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Unternehmer sollen für Bus bezahlen

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Landkreis – Unternehmer im Landkreis fordern ihn, die FDP ebenfalls und Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster würde am liebsten sogleich zur Tat schreiten: Ein zweiter Expressbus für das Fünfseenland. Dieser könnte Wirklichkeit werden – wenn sich die Unternehmerschaft an den Kosten beteiligt.

Der „X910“ soll vom S-Bahnhof Weßling (S8) über die Gewerbegebiete Oberpfaffenhofen und Gilching Süd weiter nach Gauting zur S-Bahn (S6) bis zur U-Bahnhaltestelle Großhadern (U6) verkehren. Vor allem von der Anbindung der Gewerbegebiete sowie der Tangentiale zwischen den Bahnhöfen Weßling, Gauting und Großhadern verspricht sich Verkehrsmanangerin Münster eine hohe Akzeptanz bei den Pendlern. Als Beispiel führt sie immer wieder den „X900er“ von Starnberg Nord über Gilching, Alling, Fürstenfeldbruck bis Buchenau an. Und auch von Seiten der Unternehmer ist zu hören, dass sie sich für ihre Belegschaften eine gute öffentliche Anbindung wünschen. Doch die Kreisräte machten im Sommer der Verkehrsmanagerin erst einmal einen Strich durch ihre Rechnung. Schlichtweg zu teuer, war die mehrheitliche Meinung mit Blick auf die zig Millionen, die der Landkreis in den nächsten Jahren für Schulbauten sowie für die Erweiterung des Landratsamtes ausgeben wird. Die FDP-Kreistagsfraktion brachte mit einem Antrag das Thema im September wieder auf die Tagesordnung, und so hatten sich jüngst die Mitglieder im Kreis-Mobilitätsausschuss erneut mit der Expressbuslinie zu befassen. „Die Ampel ist nicht auf Rot“, versicherte Susanne Münster, sie habe sich in den vergangenen Wochen bemüht, das hohe Defizit für die Linie von rund 500.000 Euro zu reduzieren. Die Verkehrsmanagerin möchte nicht nur einen Bus einsparen, sondern auch die Unternehmer gewinnen, sich an der Finanzierung der Linie, die vor allem ihren Mitarbeitern zugute käme, zu beteiligen. Das hätte für Münster einen Doppeleffekt. Wie sie in der Sitzung betonte, würden die Firmenchefs bei einer Mitfinanzierung dann auch kräftig die Werbetrommel für den Bus in ihrem Betrieb rühren. Ein Knackpunkt ist die Verbindung vom Gewerbegebiet Süd zur Friedrichshafener Straße nach Oberpfaffenhofen. Wie Gilchings Rathauschef Manfred Walter betonte, werde diese Verbindung so schnell auch nicht realisiert werden – ebenfalls aus Kostengründen. „Bei dieser Verbindung handelt es sich um eine reine Gemeindestraße, die uns rund drei Millionen kosten wird“, schilderte Walter. „Das ist mehr, als uns die Westumfahrung kostet.“ Und er legte noch eins drauf: Auf der gemeindeeigenen Prioritätenliste sei diese Straße nicht unter den Top Ten zu finden. Der Bus muss also ein Stück über die stark befahrenen A96 fahren, was eine Einbuße an Attraktivität bedeutet. Für die Verkehrsmanagerin steht daher fest, der „X910“ kommt nur mit Beteiligung der Unternehmer. Diese wiederum machen eine Unterstützung von einem attraktiven und flexiblen Fahrplan abhängig, den Münster aber verlässlich erst ausarbeiten kann, wenn sie weiß, ob die Finanzierung steht. „Das ist wie der Vergleich mit der Henne und dem Ei – wer war zuerst da“, brachte es Wolfgang Weber-Guskar (FDP) auf den Punkt. „Brauchen wir zuerst den Fahrplan oder die Kosten?“ warf Weber-Guskar die Frage auf. Die Unternehmer freilich wollen erst einmal einen Fahrplan sehen. Eine Umfrage unter den potentiellen Fahrgästen regte Max Stürzer (CSU) an. Diese habe man bereits bei einer Wiederinbetriebnahme des S-Bahnhaltestelle Weichselbaum durchgeführt, so Münster. Mit dem Ergebnis, dass es für einen S-Bahn-Stopp zu wenige, für einen Bus aber genügend seien. Eine „Entscheidung längerfristig zurückstellen“ empfahl der Weßlinger Bürgermeister Michael Muther (Freie Wähler) mit Blick auf die Kosten. „Wir sollten jetzt erst einmal das Westbündel ordentlich zum Laufen bringen und dann schauen wir weiter“, sagte Muther. Er zitierte noch einen seiner Stellvertreter im Rathaus mit dessen Feststellung zur Auslastung der Busse: „Der einsamste Mensch im Landkreis ist der Busfahrer.“ Bis zum Frühjahr möchte Susanne Münster eine neue Planung samt Kostenberechnung vorlegen – und noch einmal das Gespräch mit den Unternehmern suchen. po

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