Wiederaufbau der Katastrophenregion

Über drei Millionen Euro für Nepals Erdbeben-Opfer

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Gilching – Alles beginnt mit ein paar hundert Euro Spenden, als das Ehepaar Horst und Ursula Schmel aus Dankbarkeit an die Menschen in Bolde 1996 die Bolde-Freunde gründete.

Ein Jahr später entsteht die Idee einer Krankenstation, 1998 ermöglicht das Haus – erst provisorisch, ein paar Jahre später professionell – den rund 10.000 Bewohnern Boldes eine medizinische Versorgung. 2001 bekommt die Vereinigung als Namasté-Stiftung eine „juristische Form“. Es folgt der Hannelore-Weber-Kinderhilfsfonds, ein Kinderkrankenhaus, der Hilfsfonds für die medizinische Versorgung mittelloser Nepali, der Ausbau der Shivalaya-Schule, raucharme Öfen, Photovoltaik-Anlagen, zwei Außenstationen des Dhulikhel-Krankenhauses. Fast endlos lässt sich die Erfolgsgeschichte der Stiftung fortsetzen.

Gründer und Direktor des nicht gewinnorientierten Dhulikhel Hospitals ist Dr. Ram Shresta. Er übernimmt die Außenstation in Bolde, der hier geborene Tilak Lama die Leitung. Das Ziel war und ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Alle Spenden kommen unbürokratisch und ohne Abzug den Hilfsbedürftigen zugute. Es ist viel geschafft – und als am 25. April in Nepal die Erde bebt, ist plötzlich alle anders. Die traurige Bilanz sind 6.000 zerstörte Häuser, mehr als drei Millionen Obdachlose, über 10.000 Tote und unzählige Verletzte. 90 Prozent der Schulen und Häuser im Erdbebengebiet sind zerstört (wir berichteten).

Die neu gebauten Hospitäler überstehen das Beben. Aber die Hilfsfonds leeren sich. Am Samstag fand der traditionelle Nepal-Tag im Christoph Probst Gymnasium statt. „Ein Abend, der ganz anders ist als sonst“, eröffnet Stiftungsgründer Horst Schmel die jährliche Spendenübergabe von beeindruckenden 3,1 Millionen Euro. „Bis jetzt konnten wir immer von Fortschritten berichten.“ Jetzt hat die Naturkatastrophe viel zerstört. Die Nepalesen greifen zu, räumen den Schutt zusammen und versuchen so gut es geht ihre Hütten wieder aufzubauen. Gleichzeitig ist Hilfsbereitschaft in Deutschland überwältigend. Unterdessen haben andere Ereignisse den Fokus vom Leid der Menschen genommen. „Aber sie sind nach wie vor auf unsere Hilfe angewiesen“, erinnerte Stiftungsmitglied und Bürgermeister Manfred Walter die Besucher in der gut besuchten Aula. Und dabei zählt jeder Euro, sind fünf Euro so viel wert wie mehrere Tausend. Jede Spende, egal ob groß oder klein, ist Motivation und Antrieb für Chefarzt Shrestha. Von dem Mutterhaus und den über 20 Außenstation profitieren mehr als zwei Millionen Menschen. Sein Ziel ist es, dass auch die ärmsten Patienten in den entlegensten Gebieten an jeder Hausecke versorgt werden können, fasst der Mediziner seine Vision in Worte. Dann kommt er auf das Erdbeben zu sprechen. Er stockt. Sichtlich mitgenommen erzählt er, wie das auf 50 bis 70 Akutversorgungen ausgelegte Haus plötzlich vor der Aufgabe steht, auf einen Schlag Tausende zu behandeln. Und wer wieder geheilt ist, hat kein Zuhause mehr. Ihnen gibt er Pakete mit dem Nötigsten mit. Ein Kochtopf, Salz, ein Gaskocher. Günther Strödel kümmert sich im Rahmen der Stiftung seit 2014 um die Belange und Probleme der schulischen Einrichtungen. Im November ist er vor Ort. Die Menschen leben in Blechhütten und Zelten. „Unvorstellbar, wie man hier leben kann.“ Gleichzeitig wirkt sich der schwelende politische Konflikt auf die Grundversorgung aus und schürt das Leid zusätzlich. Und trotzdem lächeln die Nepalis, sind zuversichtlich, tatkräftig und frei von jeglicher Aggression. „Sie zeigen Stärke in harten Zeiten und besonderen Herausforderungen.“ Hilfe zur Selbsthilfe: Sie ist bei Nepals Bewohnern an der richtigen Stelle.

Mehr Infos gibt‘s unter www.boldefreunde.de und www.namastestifung.de. Es werden dringend Gelder für den Kinderhilfsfonds und den Hilfsfond für die medizinische Versorgung benötigt, wer mithelfen möchte: Raiffeisenbank in Gilching, Namasté-Stiftung, IBAN: DE50 7016 9382 0000 0003 45, BIC: GENODEF 1 GIL. Die Spenden setzen sich aus folgenden Positionen zusammen: 1,4 Millionen Euro Bolde-Freunde; 308.000 Euro „Sternstunden“; 600.000 Euro Familie Wirth und Freunde; 400.000 Euro Stüdtiroler Ärzte für die Welt; 400.000 Euro Gastro Stiftung Nepal. M. Kirner

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