Kurparkschlösschen Herrsching

Rolle rückwärts und alles auf Anfang

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Herrsching – Und täglich grüßt das Murmeltier: Nun machte der Herrschinger Gemeinderat wieder einmal die Rolle rückwärts und beschloss mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im kommenden Haushalt 20.000 Euro für die Entwurfsplanung eines barrierefreien Kurparkschlösschens einzustellen. Denn, um Barrierefreiheit führe kein Weg herum, gab Wolfgang Schneider (SPD) zu bedenken. Schließlich gehe eine öffentliche Nutzung rechtlich damit einher.

Das denkmalgeschützte Schlösschen am See also barrierefrei: ein Dauerbrenner – und nicht nur die am Montag anwesenden Kreisbaumeister Christian Kühnel und Fachbereichsleiter der Technik, Dieter Sinning (beide vom Landratsamt), ermahnten, dass Nutzen und Kosten unter Umständen in keinem Verhältnis stünden. Den Räten lag außerdem ein Schreiben von Wolfgang Marchner vor. Der Referent für die Ortsentwicklung Tutzing hatte hinsichtlich des geplanten Einbaus eines Lifts große Bedenken. „Denn, dies hätte unstrittig eine nicht mehr rückgängig zu machende Zerstörung der authentischen Substanz dieses weitgehend noch erhaltenen und ortshistorisch bedeutsamen Baudenkmals zur Folge“, schrieb der Tutzinger in an das Gremium. Am Montabend stand allerdings weniger der Denkmalschutz im Fokus, sondern vielmehr die Kosten. Und die wollten die Räte genau wissen. Zur Expertenrunde geladen hatte die Verwaltung neben den Herren vom Landratsamt auch Herbert Luy, einen Fachmann auf dem Gebiet Umbauten denkmalgeschützter Gebäude. Der Diplom-Ingenieur legte erst im Mai dem Landesamt für Denkmalpflege ein Konzept für einen Innenaufzug im südöstlichen Bereich des Gebäudes am Treppenhaus vor. Jetzt hatte er eine zweite Variante im Nord-Westen mitgebracht. Die Verantwortlichen der Denkmalpflege stünden dem Entwurf positiv gegenüber, betonte Luy mehrfach. Wände müssten in dieser Version keine verschoben, im Keller allerdings Rohre verlegt und für den Lift ins Obergeschoss Decken durchbrochen werden. Die Menschen mit einer Gehbehinderung würden dann über den Hintereingang eintreten – und im Falle eines Brandes, könnte man sie hinter einem sogenannten Rauchvorhang auf dem Balkon parken, bis die Feuerwehr kommt. Stichwort Brandschutz: Vor ein paar Jahren investierte die Gemeinde bereits 350.000 Euro, damit das Gebäude wieder öffentlich genutzt werden konnte. Die Vorschriften in Sachen Brandschutz für Besucher mit einer Behinderung sind freilich strenger als für diejenigen, die aus eigener Kraft fliehen können. „Keiner weiß, wie lange der Balkon im Brandfall hält“, ermahnte der Kreisbaumeister und schob nach: „Wenn es um die Sicherheit geht, kann man mit uns nicht verhandeln.“ Alleine für die Anfahrt benötige die Feuerwehr 20 Minuten, legte Thomas Bader (CSU) nach. Schließlich drehte sich alles um die möglichen Kosten. Darüber konnte weder Luy noch die Herren vom Landratsamt Auskunft geben. Klaus Pittrich (CSU) ging von einer größeren Summe aus und plädierte wie in der Vergangenheit dafür, mit dem Geld lieber das Bahnhofsgebäude auszubauen. Am Ende fand sich eine Mehrheit, die sich von der Entwurfsplanung genauere Umbaukosten erhofft.  mk

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