Klimaschutz-Werkstatt

"Nichts für die Schublade"

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Landkreis – „Wir wollen nicht noch ein Papier, das in die Schublade gesteckt wird“, sagte Walter Kellner, der Vorstand des Vereins Energiewende Landkreis Starnberg, zum Auftakt der Klimaschutz- und Energiewende-Werkstatt am vergangenen Freitag im Landratsamt.

46 ausgewählte Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeiteten in thematischen Gruppen Maßnahmen zur Erreichung des Energiewende-Ziels, das eine Versorgung des Fünfseenlands mit erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2035 vorsieht. Wie berichtet, verläuft die Energiewende bisher eher schleppend. Trotz enormer Anstrengungen sei die Zwischenbilanz in diesem Jahr durchwachsen ausgefallen, teilte der dritte Landrat Tim Weidner mit. Bei für die Energiewende wesentlichen Kennzahlen befinde sich der Landkreis mitunter am Tabellenende. Betrachtet man beispielsweise die Stromerzeugung im Fünfseenland aus dem Jahr 2013 so liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei gerade einmal sieben Prozent, bundesweit dagegen sind es 25 Prozent. Daher habe man im Mai die Veranstaltung einer Klima-Werkstatt durch den Kreistag beschlossen. „Wir lamentieren nicht, wir handeln“, so Weidner. 140 Akteure aus der Zivilgesellschaft wurden zu der Klimaschutz-Werkstatt eingeladen und aufgefordert einen Fragebogen auszufüllen, 25 Schreiben kamen zurück. „Die Gesellschaft wird nicht mitgenommen, es braucht mehr öffentlichkeitswirksame Aktionen“, hieß es in einer Antwort, die sich auch in den Zielen des sogenannten Klima-Pakts widerspiegelt: Neben einer besseren Bewusstseinsbildung müsse es mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung der Energiewende geben. Dabei sei Öffentlichkeitsarbeit der Schlüssel, sagte Vereinsvorsitzender Kellner, der darüber hinaus den Klimaschutz als Querschnittsaufgabe bezeichnete: In jeder Organisation müsse seine Priorität klar werden. „Mit diesem Lebensstil brauchen wir drei Erden“, warnte Kellner.

Strom, Wärme, Konsum/Lebensstil und Mobilität waren die Themen der vier Gruppen, die in drei Workshopphasen bearbeitet wurden. Während der abschließenden Präsentation der Ergebnisse fiel ein Vorschlag gleich mehrfach: In jeder Gemeinde solle es best practice Beispiele geben, beispielsweise ein saniertes Musterhaus, das „à la Tupperparty“ besichtigt werden könne. Die Herausforderung dabei sei es, die Bürgermeister zu überzeugen. „Erneuerbare Energien müssen zur Chefsache gemacht werden“, sagte Kellner. Nur zwei Bürgermeister, Rupert Monn aus Berg und Rainer Schnitzler aus Pöcking, waren der Einladung zur Klimaschutz-Werkstatt gefolgt. Es müsse mehr Vernetzung und Bündnisse zwischen Kommunen und Landkreis geben, forderte Kellner, der gemeinsam mit Grünen-Kreisrat Gerd Mulert die Ergebnisse der „Strom-Gruppe“ präsentierte.

Die Arbeitsgruppe „Konsum/Lebensstile“ schlug unter anderem einen „Öko-Survival“-Wettbewerb unter Familien vor, bei dem man beispielsweise eine Woche ohne Auto auskommen müsse. Die Ideen aus den Workshop-Gruppen werden nun als Maßnahmenkatalog dem „Klima-Pakt“ hinzugefügt, dieser wird dann den politischen Gremien im Landkreis zum Beschluss vorgelegt. Sie sollen dem Pakt zustimmen und sich damit dazu verpflichten mindestens drei Maßnahmen aus dem Dokument in den kommenden Jahren 2016, 2017 und 2018 umzusetzen. Bei der Erstellung des Pakts galt der Energiewendebeschluss aus dem Jahr 2005 weiterhin als wichtige Zielvorgabe. Darüber hinaus basiert er auf Anregungen eingegangener Fragebögen und aus Erfahrungen bisheriger Umsetzungshemmnisse im Landkreis. Eine konkrete Forderung im „Klima-Pakt“ ist die permanente Einrichtung der Stelle des Klimaschutzmanagers – seit 2012 ist Josefine Anderer-Hirt im Amt –, die auch nach Auslaufen der staatlichen Förderung im Frühjahr 2017 durch den Landkreis beibehalten werden soll.

„Wir hoffen das nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern streben eine interkommunale Zusammenarbeit an“, sagte Sebastian Osenstetter von der Firma energie.concept.bayern, der den Workshop moderierte. Doch letzten Endes hänge der Klimaschutz vom politischen Willen, dem Verhalten der Verantwortlichen und den Energiepreisen ab. cd

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