Hilfe, wo Hilfe dringend nötig ist

Landkreis: Asylhelferkreis zieht Bilanz 

+
Bürgermeister Klaus Kögel, Johanna Senft von der Agendagruppe Integration und Asyl und Katharina Weyer, Ansprechpartnerin für Flüchtlingsfragen in Seefeld und die vielen Asylhelfer feierten fünf Jahre

Seefeld – Zwei Stunden lang berichteten die Asylhelfer am Montag im Sitzungssaal der Gemeinde Seefeld über ihre Arbeit mit den Geflüchteten. Gebannt verfolgte Klaus Kögel die berührenden Schilderungen der Ehrenamtlichen – woraufhin der Bürgermeister eine neue Qualifikation für sie kreierte: „Integrationsmanager“. Und er bescheinigte den 13 anwesenden Helfern Engagement, Durchsetzungsvermögen und Passion.

„Ohne Ihre Hilfe würde ich das nicht schaffen“, betonte Katharina Weyer, Ansprechpartnerin für Flüchtlingsfragen in Seefeld, sowie Barbara Huber und Daniela Herzog vom Landratsamt. Fünf Jahre ist es her, dass Ute Dorschner, Brigitte Altenberger, Evelyn Villinger, Patricia Kalchschmidt und Johanna Senft die Agenda Gruppe „Integration und Asyl“ gründeten. Das war im „Herbst 2014, als die Welt schon Kopf stand, weil viele Menschen, vertrieben durch Kriege und Armut ihre Heimat verlassen hatten“, schrieb Senft im „Motivationsheft, das die Gruppe extra zum Jubiläum herausgebracht hat. 

„Der Kernpunkt sind die Patenschaftsmodelle“, betonte Senft beim Pressegespräch. Warum das so ist, wird spätestens beim Lesen der Beiträge klar. Etwa bei der Geschichte von Lal Mohammed aus Afghanistan, der nicht in die Schule gehen durfte, und über Pakistan, den Iran und die Türkei nach Seefeld gekommen ist. Oder Ali aus Mali, der dankbar für die netten Menschen war – und „dass man hier keine Waffen hört“. Den Asylsuchenden zur Seite standen Menschen wie Elisabeth Bröcker, Ingo Jäckel, Sybille Simon-Weidner und viele mehr. Und das oft erfolgreich. Wie bei dem Mann aus Sierra Leone, der einen Realschulabschluss und anschließend eine Ausbildung als Pfleger begonnen habe, wie Jäckel berichtete. Das ist keine Ausnahme, denn viele Bewohner der Unterkunft arbeiteten oder befänden sich in der Ausbildung, wusste Marianne Cremonesi. Dem vorausgegangen sind allerdings auch zermürbende, zeitaufwendige Behördengänge über Monate hinweg. Essenzieller Bestandteil der Hilfe war anfänglich die Vermittlung der Sprache. 

Als Einstiegswort entschied sich Sepp Schneider, der als Vize-Bürgermeister die Gruppe unterstützte, für „Servus“, was bis heute für Heiterkeit zwischen den Schülern und ihm sorge. Hiltrud und Margita Gürtler hatten als Lernhilfe sogar die Internetseite www.jetzt-deutsch.de entworfen. Auch die deutschen deutschen Gewohnheiten brachten die Freiwilligen den Asylbewerbern näher – und bekamen im Gegenzug einen Einblick in deren Kultur. Dazu gehöre Gastfreundschaft ebenso wie das freundliche Miteinander der Religionen, erzählte der beeindruckte Helfer Josef Ilg. Altenberger kümmert sich als Ärztin um die Gesundheit der Geflohenen, Karin Ehrensperger nimmt sich der Integration der Kinder an. „Das macht viel Spaß und bringt was“, freute sie sich. Allerdings hatte Corona die Unterstützung beim Lernen ins Stocken gebracht. „Jetzt haben wir Räume und können unsere Arbeit wieder aufnehmen.“ Die Helfer teilten viele schöne Erinnerungen – aber auch dunkle Stunden. Beispielsweise an dem Tag, an dem zwei Brüder sich aus Verzweiflung das Leben nahmen. Davon erzählte Senft noch

immer bewegt. „Es waren fünf Jahre mit Höhen und Tiefen“, fasste die 55-Jährige zusammen. Alles in allem sei die Arbeit mit den Geflohenen eine Erfahrung, die sie nicht missen wollten, war sich die Runde einig. Das Pressegespräch schloss mit dem dringenden Appell: Um Helfer und finanzielle Unterstützung wird gebeten.

Anmerkung der Redaktion: In der Printausgabe wird fälschlicherweise vom Gilchinger Asylhelferkreis gesprochen. Wir entschuldigen uns bei der Autorin und dem Asylhelferkreis für den Lapsus!

Von Michele Kirner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Starnberger Landrat Karl Roth übergibt Amtsgeschäfte an Neu-Landrat Stefan Frey
Starnberger Landrat Karl Roth übergibt Amtsgeschäfte an Neu-Landrat Stefan Frey
Hauptzollamt München warnt vor Betrug mit Love- oder Romance-Scamming
Hauptzollamt München warnt vor Betrug mit Love- oder Romance-Scamming
»Größte Investition seit Bestehen des SC«
»Größte Investition seit Bestehen des SC«
Starnberger Stadtrat will ehemalige Bürgermeisterin Pfister in die finanzielle Pflicht nehmen
Starnberger Stadtrat will ehemalige Bürgermeisterin Pfister in die finanzielle Pflicht nehmen

Kommentare