Kurparkschlösschen Herrsching: Barrierefreiheit in weiter Ferne

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Herrsching – Ohne Barrierefreiheit keine öffentliche Nutzung: Der Herrschinger FDP-Gemeinderat und Behindertenbeauftragter Alfred Ploetz verlangt die komplette Schließung des Kurparkschlösschens, wenn der Gemeinderat sich weiterhin weigert, einen barrierefreien Ausbau voranzutreiben. Einen entsprechenden Antrag, der bereits im Vorfeld der Gemeinderatssitzung für Wirbel sorgte, stellte Ploetz am Montag dem Gremium vor.

Dabei erinnerte er daran, dass im aktuellen Haushalt 20.000 Euro für die Untersuchung eines Lifts oder ähnlichem für das Kurparkschlösschens bereitstünden. Auch in Erinnerung rief Ploetz, dass sich der Gemeinderat in unterschiedlicher Besetzung bereits seit 16 Jahren mit dem Thema befasse. „Es kann doch nicht sein, dass man behinderte Menschen von den Veranstaltungen im Kurparkschlösschen von vorne herein ausschließt“, appellierte Ploetz an die Runde. Sein Vorschlag: Auf der Grundlage des Schreibens von Generalkonservator Matthias Pfeil, das dieser im Dezember 2015 an den damaligen Planer Heiner Förderreuther gesandt hatte, soll der Gemeinderat eine neues Planungsbüro beauftragen. Pfeil hatte geschrieben, „einen Innenaufzug an einem untergeordneten Standort innerhalb des Gebäudes“ halte er für eine „denkmalpflegerische denkbare Option“. Er wisse, dass andernorts derartige Aufzüge für 80.000 Euro eingebaut wurden, für das Kurparkschlösschen rechne er mit 120.000 bis 150.000 Euro. Der radikalen Lösung wollte am Montag im Gemeinderat jedoch die Mehrheit nicht folgen. Auch, weil damit der Kulturverein als Hauptnutzer, der am selben Tag eine Nutzungsverlängerung für weitere drei Jahre beantragt hatte, somit die Grundlage für seine Veranstaltungen und Ausstellungen entzogen bekäme. „Der Kulturverein soll sein Ding machen“, befand etwa Klaus Pittrich (CSU), der es sich einmal mehr nicht nehmen ließ, Kritik am Gebaren der Befürworter zu üben: „Wie lange lassen wir uns an der Nase herumführen, hier wird so lange nach einem Planer gesucht, bis es passt.“ Und Parteifreund Willi Welte legte nach: „Es geht halt nicht.“ Vielmehr solle man das Geld, das man für Planer und Gutachter ausgebe, in den Bahnhof stecken. „Wenn die Bahn es einmal schafft, das Gelände zu entwidmen, dann könnte dort unser Kultursaal entstehen“, sagte Welte. Was sich Ploetz im Übrigen auch vorstellen kann. Alternativen zum nicht-barrierefreien Kurparkschlösschen gebe es in Herrsching zuhauf – den Rathaussaal, das Haus der bayerischen Landwirtschaft, den Andechser Hof oder den Breitbrunner Bürgersaal. Unterstützung bekam Ploetz von SPD-Gemeinderat Wolfgang Schneider, der ebenfalls auch für die Schließung plädierte. „Wenn das nicht barrierefrei wird, dann können dort keine Veranstaltungen mehr stattfinden, egal wer kommt.“ Für Anke Strobl und Christiane Gruber (beide BGH) ist der Bahnhof als Kulturort „noch zu weit weg“, was sich auf die Realisierbarkeit bezog. Deshalb sei es eben unumgänglich, sich erneut mit dem Kurparkschlösschen zu befassen. Bevor dieser Punkt aus Ploetz‘ Antrag mit elf zu 14 Stimmen abgelehnt wurde, mahnte Thomas Bader (CSU) die Runde, fünf Planer seien seit 2001 mit der Thematik betraut gewesen und alle hätten das Unterfangen als schwierig oder nicht machbar erachtet, irgendwann müsse man zu einem Ende kommen. Ebenfalls eine Schließung des Kurparkschlösschens lehnte das Gremium mit sechs zu 18 Stimmen ab, und wenig später befand eine Mehrheit von 15 (gegen neun) Gemeinderäte, einer Vertragsverlängerung für den Kulturverein bis 2021 zustimmen zu können.O. Puls

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