Feier des Starnberger Jobcenters

Glückliche Zwangsehe feiert 10-Jähriges

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Starnberg – Seit zehn Jahren gibt es das Jobcenter in Starnberg, eine Zweckehe zwischen Arbeitsagentur und Kreisbehörde.

Landrat Karl Roth und Michael Schankweiler von der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Weilheim erinnern sich an die Anfänge dieser „Gemeinschaft”, die sich um Langzeitarbeitslose kümmert. Der Ausblick auf die nächsten Jahre treibt beiden jedoch Sorgenfalten auf die Stirn. Derzeit sind es 1.700 Langzeitarbeitslose, die von den 35 Mitarbeitern des Jobcenters an der Starnberger Moosstraße betreut werden. Mit Blick auf die hohen Flüchtlingszahlen rechnen Landkreis-Sozialamtsleiter Friedrich Büttner und Gerhart Schindler, der Geschäftsführer des Jobcenters, mit einer deutlich höheren Arbeitsbelastung und ebenfalls signifikant steigenden Ausgaben. Denn ein Großteil der Asylbewerber wird nach Abschluss des Verfahrens eine Bleiberecht erhalten. „Und dann haben sie Anspruch auf Leistungen zur Existenzsicherung“, schilderte Gerhart Schindler. Er wie auch Michael Schankweiler rechnen mit 500 bis 800 „Neukunden“, das heißt die Zahl der Hartz IV-Empfänger im Landkreis könnte im nächsten Jahr auf etwa 2.500 steigen.

„Nicht jeder anerkannte Asylbewerber wird bleiben wollen“, versuchte Landrat Karl Roth zu beruhigen. Denn viele hätten Verwandte in anderen Regionen oder Bundesländern. „Die Leute überlegen sich, wo sie und ihre Familien am günstigsten Leben können. Und das wird nicht der Landkreis Starnberg mit seinen hohen Mieten sein“, ergänzte Schindler. Trotzdem rechnet man mit erheblich mehr Menschen, die Unterstützung für Lebensunterhalt und Wohnen benötigen.

Eigentlich wollte man die zehnjährige Kooperation feiern, die 2005 Landkreis und Arbeitsamt eingegangen waren. Die ungewisse Entwicklung bei den Asylsuchenden überschattete jedoch die Feierlaune. Denn neben den Ausgaben für den Lebensunterhalt – heuer rund 5,5 Millionen Euro bei einem Regelsatz von 399 Euro monatlich plus weiteren Hilfen – und den Kosten für die Unterkünfte – 7,9 Millionen Euro bei einer Kaltmiete von 10,90 Euro pro Quadratmeter – werde man auch Mittel für Deutschkurse und weiteres Personal benötigen. Für Letzteres hat der Bund 800.000 Euro bewilligt, in Starnberg rechnet man vier bis fünf neuen Mitarbeitern im Jobcenter. Die Akquise laufe bereits, versicherte Schankweiler. Und Landrat Roth ergänzte, dass man sich ebenso nach größeren Räumlichkeiten für das Jobcenter umsehe. Die Deutschkurse stellten alle in Mittelpunkt, „die Sprache ist der Eintritt in den Arbeitsleben“, legte Schindler nach. Denn nach 15 Monaten haben anerkannte Asylbewerber den vollen Zugang auf den Arbeitsmarkt.

Die vergangenen zehn Jahre bezeichnete Roth nach anfänglichen „Reibereien“ insgesamt als „sehr harmonisch“. Was auch Schankweiler so bestätigte: „Das war immerhin die größte Sozialreform der Bundesrepublik.“ Und Geschäftsführer Schindler, der gerade erst wieder für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt wurde, lobte vor allem die Mitarbeiter: „Das ist toll mit solchen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen.“ O. Puls

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