründet. Von 1983 bis 2008 war sie im Vorstand tätig und von 1996 bis 2008 sogar dessen Vorsitzende. Aus diesem Kunstverein heraus ist 1989 die Initiative „Künstler für Senioren“ entstanden, deren Herz und Seele von Beginn an Rita Enziger ist. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Senioren die Kunst ins Haus zu bringen und ist dabei sehr einfallsreich. Mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten wurde begonnen, 1992 gab es dann schon den ersten Skulpturenpark im weitläufigen Gelände des ehemaligen Kreisaltenheims Garatshausen. Im Jahr 1993 wurde das Aufgabenspektrum dann erweitert und zu den „Künstler für Senioren“ sind die „Schüler für Senioren“ gekommen. Rita Enzinger hat sich dafür eingesetzt, dass auch Schüler in künstlerischer Weise (mit Kunstgestaltung, Theater und Konzerten) mit den Senioren in Kontakt kommen. Es folgten weitere Projekte wie „Senioren für Senioren“ und „Behinderte für Senioren“. Rita Enzinger ist und war es immer wichtig, alle zusammenzubringen und niemanden auszuschließen. Seit es die Initiative „Künstler für Senioren“ gibt, werden für die Bewohner und Gäste des einstigen Kreisaltenheimes Garatshausen - mittlerweile BRK Schloss Garatshausen Pflegen und Wohnen - ehrenamtlich Ausstellungen, Skulpturen im Park, Wettbewerbe, Konzerte, Schüleraufführungen, Lesungen, Singkreis und viele mehr geboten. In den 27 Jahren haben über 100 größere Veranstaltungen stattgefunden, darunter 14 Skulpturenprojekte. Bereits 1999 hat das Sozialministerium die Initiative mit dem Kommentar „Entwicklung einer neuen Seniorenkultur und neuer Sichtweisen des aktiv gelebten Lebens im so genannten dritten Lebensjahr“ ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt von Veranstaltungen und die Aufgeschlossenheit gegenüber jeglichen anderen Institutionen. 

Die Initiative arbeitet mit dem BRK-Kreisverband zusammen sowie mit Künstlern, mit Schulen und Musikschulen und mit anderen Kunstvereinen. Zum Netzwerk gehören auch Chöre, Theatergruppen, Behindertengruppierungen und auch Senioren der Arbeiterwohlfahrt und des Rummelsberger Stifts. Bemerkenswert ist bei Rita Enzinger der große persönliche Einsatz. So ist sie ständig auf der Suche nach neuen Ideen, begeistert andere für ihre Anliegen und betrachtet dabei nie nur eine Seite. Durch ihren unermüdlichen Einsatz ermöglichst sie Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben, die auf andere Weise dieses Ereignis nicht mehr wahrnehmen können. Enzinger hat durch ihr Engagement in Garatshausen einen Kulturraum geschaffen, der von Menschen gerne angenommen wird, die sonst vielleicht nicht den Weg ins dortige Altenheim finden würden. 

Die Jury trat vergangene Woche zur Vergabe der Kulturpreise zusammen. Mit dabei auch Fachjuroren, die sich schon im Vorfeld intensiv mit den eingereichten Vorschlägen und Bewerbungen befasst haben und zwar: Barbara Haubold (Geschäftsführerin Galerie InterArt GmbH, Repräsentantin Van Ham Kunstauktionen, Kunstvermittlung und bei der mediantis GmbH/Tutzing verantwortlich für die Vergabe des Kunstpreises „Phönix“), Barbara Ruetz (Inhaberin der Galerie an der Pinakothek der Moderne München), Hubert Huber (Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern, Kurator und Leitung „Bier und Kunst“ Andechs, Künstler) und Ernst Grünwald (Künstler, Bildhauer aus Ammerland). Zur Diskussion standen 22 Bewerbungen und Vorschläge. Die Kulturpreise werden seit 2002 jährlich in wechselnden Kategorien vergeben. Bisherige Preisträger im Bereich Bildhauerei und Skulpturen: Kulturpreise: Max Wagner (2003) und Karlheinz Hoffmann (2010). Kulturförderpreise: Ulrich Schweiger (2003) und Eva Zennetti (2010). Der Kulturpreis ist mit 4.000 Euro dotiert. Der Kulturförderpreis ist mit 3.000 Euro und der Anerkennungspreis mit 2.000 Euro dotiert. sb

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