Sitzung des Ausländerbeirats

"Angriff auf ganz Europa"

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Landkreis – Die Sitzung des Starnberger Ausländerbeirates war mindestens so bunt und vielfältig wie der Beirat selbst.

Doch trotz der geselligen Stimmung wurde es am Anfang emotional, als Serge Risch, der französische Vertreter im Beirat, nach vorne trat und auf den vergangenen Freitag zurückblickte, den er als „Angriff auf ganz Europa“ bezeichnete. Nun sei die Einheit Europas gefordert. „Sie werden den Kampf verlieren, weil wir unsere Werte nie aufgeben werden.“

Zu Beginn des offiziellen Teils der Sitzung wurde Barbara Uffelmann als neue Geschäftsstellenleitung vorgestellt. Sie folgt Christine Lipovec ins Amt. Danach folgte ein bunter Rückblick auf die vergangenen Monate: Mickey Sinclair, schottischer Vertreter im Beirat, zeigte sich überwältigt von dem Engagement der Münchner, das er im September am Münchner Bahnhof erlebt hat. Es war „crazy“, sagt er. Auf einer Eintragungsliste, die den Einsatz der Helfer zeitlich koordinierte, stieg die Zahl innerhalb kürzester Zeit von 50 auf über 500 Engagierte an. „Ich hoffe, dass das Engagement nicht aufhört – das wäre so toll.“ Nächstes Jahr sieht Sinclair glückliche, aber auch schwere Zeiten auf den Landkreis zukommen.

Massenweise Spielsachen und Kleidung sammelte Christine Behnam – ebenfalls Mitglied im Ausländerbeirat aus Großbritannien – für Flüchtlinge in Herrsching gemeinsam mit ihrer Rechtsanwaltskanzlei. Sie lobte den Herrschinger Helferkreis, denn Hilfe sei von überall her „abrufbar“. Alle Sachen wurden aus München abgeholt und sollen nun neben Flüchtlingen auch Bedürftigen im Fünfseenland zugute kommen. Letztere dürfe man in der aktuellen Situation nicht vergessen.

Sabine Neumann, die Teamleiterin Asyl im Landratsamt, gab einen Überblick über die aktuelle Situation der Flüchtlinge im Fünfseenland. Ihre Zahl beläuft sich aktuell auf 1.355, sie sind auf 72 Unterkünfte im Landkreis verteilt. Dabei unterscheidet Neumann zwischen dezentralen, also vom Landkreis betriebenen, und zentralen Unterkünften, die von der Regierung betrieben werden. Eine Containerwohnanlage (eine zentrale Unterkunft) wurde gerade in Herrsching bezogen (wir berichteten). Weitere zentrale Einrichtungen folgen demnächst in Andechs (Anfang Dezember), Inning (Ende Dezember) und Breitbrunn (Ende Januar). Auch in den anderen Gemeinden wird es Unterkünfte geben, abhängig von der Größe der Gemeinde.

Andreas Hlavaty, zweiter Berger Bürgermeister, erkundigte sich bei Landratsamtsjurist Stefan Derpa, wieso nicht mehr Flüchtlinge in privaten Wohnungen untergebracht werden. Derpa begründete die zentrale Unterbringung mit dem Druck, der mit rund 50 Neuankömmlingen pro Woche auf dem Landkreis laste. Man müsse sich konzentrieren und das Hauptaugenmerk auf große Unterkünfte legen, anstatt auf Wohnungen, in denen nur drei bis vier Personen Platz finden. Nach Auffassung von FW-Kreisrat Albert Luppart seien viele Landkreise in dieser Hinsicht anderer Meinung und auch Jürgen Sklarek betonte: „Je weniger Wohnungen, desto mehr Stau in den Zelten.“

Für die „Zuagroasten“ im Fünfseenland stellte der Beirat eine neue Broschüre vor, die als Leitfaden für Neubürger dienen soll und bald auch auf Englisch erscheinen wird. cd

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