Gericht Starnberg

Wegen Ladendiebstahls verurteilter Ex-Juwelier (73) kündigt Berufung an und "freut" sich aufs Landgericht

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Starnberg – Der soeben wegen Diebstahls Verurteilte war außer sich vor Empörung: „Ich freue mich schon aufs Landgericht!“, ließ der 73-jährige Rentner beim Verlassen des Saals Amtsrichterin Christine Conrad wissen und kündigte damit an, in Berufung gehen zu wollen.

Der Mann fühlte ich offenbar ungerecht behandelt, hatte er doch den ihm zur Last gelegten Waren-Klau in einem Starnberger Drogeriemarkt vehement abgestritten. Laut Anklage hatte der ehemalige Juwelier im Oktober 2016 zwei Waschmittel entwendet, die der Markt damals als Sonderangebote sowohl im Geschäft als auch vor dem Laden anbot. Die als Zeugin geladene Detektivin des Hauses berichtete, der Kunde habe den Drogeriemarkt „mit einer gefalteten Einkaufstasche“ betreten und sei „sofort nach hinten gegangen“ - kurz darauf habe der Mann an der Kasse vorbei den Laden wieder verlassen, sich noch bei den Warenangeboten draußen umgesehen und dann aus dem Bereich des Geschäfts mit zielgerichteten Schritten entfernt, ohne die inzwischen ein-gesteckten Produkte zu bezahlen, so die Detektivin. Erst als sie ihn angesprochen habe, sei der Mann wieder in den Laden gegangen und habe dort Papiertücher bezahlen wollen - der vorherige Diebstahl der Waschmittel war da aber aus ihrer Sicht aber schon passiert. Der Angeklagte widersprach heftigst und wurde ausfallend: „Die lügt doch sowieso - ich war nur vor dem Laden!“, entfuhr es dem Rentner, der sofort mutmaßte, die Zeugin werde „nach Fangprämie“ bezahlt. Dies widerlegte die 45-Jährige mit den Worten: „Ich habe meinen ganz normalen Stundenlohn.“ Auch dem Staatsanwalt wurden solche Unterstellungen nun zu bunt: Der Angeklagte riskiere ein weiteres Verfahren wegen falscher Verdächtigung, wenn er so weiter mache. Doch der Ex-Juwelier war nicht zu bremsen - es habe damals noch einen anderen Kunden gegeben, der zu seinen Gunsten intervenieren wollte, als die Detektivin den Diebstahl behauptete: „Der hat gefragt, ob man das nicht anders regeln könne, schließlich sei ich ein angesehener Geschäftsmann.“ Die Zeugin blieb unbeeindruckt: Das habe mit dem zweifelsfrei festgestellten Diebstahl nichts zu tun, „der hatte keine Lust zu bezahlen und ging an uns vorbei einfach raus.“ Der ohne Rechtsbeistand erschienene Beschuldigte nahm sich im Zuge der Gerichtsverhandlung vor, er werde den „anderen“ Kunden „auf jeden Fall noch ausfindig machen“, er habe nämlich „noch nie was weggenommen, was ich nicht bezahlt habe“. Außerdem kenne er einen Ex-Kollegen der Richterin:„Wir treffen uns immer auf dem Schießstand!“, so die subtile „Drohung“. Noch immer wütend war er auf den Drogeriemarkt: „Das ist ´ne richtige Falle mit diesen Sonderangeboten!“ Richterin Conrad ließ durchblicken, dass es auf Grund der Zeugenaussage wohl zu einer Verurteilung kommen werde und eine Verfahrenseinstellung wegen einiger Vorstrafen des Starnbergers nicht in Frage käme - doch der blieb uneinsichtig und zog seinen Einspruch gegen den ursprünglichen Strafbefehl (40 Tagessätze zu je 20 Euro) nicht zurück. Somit war auch die „Geständnisfiktion“ des Strafbefehls vom Tisch, und das Urteil fiel noch ein wenig deutlicher aus: 50 Tagessätze zu je 30 Euro. Es folgte ein Abgang mit energischen, demnächst wohl auch rechtlichen Schritten des Verurteilten. mps

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